Der französische Technologiekonzern Thales und das Berliner Unternehmen Scipio Networks wollen ihre Software-Plattformen verbinden. Ziel ist ein durchgängiges System, das Führungsebene und Nachschub in einem gemeinsamen Lagebild zusammenführt.
Scipio Networks und Thales haben am 23. Juni 2026 eine strategische Partnerschaft angekündigt. Im Kern steht die Integration der Logistik-Plattform Appia von Scipio in die C4ISR-Lösung HexaForce von Thales. Aus beiden Systemen soll eine durchgehende Fähigkeit für multidomänenfähige Führung und Logistik entstehen, die Streitkräften ein gemeinsames Bild von Auftragslage und Versorgungssituation liefert. Die Kooperation ist deutsch-französisch ausgerichtet und wird von beiden Seiten als Beitrag zu einer europäischen, souveränen Verteidigungstechnologie eingeordnet.

Was die Partnerschaft leisten soll
Bislang arbeiten Führungs- und Logistiksysteme auf dem Gefechtsfeld weitgehend getrennt. Durch die Verbindung der Führungsebene von HexaForce mit den logistischen Echtzeitdaten von Appia sollen Stäbe Nachschubinformationen unmittelbar in ihrer Führungsumgebung nutzen können. Damit adressieren die Unternehmen eine Informationslücke, die die Planung der Versorgung an der vordersten Linie bislang erschwert.
Scipio-Geschäftsführer Philipp Enzinger hebt hervor, dass europäische Streitkräfte erstmals Führungsabsicht und logistische Realität gleichzeitig in einem einheitlichen Bild abbilden könnten. Olivier Kermagoret, bei Thales für den Verteidigungsbereich zuständig, betont, dass moderne C4ISR-Systeme mit allen Ebenen des Einsatzraums verbunden sein müssten – auch mit der logistischen.
Hintergrund: Die Plattform Appia
Appia ist als digitale Zwischenschicht zwischen ERP-Systemen, NATO-Anwendungen und Gefechtsfeld konzipiert. Während auf strategischer Ebene nationale Systeme wie SASPF oder das NATO-System LOGFAS die Planung logistischer Ressourcen unterstützen, besteht auf den taktischen Logistikebenen 1 und 2 – mit der Brigade als Schwerpunktnutzer – eine strukturelle Fähigkeitslücke. Dort werden Bedarfe, Bestände und Transportbewegungen heute oft über heterogene Kanäle wie Funk, Excel-Tabellen oder mündliche Absprache koordiniert; ein durchgängiges logistisches Lagebild fehlt.
Appia führt Daten aus bestehenden Systemen bidirektional in einem sogenannten Recognized Logistics Picture (RLP) zusammen. Bedarfe, Bestände, Prioritäten, Transportmittel und Versorgungsrouten lassen sich so in Echtzeit darstellen. Das System kann auf einem Feldserver im Brigadegefechtsstand betrieben und über gehärtete Tablets oder Laptops bedient werden; die Funktionen bleiben auch ohne Netzverbindung in stark belasteten oder umkämpften Umgebungen nutzbar. Mithilfe künstlicher Intelligenz unterstützt Appia zudem die dynamische Planung von Nachschubbewegungen. Die Plattform ist von Beginn an als multinational interoperables System ausgelegt und arbeitet komplementär zu LOGFAS.
Einordnung
HexaForce ist ein KI-gestütztes Multidomänen-C4I-System von Thales, das für Gefechtsstände entwickelt wurde, die über Land, Luft, See, Cyber und Weltraum hinweg agieren. Thales beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 80.000 Mitarbeitende in 68 Ländern.
Der logistische Unterbau der NATO stützt sich bislang auf die Logistics Functional Area Services (LOGFAS), eine Werkzeugsammlung für strategische Verlegung, multinationale Einsatzplanung und Nachschubplanung, die von der NATO Communications and Information Agency entwickelt und betreut wird. Mehrere zentrale LOGFAS-Module nähern sich jedoch ihrem Lebenszyklusende, und frühere Modernisierungsprogramme blieben hinter den Erwartungen zurück – ein Grund, warum ergänzende Lösungen auf Brigadeebene zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Mit WhatsApp immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
