Die schwedische Beschaffungsbehörde FMV hat Saab mit der Fortsetzung der Konzeptarbeiten für ein künftiges Luftkampfsystem beauftragt. Der Vertrag über rund 2,9 Milliarden Schwedische Kronen umfasst Studien sowie fliegende und bodengebundene Demonstratoren.
Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat von der schwedischen Rüstungsbeschaffungsbehörde (Försvarets materielverk, FMV) einen Auftrag für weitere Konzeptarbeiten an einem künftigen Luftkampfsystem erhalten. Das teilte das Unternehmen am 9. September 2026 mit. Der Auftragswert liegt bei etwa 2,9 Milliarden Schwedischen Kronen (SEK), nach Angaben des Fachportals AeroTime rund 302 Millionen US-Dollar. Die Vertragslaufzeit reicht von 2026 bis 2028, Optionen ermöglichen eine Verlängerung um die Jahre 2029 und 2030.
Demonstratoren und Systemkonzepte
Ziel des Vertrags ist es, neue Technologien für das künftige Luftkampfsystem weiterzuentwickeln und zu erproben. Vorgesehen sind fliegende und bodengebundene Demonstratoren, vertiefende Studien sowie die Ausarbeitung von Systemkonzepten für bemannte und unbemannte Plattformen. Nach Angaben der FMV sollen zwei Versionen eines fliegenden Demonstrators fertiggestellt und autonom geflogen werden. Damit lassen sich angestrebte Eigenschaften im Unter- und Überschallbereich erproben und in Entwicklung befindliche Technologien testen und validieren.
Saab zufolge soll das Programm nationale Fähigkeiten in den Bereichen Systemintegration, Autonomie, Signaturanpassung, Antrieb, digitale Entwicklung und künftige Fertigung stärken. Zugleich diene es dem Kompetenzaufbau, der Verringerung technischer Risiken und dem Erhalt von Handlungsspielraum für spätere Entscheidungen über die schwedischen Luftkampffähigkeiten. Lars Tossman, Leiter des Geschäftsbereichs Aeronautics, sieht in dem Auftrag ein Zeichen fortgesetzten Vertrauens der FMV und bezeichnet die Arbeiten als wesentlich für die Technologien des künftigen Systems.
Paralleler Vertrag mit GKN Aerospace
Zeitgleich hat die FMV einen separaten Vertrag mit GKN Aerospace geschlossen, der ebenfalls bis 2028 läuft und einen Wert von rund 390 Millionen SEK hat. Carl-Fredrik Edström, Leiter des Bereichs Luft- und Raumfahrtmaterial der FMV, beschreibt die neuen Verträge als Schritt von Konzept- und Studienarbeit hin zur praktischen Entwicklung, Integration und Demonstration von Technologie. Angesichts der langen Entwicklungszeiten bei Luftkampfsystemen müsse Schweden bereits heute Wissen, Kompetenz und eine technische Basis aufbauen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Entscheidungsgrundlage für die Zeit nach 2040
Die Arbeiten laufen im Konzeptprogramm für ein künftiges Luftkampfsystem (schwedisch: Konceptprogram Framtida Stridsflygsystem, KFS). Dieses ist Teil der behördenübergreifenden Initiative „Combat Air Choices“ (schwedisch: Vägval stridsflyg), die eine Entscheidungsgrundlage dafür schaffen soll, wie Schweden seine Luftkampffähigkeit nach 2040 sicherstellt. Getragen wird sie von der FMV, den schwedischen Streitkräften und dem schwedischen Forschungsinstitut für Gesamtverteidigung (Totalförsvarets forskningsinstitut, FOI).
Der aktuelle Auftrag schließt an Verträge aus den Jahren 2024 und 2025 an. Die Erweiterung vom Oktober 2025 hatte einen Wert von 2,676 Milliarden SEK und umfasste Konzeptstudien, Technologieentwicklung sowie einen fliegenden Demonstrator. Konzept- und Technologiearbeiten waren darin bis zum dritten Quartal 2026 vorgesehen, die Demonstratorarbeiten einschließlich erster Flüge bis 2027.
Einzelne Technologien werden bereits im Flug erprobt. Im Rahmen des über KFS finanzierten Projekts Beyond flog im Mai und Juni 2025 eine Gripen E mit dem KI-Agenten Centaur des Unternehmens Helsing über der Ostsee.
Unbemanntes Luftkampfsystem A3
Unabhängig vom FMV-Auftrag hat Saab eigene Vorstellungen für die unbemannte Komponente vorgelegt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Malmen bei Linköping zeigte das Unternehmen am 22. August 2026 das Vollmodell eines unbemannten Luftkampfsystems (Uncrewed Combat Air System, UCAS) mit der Bezeichnung A3-001. Es soll im Verbund mit bemannten Plattformen als Teil eines vernetzten System-of-Systems-Ansatzes operieren und könnte die Gripen ergänzen. Vorgesehen ist es für Einsätze mit hohem Risiko, etwa elektronische Kampfführung, Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung (SEAD) und Präzisionsschläge in stark umkämpften Räumen. Geringe Signatur und ein hoher Autonomiegrad sind zentrale Merkmale des Konzepts. Nach Angaben von Peter Nilsson, Leiter der Geschäftseinheit Advanced Programs, will Saab noch vor 2030 unbemannte Demonstratoren mit Kampfjet-typischen Flugeigenschaften fliegen. A3 selbst sei ein eigenes Saab-Konzept, das Mitte der 2030er-Jahre folgen könnte, sofern Schweden auf den laufenden Arbeiten aufbaut.
