Europa rüstet auf. Mit dem Programm ReArm Europe und einem historischen Anstieg der Verteidigungsausgaben stehen europäische Rüstungskonzerne vor einer neuen Ära. Diese neue Lage prägte auch den Airbus Defence Summit, auf dem der Konzern sein gesamtes Verteidigungsportfolio präsentierte. Dies bietet den Anlass für einen genaueren Blick darauf, was Airbus ist und welche Verteidigungssysteme der Konzern herstellt.
Airbus gehört zu den zentralen Akteuren dieser neuen Ära – als einer der drei umsatzstärksten Rüstungskonzerne Europas und als Träger der bedeutendsten multinationalen Beschaffungsvorhaben des Kontinents. Der Konzern gliedert sich in drei Divisionen: Airbus Commercial Aircraft für Passagierflugzeuge, Airbus Helicopters für zivile und militärische Drehflügler sowie Airbus Defence and Space, zuständig für die militärische Luftfahrt und Raumfahrt. Wie Airbus insgesamt umfasst die Division die vier Kernnationen Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien.
Airbus Defence and Space ist in drei Bereiche gegliedert: Air Power – zuständig für Kampf- und Transportflugzeuge sowie Drohnen –, Space Systems – zuständig für Satelliten und Trägerraketen – sowie Connected Intelligence, zuständig für Cybersicherheit und Aufklärungssysteme.
Mit rund 36.000 Mitarbeitenden weltweit, davon knapp 14.100 in Deutschland, und einem Umsatz von 13,4 Milliarden Euro ist Airbus Defence and Space ein europäisches Schwergewicht und versteht sich selbst als Rückgrat des europäischen Verteidigungsökosystems. Das Produktportfolio reicht von Kampfflugzeugen über Drohnen bis hin zu Weltraumsystemen.
Kampf- und Transportflugzeuge
Zunächst zu den Kampf- und Transportflugzeugen.
Eurofighter Typhoon
Das Aushängeschild in diesem Bereich ist der Eurofighter Typhoon. Seine Entwicklung begann 1983 unter dem Namen European Fighter Aircraft. Die vier Nationen Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien gründeten daraufhin das Eurofighter-Konsortium mit den Industriepartnern Airbus, BAE Systems und Leonardo. Ab 1992 lief das Programm intern unter der Bezeichnung „Eurofighter 2000″, bevor für den Exportmarkt schließlich der Name Typhoon eingeführt wurde.
Heute ist der Eurofighter Typhoon bei neun Nationen im Dienst; die Türkei steht als zehnter Nutzer kurz vor der Einführung. Die vier Kernnationen haben je nach Land zwischen 73 und rund 200 Maschinen bestellt. Größter Exportkunde ist Saudi-Arabien mit 72 Exemplaren. Weltweit wurden bislang 769 Maschinen bestellt und 613 ausgeliefert.
Airbus fertigt die mittleren Rumpfmittelteile sowie die rechten Flügel aller Eurofighter im Auftragsbestand. Diese Hauptbaugruppen werden an die Endmontagelinien der Eurofighter-Partnerunternehmen geliefert: an Leonardo in Italien für italienische Flugzeuge und an BAE Systems in Großbritannien, das derzeit türkische Flugzeuge fertigt. Airbus selbst ist für die Endmontage der deutschen und spanischen Eurofighter zuständig. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage wird Airbus die Produktion von mittleren Rumpfsektionen und rechten Flügeln bis 2028 von derzeit 14 auf über 20 Einheiten pro Jahr steigern.
Das Programm sichert knapp 100.000 Arbeitsplätze in über 400 Zulieferbetrieben und leistet damit einen erheblichen Beitrag zu Steueraufkommen und Wertschöpfung in den Entwicklungs- und Produktionsländern.
Hinsichtlich seiner Fähigkeiten ist der Eurofighter Typhoon ein Mehrzweckkampfflugzeug. Seine primäre Rolle ist die Luftverteidigung – eine Aufgabe, die täglich zur Sicherung des Luftraums in den Nutzernationen wahrgenommen wird. Darüber hinaus wird der Eurofighter regelmäßig an der NATO-Ostflanke zum Luftpolizeidienst eingesetzt, beispielsweise über den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen im Rahmen der Mission Baltic Air Policing.
Über die Luft-Luft-Rolle hinaus ist er mit Wirkmitteln wie der Brimstone – und künftig dem Taurus – bewaffnet und zur präzisen Bekämpfung von Bodenzielen befähigt; beide Rollen können auch innerhalb einer einzigen Mission abgebildet werden. Zukünftig wird der Eurofighter EK die deutschen Streitkräfte zudem zur Unterdrückung feindlicher Luftverteidigungssysteme (SEAD) befähigen; der entsprechende Auftrag befindet sich bereits in der Umsetzung.
Die Entwicklung schreitet weiter voran: Airbus arbeitet an unbemannten Systemen, die im weiteren Verlauf behandelt werden. Neu ist dabei, dass einige dieser Systeme über ein deutlich höheres Maß an Autonomie verfügen sollen und der Eurofighter als Führungsflugzeug dienen soll. Zu diesem Zweck laufen bereits Untersuchungen, um den Piloten in die Lage zu versetzen, im Verbund mit unbemannten Systemen (UCCAs) zu operieren und diese taktisch zu seinem Vorteil einzusetzen.

A400M Atlas
Die A400M Atlas wurde entwickelt, um die Transall C-160 und die C-130 Hercules zu ersetzen – als Plattform, die taktischen und strategischen Lufttransport in einem einzigen Muster vereint. Nach jahrelangen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen übergab Airbus die erste A400M am 18. Dezember 2014 an die Bundeswehr. Aus dem einstigen Sorgenkind ist inzwischen jedoch ein verlässlicher Leistungsträger geworden.
Zehn Nationen haben die A400M bestellt, angeführt von Deutschland mit 53 und Frankreich mit 50 Maschinen. Außerhalb der ursprünglichen Konsortiumsnationen kamen bislang Malaysia, Indonesien und Kasachstan als Exportkunden hinzu. Eine Vereinbarung von der Paris Air Show 2025 sichert die Fertigung in Sevilla bis mindestens 2029.
Die A400M kann zum Transport von Personal und Material, zur Luftbetankung und zur medizinischen Evakuierung eingesetzt werden. Sie kann auf kurzen, unbefestigten Pisten operieren und ist damit für Gebiete geeignet, die für strategische Transporter unzugänglich sind.
Darüber hinaus wird das System in Zusammenarbeit mit den Nutzernationen ständig weiterentwickelt. Die maximale Nutzlast soll von 37 auf 40 Tonnen erhöht werden, und satellitengestützte Landesysteme unterstützen die Besatzung bei den Missionen. Künftig soll die A400M etwa zu einem sogenannten Mothership weiterentwickelt werden, das in der Lage ist, bis zu 50 Drohnen oder 12 Marschflugkörper für Deep-Precision-Strike-Missionen einzusetzen. Auch ein benutzerfreundliches „Roll-on-Roll-off“-Kit zur Waldbrandbekämpfung mit 20 Tonnen Wasser oder Löschmittel befindet sich in der finalen Entwicklungsphase.

A330 MRTT
Der A330 MRTT ist die militärische Variante des zivilen A330 und vereint drei Fähigkeiten: Luftbetankung, strategischer Truppentransport und medizinische Evakuierung. Mit bis zu 111 Tonnen Kraftstoff kann er über die Probe oder das Hose-and-Drogue-System nahezu alle NATO-Flugzeugtypen betanken. Im Truppentransport nimmt er bis zu 267 Soldaten auf, und als fliegende Intensivstation bietet er sechs Intensiv- sowie 16 Krankenbetten.
Im Rahmen der Multinational MRTT Fleet (MMF) der NATO betreiben acht Mitgliedsstaaten eine Flotte von A330 MRTT gemeinsam. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Norwegen und Tschechien; im Juni 2025 traten Schweden und Dänemark bei. Die Flotte umfasst aktuell zehn Maschinen, zwei weitere folgen 2028 und 2029. Heimatstandort ist Eindhoven, als Forward Operating Base dient Köln-Wahn.
Mit über 85 Bestellungen von 18 Luftwaffen weltweit und einem Marktanteil von rund 90 Prozent außerhalb der USA hat der A330 MRTT den einzigen Konkurrenten, Boeings KC-46, klar überholt – für Airbus ein Beleg dafür, dass Europa in diesem wichtigen Fähigkeitsbereich die Technologieführerschaft übernommen hat.

Drohnen
Airbus hat sein Drohnenportfolio in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut. Seit einer Restrukturierung im Oktober 2025 fokussiert sich Airbus Helicopters vorwiegend auf taktische Systeme, die meisten davon Drehflügler. Das Portfolio von Airbus Defence and Space umfasst hingegen strategische Programme oberhalb einer bestimmten Größe – etwa die Eurodrohne oder Uncrewed Collaborative Combat Aircraft (UCCA) –, aber auch taktische UAS wie Sirtap oder den Bird of Prey. Airbus entwickelt dabei nicht nur die Hardware, sondern auch die nötige Software, damit die Drohnen künftig autonom mit Waffensystemen wie dem Eurofighter im Verbund operieren können. Diese Lösungen zeichnen sich durch eine modulare, offene Architektur aus, wodurch sie flexibel an sich verändernde Bedingungen und Bedarfe angepasst werden können.
Eurodrohne
Das ambitionierteste UAS-Programm Europas ist die Eurodrohne – ein sogenanntes Large Long Endurance RPAS, also eine große Drohne für lange Flugzeiten bei gleichzeitig hoher Missionsnutzlast. Hauptauftragnehmer ist Airbus; Programmpartner sind Airbus Spanien und Leonardo (Italien). Vier Nationen sind am Programm beteiligt: Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Zusammen wollen sie 20 Systeme mit je drei Luftfahrzeugen, also insgesamt 60 Drohnen, für rund 7,1 Milliarden Euro beschaffen. Die Endmontage findet in Manching statt. Der Erstflug ist noch in dieser Dekade geplant, erste Auslieferungen sollen ab Anfang der 2030er Jahre erfolgen.
Das Programm hat jedoch eine lange Geschichte von Verzögerungen: Die Entwicklungsphase begann 2016, die ursprünglich für 2019 geplante Vertragsunterzeichnung erfolgte erst 2021. Im Oktober 2025 wurde der Critical Design Review erfolgreich abgeschlossen – die Designphase gilt damit als beendet. Als Nächstes stehen Prototypenfertigung und Bodentests auf dem Programm. Japan und Indien sind dem Programm inzwischen als Beobachter beigetreten.
Die derzeit kritischste Entwicklung: Frankreich hat in der aktualisierten Militärplanung vom April 2026 seine Beteiligung an der Eurodrohne reduziert und möchte parallel auch auf kleinere nationale Lösungen setzen. Airbus gibt sich offiziell optimistisch und spricht von konstruktiven Gesprächen mit den verbleibenden Partnern. Konzeptionell soll die Eurodrohne deutlich mehr Flugdauer bei hohen Missionsnutzlasten erreichen, als es die MQ-9B Sky-/SeaGuardian und die Heron TP heute können; hinzu kommen europäische Technologie und vollständige Datensouveränität. Ein weiterer Vorteil: Anders als die MQ-9B soll die Eurodrohne auch im regulären zivilen Luftraum zertifiziert werden.

German Heron TP
Die German Heron TP wurde 2018 von der Bundeswehr beschafft und ist das weltweit erste unbemannte Flugsystem, das nach dem NATO-Standard STANAG 4671 zertifiziert wurde. Dieses NATO-Standardisierungsabkommen garantiert die Lufttüchtigkeit von unbemannten Luftfahrtsystemen. Die German Heron TP sollte zunächst als Übergangslösung bis zur Einführung der Eurodrohne eingesetzt werden. Die Bundeswehr hat 2025 jedoch entschieden, das System auch darüber hinaus parallel zu betreiben. Es handelt sich um eine israelische MALE-Drohne des Herstellers IAI, die jedoch nicht direkt, sondern über die Airbus DS Airborne Solutions GmbH an die Bundeswehr geliefert wird. Airbus fungiert dabei als Hauptauftragnehmer, ist zugelassene Organisation für das System und Serviceanbieter: Airbus-Personal erledigt den gesamten Service an dem System, übernimmt die Systemintegration in die Strukturen der Bundeswehr und ist formaler Vertragspartner gegenüber dem BAAINBw. Die Heron TP ist technisch zur Bewaffnung fähig und dafür zugelassen – ein über Jahre hinweg politisch heftig umstrittener Punkt. Erst 2022 stimmte der Bundestag der Bewaffnung grundsätzlich zu. In der Praxis fliegt sie bis heute jedoch ohne Bewaffnung. Das System bietet eine weitreichende Modularität und Aufwuchsfähigkeit für zukünftige Missionsprofile wie etwa signalerfassende Aufklärung und maritime Überwachung.

Valkyrie
Im Bereich Uncrewed Collaborative Aircraft geht Airbus einen Schritt weiter. Im Juli 2025 wurde bekannt, dass Airbus gemeinsam mit dem US-Unternehmen Kratos an der Entwicklung eines Uncrewed Collaborative Combat Aircraft (UCCA) für die Bundeswehr arbeitet. Die Basis bildet die XQ-58A Valkyrie von Kratos – ein strahlgetriebenes, autonom fliegendes UCAV, das bewusst zu niedrigen Stückkosten im einstelligen Millionenbereich konzipiert wurde. Das System ist als „attritable“ konzipiert, also im Zweifel verbrauchbar. Airbus steuert das Missionssystem bei; die Einsatzbereitschaft wird für Ende 2029 angestrebt. Parallel wird der Eurofighter für die Zusammenarbeit mit dem System befähigt. Strategisch ist die Valkyrie eine Überbrückungslösung bis zur Verfügbarkeit einer vollständig europäischen Lösung – dieselbe Logik wie beim Heron TP, nur für den Kampfeinsatz. Für den nächsten Schritt entwickelt Airbus bereits ein neues Luftfahrzeug, den Ravenstorm, der als rein europäische Lösung ab 2032 ein noch breiteres Spektrum an Missionen abdecken soll.

Bird of Prey
Eine besondere Neuentwicklung ist die „Bird of Prey“: ein autonomes Drohnenabwehrsystem. Das Airbus-System „Bird of Prey“ nutzt die bewährte, wiederverwendbare Do-DT25 als kostengünstigen, mit Flugkörpern bestückten Abfangjäger zur Abwehr von Einwegdrohnen. Es dient der Ergänzung konventioneller Flugabwehrsysteme und dem Schutz hochwertiger Infrastruktur. In einer Flugvorführung im März 2026 suchte, detektierte, klassifizierte, identifizierte und bekämpfte die „Bird of Prey“ autonom eine mittelgroße Einwegdrohne. Der Prototyp trug zwei Mark-I-Air-to-Air-Lenkflugkörper des estnischen Herstellers Frankenburg Technologie. Diese neuartige Flugabwehrlösung mittlerer Reichweite gegen kostengünstige Bedrohungen ist wiederverwendbar und nahtlos in die NATO-C2-Führungsarchitektur (NATINAMDS) integrierbar.

Flexrotor, Aliaca und Capa-X – Das taktische Segment
Airbus Helicopters bietet aktuell drei Systeme an. Der Flexrotor ist ein 25 Kilogramm schweres VTOL-System in Tail-Sitter-Konfiguration, das senkrecht startet und dann in den horizontalen Reiseflug wechselt. Mit bis zu 14 Stunden Ausdauer, einer Nutzlast von 8 Kilogramm und einer Startfläche von nur 3,7 × 3,7 Metern eignet er sich besonders für maritime ISR-Missionen – selbst von kleinen Schiffen ohne Flugdeck.
Die Aliaca ist ein elektrisches Mini-Drohnensystem speziell für maritime Einsätze, entwickelt von Survey Copter, einer Tochter von Airbus Helicopters. Seit 2022 bei der französischen Marine im Dienst, dient sie als „Auge am Himmel“ für Kriegsschiffe – zur Seeraumüberwachung jenseits der direkten Sichtlinie. Im Februar 2026 bestellte die französische Rüstungsbehörde DGA eine neue VTOL-Variante mit erster Auslieferung ab Mai 2026.
Die Capa-X schließlich füllt die Lücke zwischen Flexrotor und Eurodrohne: Sie wiegt bis zu 120 Kilogramm, trägt 20 Kilogramm Nutzlast und verfügt über eine Einsatzdauer von über 10 Stunden. Im März 2026 beauftragte die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) Airbus Helicopters mit dem Programm M2UAS, das die Capa-X in Richtung eines taktischen Mehrzweckträgers mit Angriffsoptionen weiterentwickeln soll – vergleichbar mit der türkischen Bayraktar TB2, aber unter europäischem Programmrahmen.

Hubschrauber
Airbus Helicopters ist der größte Hersteller ziviler Hubschrauber weltweit und belegt im militärischen Bereich den zweiten Platz. Über 3.400 Militärhubschrauber sind bei mehr als 70 Streitkräften im Einsatz. Das Portfolio umfasst dabei sowohl eigenständige Produkte als auch große multinationale Kooperationsprogramme.
H145M
Der H145M ist die Militärvariante des zivilen H145 und läuft in der Bundeswehr unter den Bezeichnungen LUH und LKH. Das Muster hat sich als besonders zuverlässig erwiesen: Die bereits eingeführten 15 H145M LUH SOF der Luftwaffe erreichen eine Verfügbarkeitsrate von über 90 Prozent.
Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren insgesamt 82 H145M LKH – wobei LKH für leichter Kampfhubschrauber steht – als Ersatz für die KH Tiger und EC 135 bestellt. Die Luftwaffe erhält 10, das Heer 72 Exemplare. Bemerkenswert ist, dass die Auslieferung der ersten Maschine bereits im November 2024 erfolgte – weniger als ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung. Weltweit fliegt der H145M bei über 20 Nationen, darunter Luxemburg, Ungarn und Thailand.
Alle neu ausgelieferten H145M LKH sind mit dem modularen Waffenmanagementsystem HForce ausgestattet. Es ist auf nahezu jeden Hubschrauber nachrüstbar und integriert bereits heute einen 12,7-mm-MG-Pod, eine 20-mm-Kanone sowie 70-mm-Raketenwerfer – perspektivisch auch Panzerabwehrlenkflugkörper wie Spike.

NH90
Der NH90 ist ein mittelschwerer Mehrzweckhubschrauber der 10-Tonnen-Klasse, entwickelt vom Konsortium NHIndustries unter Führung von Airbus Helicopters, gemeinsam mit Leonardo und GKN Fokker. Er wird in zwei Hauptvarianten gebaut: dem TTH für Landstreitkräfte sowie dem NFH für Seestreitkräfte.
Die Bundeswehr verfügt aktuell über rund 100 NH90. Von der TTH-Variante sind 82 Maschinen beim Heer im Einsatz. Die Marine verfügt aktuell über 18 NH90 NTH Sea Lion als Ersatz für die veralteten Sea Kings. Darüber hinaus erhält die Marine als Ersatz für den Sea Lynx noch 31 NH90 MRFH Sea Tiger. Die erste Maschine wurde am 15. Dezember 2025 übergeben, bis 2030 sollen alle Exemplare ausgeliefert sein. Dieser hochentwickelte Marinehubschrauber wurde für die moderne U-Boot-Jagd sowie für Einsätze gegen Überwasserziele konzipiert und ist mit fortschrittlichen Sonar- und Überwachungssystemen, Torpedos und Raketen ausgestattet. Er erweitert die operative Reichweite und die Einsatzfähigkeit der Marine erheblich.

H160M Guépard
Mit dem H160M Guépard entwickelt Airbus Helicopters die nächste Generation mittlerer Mehrzweckhubschrauber für Frankreich. Im Rahmen des nationalen HIL-Programms soll er gleich fünf ältere Muster ersetzen – darunter Gazelle, Dauphin und Cougar. Frankreich plant bis zu 169 Maschinen, die Erstbestellung umfasst 30 Stück.
Der erste Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 18. Juli 2025. Insgesamt drei Prototypen sind geplant, um die Erprobung zu beschleunigen: Prototyp 1 validiert die Flugleistung und führt ab 2026 Schießkampagnen durch, Prototyp 2 befindet sich derzeit in der Endmontage für die Heiß- und Kalterprobung. Erste Auslieferungen werden ab 2028 erwartet. Dank der bewährten zivilen H160-Basis und einem breiten Fähigkeitsprofil – von der Standardversion für Heer und Luftstreitkräfte über eine SOF-Variante bis hin zu einer Marinevariante – gilt der H160M als aussichtsreicher Exportkandidat für andere NATO-Staaten.

Fazit
Airbus ist weit mehr als ein Hersteller von Flugzeugen und Hubschraubern – es ist das industrielle Rückgrat der europäischen Verteidigung im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Das Portfolio reicht von kleinen Drohnen bis hin zu strategischen Tankflugzeugen, von Kampfhubschraubern bis hin zu Satelliten. Kein anderes europäisches Unternehmen deckt diese Bandbreite in vergleichbarer Tiefe ab.
Besonders auffällig ist, dass Airbus fast immer im Herzen multinationaler Programme agiert. Eurofighter, A400M, NH90, Eurodrohne – all diese Systeme entstehen nicht allein, sondern in europäischen Partnerschaften. Das macht Airbus zum Taktgeber der europäischen Rüstungskooperation, bringt aber auch die typischen Herausforderungen mit sich: Verzögerungen, politische Kompromisse und komplexe Abstimmungsprozesse.
Gleichzeitig befindet sich das Unternehmen im Wandel. Mit der Neustrukturierung in die drei Bereiche Air Power, Space Systems und Connected Intelligence, mit neuen Programmen wie der Valkyrie und dem Bird of Prey sowie mit der Beteiligung an ReArm Europe positioniert sich Airbus Defence and Space als Antwort auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Die Frage ist nicht mehr, ob Europa mehr in Verteidigung investiert, sondern wie schnell Airbus liefern kann.
Eines ist klar: Wer verstehen will, wie Europa sich verteidigt – und verteidigen wird –, kommt an Airbus Defence and Space nicht vorbei.
