U.S. Marine Corps erhält zwölf autonome Bodenfahrzeuge von American Rheinmetall

American Rheinmetall liefert dem U.S. Marine Corps zwölf unbemannte Bodenfahrzeuge vom Typ Mission Master SP und fünf amphibische Ausrüstungssätze. Der Auftrag im Wert von 7,28 Millionen US-Dollar dient der weiteren Erprobung autonomer Logistik.
Foto: Rheinmetall

American Rheinmetall liefert dem U.S. Marine Corps zwölf unbemannte Bodenfahrzeuge vom Typ Mission Master SP und fünf amphibische Ausrüstungssätze. Der Auftrag im Wert von 7,28 Millionen US-Dollar dient der weiteren Erprobung autonomer Logistik.

American Rheinmetall, die US-Tochter der Rheinmetall AG, ist mit der Herstellung und Lieferung autonomer unbemannter Bodenfahrzeuge (Autonomous Unmanned Ground Vehicles, A-UGV) des Typs Mission Master SP an das U.S. Marine Corps beauftragt worden. Das teilte das Unternehmen am 10. September 2026 mit. Die Beschaffung läuft über die Defense Logistics Agency (DLA), Hauptauftragnehmer ist ADS Inc. Bestimmt sind die Fahrzeuge für das Marine Corps Warfighting Laboratory (MCWL). Neben den zwölf Fahrzeugen umfasst der Auftrag fünf sogenannte Marine-Kits für amphibische Einsätze, ergänzende Ausrüstung sowie Programmmanagement, technische Unterstützung, Logistikkoordination, Dokumentation, Bedienerausbildung und Abnahmetests.

Erprobung im Warfighting Laboratory

Die Fahrzeuge sollen für die fortlaufende Evaluierung, Erprobung und Fähigkeitsentwicklung genutzt werden, mit der das Marine Corps seine autonome Logistik und seine expeditionäre Mobilität ausbauen will. Das 1995 gegründete MCWL untersucht künftige Einsatzumfelder, entwickelt daraus Einsatzkonzepte und leitet aus Experimenten Empfehlungen für die künftige Streitkräfteplanung ab.

Rheinmetall beschreibt die gelieferte Version als die bislang am weitesten entwickelte Konfiguration der Mission-Master-Familie. Die Fahrzeuge nutzen die Autonomiearchitektur PATH und erlauben die modulare Integration unterschiedlicher Nutzlasten. Das Marine-Kit soll amphibische Einsätze in küstennahen Gewässern ermöglichen. Die Änderungen gehen nach Unternehmensangaben auf Rückmeldungen der Nutzer, Entwicklungstests, Schießversuche und Truppenerprobungen zurück. Nach früheren Angaben handelt es sich beim Mission Master SP um eine elektrisch angetriebene 8×8-Plattform mit rund 1,5 Tonnen Leergewicht und einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 40 km/h. Die Freigabe eines Waffeneinsatzes verbleibt dabei stets beim Bediener.

Die Federführung liegt bei American Rheinmetall in den USA. Rheinmetall Canada ist als Originalhersteller (OEM) für Entwicklung und Fertigung zuständig. Matt Warnick, CEO von American Rheinmetall, bezeichnete den Auftrag als wichtigen Schritt in der seit über vier Jahren bestehenden Zusammenarbeit mit dem Marine Corps; in das Fahrzeug seien die Erfahrungen aus dieser Zeit eingeflossen. Pietro Mazzei, Präsident und CEO von Rheinmetall Canada, erklärte, die Kooperation innerhalb des Konzerns ermögliche dem Marine Corps den Einsatz des Systems in teilstreitkräfteübergreifenden Szenarien.

Mehrjährige Truppenerprobung

Das Marine Corps testet den Mission Master SP bereits seit mehreren Jahren. Wie ESUT im März 2024 berichtete, wurden die Fahrzeuge bei den Übungen Talisman Sabre 2023 und Apollo Shield unter anderem für Verwundetentransport, Nachschub, autonome Straßenmärsche über bis zu 50 Kilometer und Einsätze in bebautem Gelände genutzt. Das MCWL bewertete dabei Taktiken und Verfahren von Infanterietrupps mit unbemannten Bodenfahrzeugen. Zudem wurde eine Version mit der fernbedienbaren Waffenstation Fieldranger im scharfen Schuss vorgeführt, und sechs weitere Fahrzeuge waren für die III Marine Expeditionary Force vorgesehen. Laut Rheinmetall wurden bislang zwölf Mission-Master-Systeme zur Unterstützung der Fleet Marine Force eingesetzt.

Ausrichtung auf EABO

Nach Unternehmensangaben sollen die Fahrzeuge die autonome Logistik stärken, verteilte Operationen unterstützen und die Reichweite der Truppe erhöhen, zugleich aber das Risiko für Soldaten verringern. Ausgelegt sind sie laut Rheinmetall für Konzepte wie Expeditionary Advanced Base Operations (EABO) und Multi-Domain-Operationen. EABO bezeichnet nach Definition des Marine Corps den Einsatz mobiler, schwer aufklärbarer und vergleichsweise einfach zu versorgender Kräfte von behelfsmäßigen, zeitweiligen Stellungen an Land oder in Küstennähe innerhalb umkämpfter Seegebiete. Ziel ist, dem Gegner die Nutzung des Seeraums zu verwehren, die eigene Seekontrolle zu unterstützen oder die Versorgung der Flotte sicherzustellen. Zu den im Konzept genannten Aufgaben zählt auch die vorgeschobene Versorgung.

Maine als künftiges Autonomie-Zentrum

Der Auftrag ist Teil der Strategie von American Rheinmetall, Kapazitäten für autonome Bodenfahrzeuge in den USA aufzubauen und langfristig Technologie dorthin zu übertragen. Der Standort in Maine soll zu einem US Advanced Land Autonomy Center of Excellence (ALACOE) werden, das sich auf PATH-Integration, Produktion, Instandhaltung und Lebenszyklusbetreuung konzentriert. Einen unmittelbaren Ausbau des Standorts erfordert der aktuelle Auftrag laut der englischsprachigen Fassung der Mitteilung allerdings nicht. American Rheinmetall ist in Maine in Biddeford vertreten. Der dortige Betrieb verfügt über langjährige Erfahrung mit elektronischen Missionssystemen und Komponenten; er firmierte bis 2025 als American Rheinmetall Systems und wurde dann in American Rheinmetall eingegliedert.

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