Neuer Lenkflugkörper für RBS 70 NG: Saab präsentiert Bolide 2

Neuer Lenkflugkörper für RBS 70 NG: Saab präsentiert Bolide 2
RBS 70 NG | Foto: Saab

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat am 8. Mai 2026 die Weiterentwicklung seiner Bolide-Rakete vorgestellt. Die neue Bolide 2 wird ab 2027 als Standardmunition für das RBS 70 NG System eingeführt und soll mit einem größeren Gefechtskopf sowie verbesserter Endphasenführung die Abwehrleistung des Systems deutlich steigern.

Neues Modell mit modularem Aufbau

Die Bolide 2 ist die jüngste Entwicklungsstufe einer Raketenfamilie, die seit der Einführung des RBS-70-Systems im Jahr 1977 kontinuierlich fortgeschrieben wird. Gegenüber der bisherigen Bolide-Variante verfügt die neue Version über einen rund 50 Prozent größeren Gefechtskopf sowie einen modulareren Aufbau, der künftige Hardware- und Software-Upgrades erleichtern soll. Zudem wurde eine Trägheitsmesseinheit (IMU) integriert, die eine stabilere Flugbahn – insbesondere in Zielnähe – ermöglicht und damit die Treffergenauigkeit bei kleinen und manövrierfähigen Zielen verbessert.

Für den Gefechtskopf hat Saab das Hüllenmaterial von Kupfer auf Aluminium umgestellt. Laut Angaben des Unternehmens erhöht dies die Splitterwirkung im Zielbereich, ohne die Durchschlagsleistung gegen typische Ziele wie Kampfhubschrauber oder gepanzerte Fahrzeuge zu mindern. Die Anzahl der Splitter steigt dabei um rund 40 Prozent.

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Unjammbares Laserleitsystem bleibt erhalten

Ein zentrales Merkmal des RBS-70-Systems ist die Laserstrahlführung, bei der die Rakete dem Laserstrahl des Schützen folgt und nicht selbst aktiv sendet. Diese Technologie macht die Rakete unempfindlich gegenüber elektronischer Störung, da kein Suchkopf im Flugkörper vorhanden ist, der geblendet oder gestört werden könnte. Stefan Öberg, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Missile Systems, betonte, dass dieses Grundprinzip auch bei der Bolide 2 beibehalten wurde und das System damit auf jede Art von Luftbedrohung angepasst werden kann.

Die Bolide 2 ist mit dem aktuellen RBS-70-NG-Visier sowie mit älteren Systemgenerationen kompatibel, was bestehenden Nutzern einen unkomplizierten Umstieg erlaubt.

Fahrzeugintegration als wachsendes Einsatzfeld

Neben dem klassischen Man-Portable-Betrieb durch ein Drei-Mann-Team gewinnt die fahrzeuggestützte Integration des Systems zunehmend an Bedeutung. Saab liefert solche Lösungen unter anderem an die Tschechische Republik – montiert auf ein Fahrzeug des Herstellers Tatra – sowie an Litauen auf Basis des JLTV-Fahrzeugs. Für die schwedischen Streitkräfte wird das System auf dem Radbandfahrzeug BBS integriert.

Das RBS-70-System wird nach Angaben von Saab weltweit in rund 1.600 Einheiten in verschiedenen Konfigurationen eingesetzt, in Streitkräften von rund 18 Ländern und in allen Klimazonen – von Finnland und Kanada bis zu tropischen und Wüstenregionen.

Ukraine-Einsatz als Entwicklungsimpuls

Saab bestätigte auf der Veranstaltung, dass Erfahrungen aus dem Ukrainekonflikt in die Weiterentwicklung eingeflossen sind. Rückmeldungen über Taktiken, Produktionsfähigkeiten und Systemleistung hätten grundlegende Prinzipien der Bolide-2-Entwicklung bestätigt und würden in künftige Systemgenerationen einfließen. Als konkretes Beispiel nannte das Unternehmen die bewusste Reduzierung der Rauchabgabe beim Abschuss, um Schützen vor Entdeckung zu schützen – ein direkt aus dem Ukraineeinsatz abgeleitetes Merkmal.

Drohnenabwehr als wachsende Anforderung

Auf die Frage nach der Wirksamkeit gegen unbemannte Luftfahrzeuge erklärte Saab, dass die Bolide 2 durch die erhöhte Splitterzahl auch gegen kleinere Drohnen eingesetzt werden kann. Das Unternehmen sieht das System als Teil einer mehrschichtigen Luftverteidigung, bei der RBS 70 NG im kurzen Reichweitenbereich – bis zu neun Kilometer – wirkt und mit anderen Systemen zusammenarbeitet. Gleichzeitig verwies Saab auf laufende Untersuchungen zur Integration des Systems auf unbemannte Bodenfahrzeuge, um die Reichweite und Reaktionsfähigkeit der Luftabwehr weiter zu erhöhen.

Zeitplan und Produktionsstand

Die Entwicklung der Bolide 2 begann nach Unternehmensangaben vor rund viereinhalb Jahren; das Projekt wurde im vorgesehenen Zeit- und Budgetrahmen abgeschlossen. Mehrere Testabschüsse wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Die ersten Auslieferungen an Kunden sind für das Frühjahr 2027 geplant, die Serienproduktion läuft bereits an. Saab investiert nach eigenen Angaben zudem in die Lieferkette und arbeitet mit kritischen Zulieferern eng zusammen, um steigende Produktionsvolumina sicherzustellen.

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