Das Bundeskabinett hat am 6. Mai 2026 beschlossen, das deutsche Engagement an der UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste geordnet zu beenden. Der operative Auftrag soll zum Jahresende 2026 auslaufen, eine Restpräsenz zur Abwicklung der Mission ist bis Mitte 2027 vorgesehen.
Nach 20 Jahren deutscher Beteiligung steht das Ende des Einsatzes der Bundeswehr im Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) bevor. Mit dem Kabinettsbeschluss folgt die Bundesregierung der Linie des UN-Sicherheitsrats, der im August 2025 mit Resolution 2790 einstimmig die letztmalige Verlängerung der Mission und ihr Auslaufen zum 31. Dezember 2026 beschlossen hatte. Anschließend ist ein geordneter Rückzug der internationalen Truppen vorgesehen.

Stufenweiser Abzug bis Mitte 2027
Der operative Auftrag der Bundeswehr endet zum 31. Dezember 2026. In einer zweiten Phase, vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2027, sollen deutsche Soldatinnen und Soldaten die geordnete Abwicklung der Mission unterstützen. Entsprechend wird auch die Personalobergrenze angepasst: Bis Ende 2026 bleibt sie bei bis zu 300 Einsatzkräften, danach wird sie auf 80 Soldatinnen und Soldaten reduziert. Der Bundestag muss der Mandatsverlängerung in zwei Lesungen noch zustimmen.
Derzeit ist die Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ als deutscher Beitrag zum UNIFIL-Flottenverband im Einsatz. Wann das Schiff abgezogen wird, hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt die libanesische Marine die maritimen Aufgaben vollständig übernimmt. Eine entsprechende Entscheidung des UN-Sekretariats wird bis spätestens Jahresende 2026 erwartet. Den Kommandeur des Flottenverbands soll bis zum Schluss ein deutscher Admiral stellen.
Hintergrund: Eine der ältesten UN-Missionen
UNIFIL wurde 1978 als Beobachtermission der Vereinten Nationen eingerichtet, um den Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon zu überwachen. Nach dem Libanonkrieg 2006 wurde das Mandat auf Grundlage der Resolution 1701 deutlich erweitert; seither überwacht ein robusterer Truppenverband die Demarkationslinie – die sogenannte Blue Line – und das Gebiet südlich des Litani-Flusses. Insgesamt sind Soldaten aus mehr als 40 Ländern an der Mission beteiligt.
Die Deutsche Marine engagiert sich seit 2006 im Rahmen der Maritime Task Force (MTF), die als erster Marineverband überhaupt unter UN-Kommando entstand. Aufgabe der MTF ist die Überwachung der rund 225 Kilometer langen libanesischen Küste, um den Waffenschmuggel auf dem Seeweg zu unterbinden.
Angespannte Sicherheitslage
Die Beendigung der Mission fällt in eine Phase erhöhter Spannungen im Nahen Osten. Nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem eskalierenden Konflikt zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz hatten sich die Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon erheblich zugespitzt. Israelische Bodentruppen waren im Oktober 2024 in den Südlibanon vorgedrungen. Seit November 2024 besteht ein weitgehend eingehaltener Waffenstillstand, israelische Luftangriffe auf Hisbollah-Stellungen werden jedoch weiterhin gemeldet.
Vor diesem Hintergrund schätzt die Bundesregierung die Lage im Libanon als fragil ein. UNIFIL kommt nach ihrer Darstellung auch in der Schlussphase eine bedeutende Rolle zu: bei der Lagebeobachtung, bei der Stärkung der libanesischen Streitkräfte und beim Offenhalten von Kommunikationskanälen zwischen Israel und Libanon zur Deeskalation.
Ausbildung der libanesischen Marine bleibt Schwerpunkt
Der inhaltliche Schwerpunkt des deutschen Beitrags liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums weiterhin auf dem Fähigkeitsaufbau der libanesischen Marine. Diese sei inzwischen grundsätzlich in der Lage, technische Verfahren von der Schiffsabfrage bis zur Inspektion verdächtiger Fahrzeuge eigenständig durchzuführen. Die Durchsuchung der Schiffe selbst übernehmen seit Längerem libanesische Sicherheitskräfte. Bis zum Ende des operativen Mandats sollen Coaching, Mentoring und seemännische Ausbildung fortgesetzt werden.
Bis zur Auflösung der Mission bleibt der Bundeswehr zudem die Seeraumüberwachung als Auftrag, ergänzt um Beiträge zum Luftlagebild, Transportleistungen sowie Stabspersonal im UNIFIL-Hauptquartier im südlibanesischen Naqura.
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