Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause 16 Beschaffungsvorhaben für die Bundeswehr im Gesamtwert von über 9,5 Milliarden Euro gebilligt. Die größten Projekte sind vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU und ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine.
Rahmen der Entscheidung
Am 8. Juli 2026 stimmte das Gremium 16 sogenannten 25-Millionen-Euro-Vorlagen zu. Vorhaben dieser Kategorie überschreiten die Wertgrenze, ab der der Bundestag Beschaffungen einzeln genehmigen muss, und unterliegen damit der parlamentarischen Kontrolle. In diesem Jahr wurden auf diesem Weg bereits 44 Vorlagen bewilligt. Verantwortlich für die Umsetzung ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw).
Vier Fregatten MEKO A-200 DEU
Genehmigt wurde die Beschaffung von vier U-Boot-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Vier Schiffe werden über einen Festabruf unmittelbar bestellt; hinzu kommt eine Option auf vier weitere Einheiten, deren Auslösung eine separate 25-Millionen-Euro-Vorlage erfordert. Der Finanzbedarf für den Festabruf beträgt nach Angaben des Verteidigungsministeriums rund 6,3 Milliarden Euro, die Option würde etwa 5,3 Milliarden Euro kosten. Die erste Fregatte soll 2029 zulaufen.

Die U-Boot-Jagd gilt als nationaler Schwerpunkt und dient der Erfüllung deutscher NATO-Verpflichtungen in Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik. Insbesondere im Seegebiet zwischen Grönland, Island und Großbritannien – der sogenannten GIUK-Lücke – stützt sich diese Fähigkeit bislang stark auf Beiträge der US-Marine, die künftig verstärkt von europäischen Alliierten übernommen werden sollen.
Hintergrund der Beschaffung ist das Ende des Fregattenprojekts F126: Das Bundesverteidigungsministerium beendete das Vorhaben für sechs Fregatten dieses Typs und sieht als Ersatz kleinere MEKO-A-200-Schiffe vor, mit denen die Marine ihren Auftrag zur U-Boot-Jagd erfüllen soll.Begründet wurde der Schritt mit erheblichen Verzögerungen, stark gestiegenen Kosten und nicht kalkulierbaren Risiken beim bisherigen Generalunternehmer.Hersteller der MEKO-A-200-Fregatten ist der Kieler Schiffbauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS); die Baureihe basiert auf einem modularen, weltweit exportierten Plattformkonzept.
Startsignal für Marine-Laserwaffe
Grünes Licht gab der Ausschuss zudem für einen Vertrag über Entwicklung, Herstellung und Lieferung eines Hochenergie-Laserwaffensystems (HoWiSM). Es soll agile, signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Einheiten bekämpfen, darunter Klein- und Schwarmangriffe sowie gegnerische elektro-optische Sensoren. Als besonders geeignet gilt die Technologie gegen kleine unbemannte Flugsysteme.
Das Vorhaben baut auf mehrjähriger Erprobung auf: Bereits im August 2022 setzte die Bundeswehr von der Fregatte „Sachsen“ erstmals einen Hochenergielaser gegen Drohnen im Nahbereich ein. Entwickelt wurde der Demonstrator von Rheinmetall und MBDA Deutschland; ein einsatzfähiges System für die Marine soll ab 2029 zur Verfügung stehen.
Experimentierplattform für unbemannte Kampfflugzeuge
Zugestimmt wurde der Forschung und Entwicklung des Vorhabens Combat Fighter System of System Nucleus (CFSN). Das nationale Projekt im Umfeld des Luftkampfsystems der Zukunft umfasst die Entwicklung fliegender unbemannter Experimentierplattformen (UCAV) und zielt auf ein offenes, modulares Missionssystem, an dem sich weitere nationale oder multinationale Partner ohne Einstiegskosten beteiligen können. Die Vorlage deckt unter anderem die Bodenkontrollstation, das Bodensegment sowie eine Entwicklungs- und Testumgebung ab.
Weitere bewilligte Vorhaben
Der Ausschuss billigte 13 weitere Projekte. Für die Spezialkräfte der Marine werden Mehrzweckkampfboote vom Typ Combatant Craft Medium beschafft (Foreign Military Sales). Hinzu kommen mobile, geschützte und ungeschützte Rettungsstationen mit medizinischer Ausstattung, Hauptkampf- und Reflexvisiere für das Sturmgewehr G95 sowie Gefechts- und Übungsmunition der Kaliber 40 × 53 Millimeter und 76 × 636 Millimeter.
Im Bereich Logistik werden geschützte 15-Tonnen-Lastwagen mit Wechselladesystemen, ungeschützte 70-Tonnen-Sattelzugmaschinen und vierrädrige Anhänger der 12,5-Tonnen-Klasse bestellt. Für das Aufklärungssystem PEGASUS wird ein gebrauchtes Luftfahrzeug vom Typ Bombardier Global 6000 als Schulungsflugzeug beschafft. Im IT-Bereich wurden Erweiterungen im HERKULES-Folgeprojekt bei der BWI GmbH sowie ein Rahmenvertrag über gehärtete IT-Komponenten für Führungssysteme – unter anderem für die Projekte D-LBO und TaWAN – gebilligt. Zustimmung fand außerdem das Projekt „Responsive Launch Demonstration“, das gemeinsam mit dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Grundlagen für reaktionsschnelle Raketenstarts schaffen soll.
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