Erste Militärstrategie: Bundeswehr soll bis 2039 zur konventionell stärksten Armee Europas werden

Erste Militärstrategie: Bundeswehr soll bis 2039 zur konventionell stärksten Armee Europas werden
Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Deutschland hat im April 2026 erstmals eine nationale Militärstrategie verabschiedet. Das Dokument legt fest, wie die Streitkräfte auf Bedrohungen reagieren – und formuliert das Ziel, bis 2039 zur konventionell stärksten Armee Europas zu werden.

Ein historisches Dokument

Generalinspekteur General Carsten Breuer hat im April 2026 die erste Militärstrategie der Bundeswehr unterzeichnet. Das Papier beschreibt, wie die Bundeswehr im Bündnisrahmen auf Bedrohungen reagiert und, falls nötig, kämpft. Es schlägt damit die Brücke zwischen der übergeordneten Sicherheitspolitik und der konkreten militärischen Einsatzplanung. Auf Grundlage der Militärstrategie wurde zudem das bisherige Fähigkeitsprofil der Bundeswehr zum sogenannten „Plan für die Streitkräfte“ weiterentwickelt – beide Dokumente bilden zusammen die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung.

Die Strategie ist überwiegend als Verschlusssache eingestuft. Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte das Gesamtpaket heute gemeinsam mit Breuer vor. Breuer betont, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas künftig eine Führungsrolle in der NATO übernehmen müsse – auch militärisch.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Russland als zentrale Bedrohung

Die Strategie benennt Russland ausdrücklich als die bedeutendste und unmittelbarste Gefahr für Frieden und Sicherheit im euroatlantischen Raum. Dieser Einschätzung liegt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zugrunde, der die europäische Sicherheitsordnung nachhaltig erschüttert hat. Breuer hatte bereits zuvor öffentlich davor gewarnt, dass Russland ab dem Jahr 2029 in der Lage sein könnte, die NATO militärisch anzugreifen – eine Einschätzung, die sich auf eine NATO-Analyse aus dem Jahr 2023 stützt.

Die Strategie beschreibt dabei ein verändertes Kriegsbild: Künftige Auseinandersetzungen könnten die Grenzen zwischen Heimatfront und Gefechtsfeld, zwischen zivilem und militärischem Bereich zunehmend verwischen. Das bedeutet, dass nicht nur die Streitkräfte, sondern auch Staat, Wirtschaft und Bevölkerung als potenzielle Angriffsziele gelten. Abschreckung wird in diesem Kontext als oberste militärstrategische Priorität definiert.

Dreistufiger Aufbauplan bis 2039

Aus der Militärstrategie wurde ein konkreter Aufwuchsplan abgeleitet, der die Bundeswehr in drei Phasen bis 2039 zur konventionell stärksten Armee Europas machen soll:

  • Kurzfristig: schnelle Maximierung der Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit
  • Mittelfristig: deutlicher Zuwachs an militärischen Fähigkeiten in allen Bereichen
  • Langfristig: Aufbau technologisch überlegener, innovationsfähiger Streitkräfte

Parallel dazu ist ein erheblicher Personalaufwuchs geplant: Die Bundeswehr soll von derzeit rund 185.400 aktiven Soldatinnen und Soldaten auf künftig 260.000 aktive Kräfte sowie 200.000 Reservisten anwachsen.

Litauen als sichtbares Signal

Ein konkretes Beispiel für Deutschlands gewachsene Bündnisverantwortung ist die dauerhafte Stationierung einer Kampfbrigade in Litauen. Die Panzerbrigade 45 – auch „Brigade Litauen“ genannt – wächst zu einer einsatzbereiten Kampftruppe an der NATO-Ostflanke auf und soll bis 2027 vollständig einsatzbereit sein. Anfang Februar 2026 wurde ihr die Multinational Battlegroup Lithuania unterstellt; die Gesamtstärke des Verbands lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 2.800 Soldatinnen, Soldaten und zivilen Mitarbeitenden.

Gesamtverteidigung als gesellschaftliche Aufgabe

Die Strategie beschränkt sich nicht auf die Streitkräfte allein: Sie betont, dass Verteidigung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Staat, Wirtschaft und Bevölkerung müssten sich auf ein Bedrohungsumfeld einstellen, in dem klassische Grenzen zwischen Krieg und Frieden nicht mehr verlässlich gelten. Im Rahmen des am 22. April vorgestellten Gesamtpakets wurden auch Maßnahmen zur Entbürokratisierung der Bundeswehrverwaltung angekündigt – darunter ein Programm mit 153 Einzelmaßnahmen für eine sogenannte „kriegstaugliche Wehrverwaltung“.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share