Deutschland bemüht sich erneut um den Erwerb von Tomahawk-Marschflugkörpern aus den USA. Verteidigungsminister Boris Pistorius plant dafür einen Besuch in Washington – doch die deutsch-amerikanischen Beziehungen stehen unter erheblichem Druck.
Berlins Anfrage bleibt bislang unbeantwortet
Laut einem Bericht der Financial Times vom 10. Mai 2026 versucht Deutschland, die Trump-Administration von einem Verkauf der Tomahawk-Marschflugkörper samt der dazugehörigen landgestützten Abschussanlagen vom Typ Typhon zu überzeugen. Die ursprüngliche Kaufanfrage – ein sogenannter „Letter of Request“ – hatte Pistorius bereits im Juli 2025 bei einem Besuch in Washington gestellt. Eine Antwort steht bis heute aus. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass die Abstimmungen zwar weiterliefen, ein Zeitplan für eine US-Antwort aber weiterhin offen sei.
Medienberichten zufolge visiert Deutschland eine Beschaffung von bis zu 400 Tomahawks des Typs Block Vb für einen Betrag von mehr als einer Milliarde Euro an. Der geplante Washington-Besuch von Pistorius ist dabei an die Bedingung geknüpft, dass er ein Treffen mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth realisieren kann.

Fähigkeitslücke als Antrieb
Hintergrund der deutschen Bemühungen ist eine bestehende Fähigkeitslücke: Die Bundeswehr verfügt derzeit über keine Mittel für präzise Wirkung auf Distanzen jenseits von 1.000 Kilometern – dem sogenannten Deep Precision Strike. Europäische Eigenentwicklungen in diesem Bereich werden nach aktuellen Einschätzungen frühestens im kommenden Jahrzehnt einsatzbereit sein. Zwar haben Deutschland und Großbritannien im Rahmen der ELSA-Initiative (European Long Range Strike Approach) angekündigt, gemeinsam landgestützte Systeme mit Reichweiten über 2.000 Kilometer zu entwickeln – Frankreich soll sich dieser Initiative inzwischen ebenfalls anschließen wollen. Bis zur Einführung dieser Systeme soll der Tomahawk-Kauf die Lücke überbrücken.
US-Stationierungspläne gecancelt
Die Lage wird durch einen weiteren Rückschlag verkompliziert: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte an, dass die ursprünglich noch für 2026 geplante Stationierung weitreichender US-Waffensysteme in Deutschland – darunter Tomahawks, SM-6-Raketen und die Hyperschallrakete Dark Eagle – nicht stattfinden werde. Diese Vereinbarung war noch unter der Biden-Administration getroffen worden. Pistorius räumte ein, dass dies die Fähigkeitslücke erneut aufreiße, und betonte, nach Möglichkeiten zu suchen, diese – mit amerikanischer Hilfe oder auf anderen Wegen – zu schließen.
Belastetes Verhältnis zu Washington
Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund gespannter diplomatischer Beziehungen statt. Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Iran-Krieg haben US-Präsident Donald Trump zu einer scharfen Reaktion veranlasst, verbunden mit der Ankündigung, 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
Engpässe bei der Produktion
Erschwerend kommt hinzu, dass der Iran-Krieg die US-amerikanischen Tomahawk-Bestände erheblich dezimiert hat – Schätzungen zufolge wurden dabei mindestens mehrere hundert, möglicherweise über tausend Marschflugkörper verbraucht. Die USA haben daher im Februar 2026 einen Sieben-Jahres-Vertrag mit dem Rüstungskonzern Raytheon (RTX) unterzeichnet, der die jährliche Tomahawk-Produktion von derzeit rund 60 Einheiten auf bis zu 1.000 Stück steigern soll. Die US-Streitkräfte dürften bei der Auffüllung der Bestände Vorrang vor ausländischen Bestellern haben, was Lieferzeiten für Deutschland deutlich verlängern könnte.
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