Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat zum 1. März 2026 die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) abgeschlossen und damit sein Geschäftsfeld erstmals auf den militärischen Schiffbau ausgeweitet.
Transaktion abgeschlossen
Nach der Einigung auf die wesentlichen Vertragsbedingungen im September 2025 und der formellen Unterzeichnung des Kaufvertrags im Oktober 2025 hat Rheinmetall nun sämtliche kartellrechtlichen Freigaben erhalten. Die EU-Kommission erteilte ihre Genehmigung am 18. Februar 2026 und bestätigte, dass die Transaktion wettbewerbsrechtlich unbedenklich ist. Der Übergang vollzog sich zum 1. März 2026; über die Höhe des Kaufpreises haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
Was ist NVL?
Die NVL B.V. & Co. KG mit Sitz in Bremen-Vegesack ist die militärische Sparte der traditionsreichen Bremer Lürssen-Gruppe. Sie wurde im Herbst 2021 als eigenständiges Unternehmen ausgegründet, als Lürssen seine Bereiche Yachten und Defence voneinander trennte. Unter dem Dach der NVL sind mehrere norddeutsche Werften vereint, darunter Blohm+Voss und die Norderwerft in Hamburg, die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven sowie die Peene-Werft in Wolgast – ergänzt durch internationale Standorte in Bulgarien, Brunei und Kroatien. Seit ihrer Gründung wurden auf den NVL-Werften mehr als 1.000 Marineschiffe und Küstenwachboote gefertigt.

Strategische Ausrichtung
Mit der Akquisition erweitert Rheinmetall sein Portfolio, das bislang vor allem auf Heerestechnik, Fahrzeuge und Munition ausgerichtet war, um den Bereich Marineschiffbau. Konzernchef Armin Papperger betont, Rheinmetall wolle sich zu einem domänenübergreifenden Systemhaus entwickeln, das künftig zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum aktiv ist. Das Ziel ist dabei nicht nur der Bau von Schiffsplattformen, sondern die Lieferung vollständiger Systemlösungen – von Elektronik und Sensoren über Geschütze bis hin zu autonomen Überwassersystemen.
Industrieller Hintergrund
Die Übernahme fällt in eine Phase deutlich steigender Verteidigungsausgaben in Europa. Laut einer McKinsey-Analyse könnten die Verteidigungsbudgets der europäischen NATO-Staaten bis 2030 auf rund 605 Milliarden Euro jährlich anwachsen. Rheinmetall reagiert mit der NVL-Akquisition auf diesen wachsenden Bedarf der Seestreitkräfte und positioniert sich als Anbieter integrierter maritimer Verteidigungslösungen. Die Transaktion gilt allgemein als ein Schritt in der laufenden Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie.
Synergien erwartet
Rheinmetall erwartet Synergieeffekte zwischen der NVL und bestehenden Standorten in Norddeutschland, etwa in Kiel und Flensburg, wo der Konzern bereits Fahrzeugproduktion betreibt. Friedrich Lürßen, geschäftsführender Gesellschafter der Lürssen Maritime Beteiligungen, äußerte sich positiv zur Partnerschaft und betonte, Rheinmetall sichere NVL und seinen Mitarbeitenden eine verlässliche Zukunft.
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