Die Bundeswehr rechnet beim Aufklärungssystem HUSAR mit einem Zulauf ab 2027. Bis 2029 sollen alle Systeme an die Truppe übergeben sein, wie ein Sprecher des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) auf Anfrage von Sicherheit & Verteidigung mitteilte. Demnach befindet sich das Vorhaben in der Realisierungsphase; die Einsatzprüfung hat bereits begonnen und läuft derzeit.
Zeitplan erneut angepasst
Ursprünglich sollte HUSAR ab 2019 bei der Truppe eingeführt werden. Als Ursache für die Verzögerung nennt das BAAINBw die Insolvenz des ursprünglichen Auftragnehmers. Der Drohnenhersteller EMT aus dem bayerischen Penzberg hatte im Dezember 2020 wegen Liquiditätsproblemen Insolvenz angemeldet. Ende 2021 vereinbarte Rheinmetall die Übernahme der Geschäftsaktivitäten des Unternehmens im Rahmen eines Asset Deals.
Im September 2023 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages einen Änderungsvertrag, mit dem die Rheinmetall-Tochter Rheinmetall Technical Publications (RTP) das Projekt fortführt. Die Auslieferung sollte damals 2025 beginnen und 2028 abgeschlossen sein. Im September 2025 bestätigte das BAAINBw gegenüber dem Magazin .loyal, dass sich sowohl die Einsatzprüfung als auch die für das zweite Quartal 2025 vorgesehene Auslieferung des ersten Seriensystems wegen Lieferschwierigkeiten verschieben. Gegenüber der Planung von 2023 beginnt der Zulauf nun rund zwei Jahre später, sein Abschluss verschiebt sich um ein Jahr.
Umfang und Kosten
Beauftragt sind 13 Systeme, davon zwölf Seriensysteme und ein Ausbildungssystem. Ein System besteht jeweils aus fünf Drohnen, zwei Bodenkontrollstationen, zwei Startfahrzeugen, drei Transportplattformen, zwei Antennenmasten sowie einer Werkstattausstattung.
Den Gesamtauftragswert gab das Bundesministerium der Verteidigung 2023 mit rund 290,9 Millionen Euro an. Weil der ursprüngliche Auftragnehmer bereits Zahlungen erhalten hatte, waren davon noch rund 238,6 Millionen Euro aus dem Verteidigungshaushalt zu finanzieren. Nach Angaben der Fachzeitschrift ESUT hatte die Insolvenz gegenüber den Altverträgen aus den Jahren 2017 und 2019 eine Finanzierungslücke von rund 84 Millionen Euro hinterlassen. Da Beschaffungen mit einem Volumen von mehr als 25 Millionen Euro der Zustimmung des Haushaltsausschusses bedürfen, musste das Vorhaben dem Parlament erneut vorgelegt werden.
System und Einsatzzweck
HUSAR steht für „Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite“. Industriell trägt das System die Bezeichnung LUNA NG. Es ist eine Weiterentwicklung der Drohne LUNA, die die Bundeswehr seit 2000 unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und in Mali eingesetzt hat. HUSAR soll das Kleinfluggerät Zielortung (KZO) ablösen und der Heeresaufklärungstruppe sowie der Artillerie zulaufen.
Die Drohne kann rund zwölf Stunden in der Luft bleiben und Nutzlasten von bis zu 30 Kilogramm tragen, darunter elektrooptische und Infrarotsensoren. Die Reichweite liegt bei rund 150 Kilometern vom Startpunkt. Gestartet wird per Katapult, gelandet mit Netz oder mit Fallschirm und Airbag.
Zwischenschritt bei der Zulassung
Im Zulassungsverfahren hat das System zuletzt eine weitere Etappe erreicht: Anfang September 2026 erteilte das Luftfahrtamt der Bundeswehr der LUNA NG eine vorläufige Verkehrszulassung, die als Zwischenschritt zur Musterzulassung gilt. Nach Angaben von Rheinmetall orientiert sich das Verfahren an den Maßstäben der bemannten Luftfahrt. Als besonders aufwendig habe sich die Zertifizierung sicherheitskritischer Komponenten wie des Autopiloten und von Teilen des Navigationssystems erwiesen. Unter zivilen Betriebsgenehmigungen absolvierte das System den Angaben zufolge rund 150 Flüge mit etwa 200 Flugstunden; erste Bediener und Prüfer der Bundeswehr sind bereits ausgebildet.
