Oldenburger Reservebataillon wächst auf vier Kompanien

Rund 130 Reservistendienstleistende des Sicherungsbataillons 1 haben im Oktober 2026 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz geübt. Im Mittelpunkt standen die Ausbildung zum Jäger und eine Sichtung für künftige Jagdkommandos.
Foto: Bundeswehr/ Julia Dahlmann

Rund 130 Reservistendienstleistende des Sicherungsbataillons 1 haben im Oktober 2026 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz geübt. Im Mittelpunkt standen die Ausbildung zum Jäger und eine Sichtung für künftige Jagdkommandos.

    Das Sicherungsbataillon 1 aus Oldenburg hat im Oktober 2026 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen eine mehrtägige Ausbildung durchgeführt. Neben rund 130 deutschen Reservistendienstleistenden nahmen 20 Soldatinnen und Soldaten der niederländischen Nationalen Reserve teil. Schwerpunkte waren die Jägerausbildung, Gefechtsschießen mit scharfer Munition, der Orts- und Häuserkampf sowie eine Sichtungsübung für den Einsatz in Jagdkommandos. Darüber berichtet das Heer auf der Website der Bundeswehr.

    Reserveverband mit erweitertem Auftrag

    Das Bataillon ist als Ergänzungstruppenteil der 1. Panzerdivision unterstellt und besteht ausschließlich aus Reservistendienstleistenden. Bis Ende Februar 2026 trug es den Namen Unterstützungsbataillon Einsatz 1, seit dem 1. März führt es die neue Bezeichnung. Neben der Sicherung der Divisionsgefechtsstände gehören nun auch Aufgaben im rückwärtigen Raum der Division zum Auftrag. Dort befinden sich Gefechtsstände und Logistikeinrichtungen, die als besonders verwundbar gelten. Dazu zählt auch der Kampf gegen feindliche Kräfte, die in diesen Raum einsickern.

    Aufwuchs von zwei auf vier Kompanien

    Mit der Umbenennung geht eine Umgliederung einher. Der Verband wird derzeit von zwei auf vier Kompanien erweitert und stellt dafür zahlreiche neue Reservistendienstleistende ein. Stab sowie 1. und 2. Kompanie sind in Oldenburg stationiert, ab dem 1. Oktober 2026 werden zwei weitere Kampfkompanien aufgestellt. Zu den Neuzugängen zählen frühere Wehrpflichtige aus der Zeit vor 2011, in den vergangenen Jahren ausgeschiedene Zeit- und Berufssoldaten sowie Personen, die erst kürzlich freiwilligen Wehrdienst geleistet haben. Entsprechend unterschiedlich ist der Ausbildungsstand. Um ihn anzugleichen, verfügt die 4. Kompanie über zwei Ausbildungszüge.

    Grundlagen und Jägerausbildung

    Der erste Ausbildungszug frischt militärisches Grundlagenwissen auf. Wer noch am Gewehr G3 und an der Pistole P1 ausgebildet wurde, wird hier am Gewehr G36 und an der Pistole P8 geschult. Auch die Wachausbildung gehört zu diesem Abschnitt. Der zweite Zug führt die Pflichtausbildung zum Jäger durch. In der Oberlausitz standen unter anderem der Einsatz kleiner Aufklärungsdrohnen, der Spähtrupp zu Fuß, mehrere Gefechtsschießen, der Orts- und Häuserkampf sowie die Abschlussübung auf dem Programm. Hinzu kam die Flieger- und Drohnenabwehr. Das Gefechtsschießen verbindet Schießausbildung und Gefechtsdienst und zählt nach Angaben der Bundeswehr zu den höchsten Ausbildungsstufen der Truppe. Nach bestandener Jägerausbildung wechseln die Reservistendienstleistenden in die Kampfkompanien des Bataillons, wo ihre Ausbildung fortgesetzt wird.

    Sichtung für Jagdkommandos

    Aus dem erweiterten Auftrag ergibt sich Bedarf an Kräften für Jagdkampfoperationen. Jagdkommandos operieren in der Regel eigenständig über mehrere Tage, häufig zu Fuß mit rund 30 Kilogramm Gepäck und bei eingeschränkter Versorgung. Sie überwachen Räume, klären Feindkräfte auf, stören deren Bewegungen und Versorgung und bekämpfen nichtstaatliche oder verdeckt operierende Gruppen. Um geeignetes Personal zu ermitteln, führte das Bataillon eine 36-stündige Sichtungsübung durch. Die Teilnehmenden legten etwa 30 Kilometer querfeldein mit Karte und Kompass zurück, bezogen Verstecke, kochten über offenem Feuer, querten ein Gewässer, absolvierten einen Eilmarsch, nahmen Kontakt zu Informanten auf und bekämpften Feindkräfte aus einem Hinterhalt. Zwischendurch wurden kurze Ausbildungseinheiten zu Techniken und Taktiken eingeschoben, die unmittelbar anzuwenden waren. Den Abschluss bildete ein Gefechtsschießen auf der Waldkampfbahn einschließlich Verwundetenevakuierung.

    Niederländische Reservisten integriert

    Die 20 niederländischen Teilnehmenden gehören zum 10 Infanteriebataljon Bewaken Beveiligen, einem Verband der niederländischen Nationalen Reserve. Er ist der 43 Gemechaniseerde Brigade unterstellt, die ihrerseits Teil der 1. Panzerdivision ist. Die niederländische Brigade wurde am 17. März 2016 der 1. Panzerdivision unterstellt; im Gegenzug gehört das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 aus Lohheide zur niederländischen Brigade. Die niederländischen Reservisten haben bereits mehrfach an Ausbildungsvorhaben des Oldenburger Bataillons teilgenommen und beteiligten sich auch an der Jagdkampfsichtung.

    Einordnung: Ausbau der Reserve

    Die Bundesregierung will die Reserve rechtlich und personell stärken. Das Kabinett billigte am 1. Juli 2026 den Entwurf für ein Reservestärkungsgesetz. Der Bundestag beriet den Gesetzentwurf am 15. Oktober 2026. Kernpunkt ist die Möglichkeit, Reservistinnen und Reservisten verpflichtend heranzuziehen; das bisherige Prinzip, wonach Reservist und Arbeitgeber zustimmen mussten, soll entfallen. Die Dauer der Dienstpflicht soll sich nach der früheren aktiven Dienstzeit richten. Bis 2033 soll die Reserve auf mindestens 200.000 Personen anwachsen, das Gesetz voraussichtlich Anfang 2027 in Kraft treten.

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