Das Landeskommando Hessen hat einen neuen Kommandeur. Brigadegeneral Markus Reinhardt übernahm am 22. September 2026 in Wiesbaden die Führung von Brigadegeneral Holger Radmann, der in das Operative Führungskommando der Bundeswehr wechselt.
Die Übergabe fand im Rahmen eines militärischen Appells vor Schloss Biebrich in Wiesbaden statt. Vollzogen wurde sie von Generalleutnant André Bodemann, dem Stellvertreter des Befehlshabers des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr und Kommandeur Territoriale Aufgaben. Rund 400 Gäste nahmen teil, darunter Ministerpräsident Boris Rhein, sein Stellvertreter Staatsminister Kaweh Mansoori, mehrere Mitglieder des Landeskabinetts, Abgeordnete, Landräte sowie Vertreter von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten und der US-Army.
Radmanns Amtszeit
Radmann hatte das Kommando in Wiesbaden rund eineinhalb Jahre inne. Im Februar 2025 hatte die Bundeswehr bekanntgegeben, dass der Brigadegeneral, zuvor Leiter des Bereichs Multinationale Führung im Zentrum Luftoperationen in Kalkar, als Kommandeur des Landeskommandos Hessen eingesetzt wird. Nach Angaben der Bundeswehr stand seine Dienstzeit im Zeichen der Zeitenwende. Im Mittelpunkt habe die Vorbereitung Hessens auf die Anforderungen des Operationsplans Deutschland und auf mögliche Krisenlagen gestanden, verbunden mit dem Ansatz, Verteidigung als Aufgabe von Staat und Gesellschaft insgesamt zu verstehen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Das Landeskommando schloss unter Radmann zahlreiche sogenannte Partnerschaften für Heimatschutz und Gesamtverteidigung. Laut Bundeswehr haben sich inzwischen mehr als 550 Unternehmen, Kommunen und andere Institutionen in Hessen zur zivil-militärischen Zusammenarbeit bekannt. Ein vergleichbares Format existiere in keinem anderen Bundesland. Zum Vergleich: Als die Lufthansa Group im Juni 2025 eine solche Partnerschaft einging, zählte das Landeskommando rund 250 hessische Arbeitgeber als Partner, zudem hatten sich 2.400 Freiwillige aus Hessen für das dortige Heimatschutzregiment gemeldet.
Die Partnerschaftserklärung ist rechtlich nicht bindend. Teilnehmende Unternehmen erklären sich bereit, ihre Beschäftigten über Freistellungsmöglichkeiten zu informieren, als Partner für den Reservedienst öffentlich genannt zu werden und am strukturierten Sicherheitsdialog Hessen teilzunehmen. Ziel ist es, Reservistinnen und Reservisten die Ausbildung und den Dienst im Heimatschutz zu erleichtern, zu dessen Aufgaben der Schutz kritischer Infrastruktur, die Sicherung von Transportwegen und die regionale Hilfe bei Katastrophen zählen.
Radmann übernimmt im Operativen Führungskommando der Bundeswehr die Funktion des Deputy Chief of Staff Operations/Plans. Auf denselben Posten war im Februar 2025 bereits sein Vorgänger in Wiesbaden, Generalmajor Bernd Stöckmann, gewechselt.
Der neue Kommandeur
Brigadegeneral Markus Reinhardt kommt aus Paris, wo er zuletzt als Verteidigungsattaché im Militärattachéstab der Deutschen Botschaft tätig war. Der Offizier der Luftwaffe trat 1987 in die Bundeswehr ein und war seitdem in verschiedenen nationalen und internationalen Verwendungen eingesetzt.
Aufgaben des Landeskommandos
Das Landeskommando Hessen mit Sitz in Wiesbaden ist die oberste territoriale Kommandobehörde der Bundeswehr im Land und die erste Ansprechstelle der Landesregierung für die zivil-militärische Zusammenarbeit. Es verbindet die Streitkräfte mit Landesregierung, Kommunen und zivilen Behörden. Mit der veränderten Sicherheitslage haben Landes- und Bündnisverteidigung sowie die Kooperation mit zivilen Stellen an Gewicht gewonnen.
Hessen kommt dabei aufgrund seiner zentralen Lage eine besondere Rolle als Transitland zu. Hinzu kommt die Präsenz der Bundeswehr und zahlreicher US-Streitkräfte in der Region. Den Rahmen bildet der Operationsplan Deutschland. Das eingestufte Dokument beschreibt, wie die Bundesrepublik im Kriegsfall als logistische Drehscheibe der NATO dienen würde. Im Bündnisfall sollen bis zu 800.000 alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Fahrzeuge innerhalb von sechs Monaten durch Deutschland verlegt werden, von westeuropäischen Häfen bis an die Ostflanke in Polen und im Baltikum. Das Themenspektrum reicht vom Heimatschutz über den Schutz verteidigungswichtiger Infrastruktur bis zur nationalen territorialen Verteidigung, unter Beteiligung ziviler Behörden, der Länder und Kommunen.
