Bei der Übung Vigilant Roland II hat die Heimatschutzdivision der Bundeswehr zwei Wochen lang an drei Standorten den Schutz kritischer Infrastruktur trainiert. Im Mittelpunkt standen Objektschutz, Drohnenabwehr und die Zusammenarbeit mit zivilen Rettungskräften.
Die Heimatschutzdivision der Bundeswehr hat von Mitte September bis Anfang Oktober 2026 die Übung Vigilant Roland II durchgeführt. Die überwiegend aus Reservistendienstleistenden bestehenden Kräfte trainierten verschiedene Szenarien zum Schutz Deutschlands im Inneren. Als Hintergrund verweist das Presse- und Informationszentrum des Heeres auf die zunehmende Zahl von Angriffen auf kritische Infrastruktur, wie sie im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beobachten sind.
Drei Standorte, unterschiedliche Schwerpunkte
Im Raum Stendal in Sachsen-Anhalt übten die Heimatschutzkräfte außerhalb der Kasernen im öffentlichen Raum, unter anderem an der neuen Anschlussstelle der Autobahn A14 und der Bundesstraße B188. Entlang der Bundesstraße richteten sie Stellungen mit Sandsäcken ein und überwachten Verkehrsknotenpunkte. Zu den Szenarien zählten die zivil-militärische Zusammenarbeit bei Verkehrsunfällen, der Umgang mit gewaltbereiten Störern und das Vorgehen gegen Ausspähversuche mit Drohnen.
In Dornstadt übte das Heimatschutzregiment 1 die Sicherung eines Convoy Support Centers. Dabei handelt es sich um einen militärischen Rastplatz für Fahrzeuge der Bundeswehr während einer Verlegung. Auf dem Truppenübungsplatz Klietz lag der Schwerpunkt auf dem Einsatz unbemannter Drohnen und Sensoren. Laut Ankündigung der Division waren rund 450 Soldatinnen und Soldaten der Heimatschutzregimenter 4 und 6 an der Übung beteiligt, das Heimatschutzregiment 6 hat seinen Sitz in Möckern.
Simulierter Spannungsfall
In Stendal übte der Heimatschutz drei Tage lang im Rahmen eines simulierten Spannungsfalls. Die Kräfte hatten den Auftrag, verkehrswichtige Knotenpunkte gegen Sabotage zu schützen und gegnerische Aufklärung zu verhindern. Ein Zugführer erläuterte, dass die Überwachung sowohl vom Boden als auch aus der Luft erfolge.
Nach Darstellung des Heeres ist die Truppe bei Einsätzen im öffentlichen Raum dauerhaft der Gefahr von Spionage ausgesetzt. Ziel solcher Aufklärung seien Erkenntnisse über Verhalten, Bewaffnung und Stärke der eingesetzten Kräfte. Die Drohnenausbildung ist deshalb inzwischen fester Bestandteil der Heimatschutzausbildung Streitkräfte, die an die Stelle der früheren Grundausbildung getreten ist. Während der Übung waren nahezu durchgehend Drohnen im Einsatz, zur eigenen Aufklärung oder zur Unterstützung in unübersichtlichen Lagen.
Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst
Ein weiteres Szenario betraf Verkehrsunfälle, an denen Militärfahrzeuge während einer Verlegung beteiligt sind. Nach einem angenommenen Unfall mit mehreren Verletzten sicherten die Soldatinnen und Soldaten die Unfallstelle, alarmierten den zivilen Rettungsdienst und übernahmen bis zu dessen Eintreffen die Erstversorgung. Anschließend wurden die Verletzten an die zivilen Kräfte übergeben.
Alle Szenarien wurden im Anschluss mit den Beteiligten ausgewertet, sodass Erkenntnisse in den folgenden Übungsabschnitten umgesetzt werden konnten. In seiner Bilanz bewertet das Heer die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Rettungsdienst und Polizei positiv.
Auftrag und Struktur der Heimatschutzdivision
Seit April 2025 führt die Bundeswehr ihre Heimatschutzkräfte wieder zentral in einer eigenen Division, die als vierter Großverband in das Heer eingegliedert ist. Sie umfasst nach Angaben der Bundeswehr sechs Heimatschutzregimenter mit 60 Kompanien an 42 Standorten. Kommandeur ist Generalmajor Andreas Henne, Sitz der Division ist die Julius-Leber-Kaserne in Berlin. Im Operationsplan Deutschland übernimmt die Division Kernaufgaben wie Objektschutz, Drohnenabwehr, Host Nation Support und die Unterstützung ziviler Behörden.
Zum Objektschutz gehört die Sicherung von Häfen, Flughäfen, Brücken, Bahnlinien, Energieanlagen und digitalen Netzen. Im Rahmen des Host Nation Support sichert der Heimatschutz die Bewegungsfreiheit eigener und verbündeter Truppen auf dem Weg durch Deutschland. Hinzu kommen die Basisausbildung von Rekrutinnen und Rekruten sowie Amtshilfe bei Naturkatastrophen und Großschadensereignissen. Dabei bleiben die zivilen Behörden verantwortlich und müssen die Unterstützung der Bundeswehr ausdrücklich anfordern.
Vigilant Roland II ist die zweite Übung dieser Reihe. Bei Vigilant Roland I im Mai 2026 übte die Division erstmals die Funktionsfähigkeit der Drehscheibe Deutschland an Standorten in Bayern, Hessen und Niedersachsen, unter anderem mit der Sicherung einer Bahnentladung einer Panzergrenadierbrigade.
