Auterion-Airlogix produziert Deep-Strike-Drohnen in Deutschland

Das Gemeinschaftsunternehmen von Auterion und Airlogix hat in Deutschland mit der Serienfertigung der Angriffsdrohnen Anubis und Seth X begonnen. Der Auftrag umfasst mehr als 5.000 Systeme und wird von der Bundesregierung finanziert.
Foto: Auterion-Airlogix

Das Gemeinschaftsunternehmen von Auterion und Airlogix hat in Deutschland mit der Serienfertigung der Angriffsdrohnen Anubis und Seth X begonnen. Der Auftrag umfasst mehr als 5.000 Systeme und wird von der Bundesregierung finanziert.

Erster Auftrag der im Februar gegründeten Gesellschaft

Die Auterion Airlogix Joint Venture GmbH hat nach eigenen Angaben vom 3. September 2026 die ersten Zellen fertiggestellt und die Serienproduktion aufgenommen. Das Unternehmen wurde im Februar 2026 gegründet und verbindet das deutsch-amerikanische Softwarehaus Auterion mit dem ukrainischen Drohnenhersteller Airlogix. Vom Gründungszeitpunkt bis zu den ersten Zellen vergingen damit rund sechs Monate. Nach Darstellung des Unternehmens ist diese Geschwindigkeit darauf zurückzuführen, dass keine Neuentwicklungen begonnen, sondern bereits im Einsatz erprobte Zellenentwürfe mit einem vorhandenen Softwarestack und deutscher Fertigungskapazität kombiniert wurden.

Der Auftrag umfasst zwei Systeme: Seth X als Wirkmittel mittlerer Reichweite und Anubis als schweres Angriffssystem. Gefertigt wird in der Nähe von München, ein zweites Werk in Ostdeutschland ist geplant. Zur Anubis nennt der Hersteller eine Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern bei einem Gefechtskopf von bis zu 40 Kilogramm. Auterion bezeichnet den Vorgang als erste Serienfertigung schwerer Deep-Strike-Systeme dieser Klasse in Deutschland.

Bestimmung für die ukrainischen Streitkräfte

Die Pressemitteilung selbst nennt keinen Empfänger der Systeme. Nach Angaben des Fachportals hartpunkt sind die Drohnen für die ukrainischen Streitkräfte bestimmt, die Finanzierung erfolgt durch die Bundesrepublik Deutschland. Grundlage ist ein Regierungsabkommen vom April 2026. Bei den deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen vereinbarten beide Seiten im Rahmen der Initiative „Build with Ukraine“ die Produktion von Drohnen mittlerer und großer Reichweite; das Vorhaben sah die Gründung eines Joint Ventures mit dem Ziel vor, Tausende Systeme an die ukrainischen Streitkräfte zu liefern. Zusätzlich sagte Deutschland eine Investition im dreistelligen Millionenbereich zur Unterstützung ukrainischer Deep-Strike-Fähigkeiten zu. Das Gesamtpaket dieser Konsultationen wurde auf rund vier Milliarden Euro beziffert und umfasste neben der Drohnenkooperation die Finanzierung mehrerer Hundert Patriot-Flugkörper sowie 36 IRIS-T-Startgeräte.

Autonomiefunktionen und Bedienkonzepte

Beide Plattformen nutzen die Software von Auterion. Dazu gehören KI-gestützte Zielführung im Endanflug und der Betrieb ohne GNSS-Signale, also in Umgebungen mit gestörter oder ausgefallener Satellitennavigation. Über die Plattform Nemyx ist eine spätere Aufrüstung auf Schwarmkoordination vorgesehen. Zum Bedienkonzept gibt das Unternehmen an, dass ein menschlicher Bediener jedes Ziel festlegt und die Software erst nach dieser Entscheidung die Ausführung automatisiert. Die Systeme verlassen die Fertigung nach Herstellerangaben einsatzbereit für elektronisch umkämpfte Umgebungen.

Airlogix hatte die beiden Muster am 8. April 2026 bei einer Veranstaltung des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin erstmals öffentlich gezeigt. Technische Daten und Preise wurden bislang nicht veröffentlicht; Seth X wird als kompakteres System gegen Infanterie, leicht gepanzerte Fahrzeuge und Logistikknoten beschrieben.

Kostenargument und geplante Übertragbarkeit

Auterion begründet das Vorhaben mit der Kostenstruktur. Die Fertigung orientiere sich an den Lieferketten der Unterhaltungselektronik und nicht an klassischen Flugkörperprogrammen; jedes System koste einen Bruchteil der Munition, die es ersetze. Unternehmenschef Lorenz Meier stellt darauf ab, dass Abschreckung auf diese Weise in größeren Stückzahlen vorgehalten werden könne. Airlogix-Chef Vitalii Kolesnichenko verweist auf die Verbindung von im Gefecht erprobten Zellen, Autonomiesoftware und deutscher Industriekapazität und dankt der Bundesregierung.

Das Unternehmen kündigt an, das Produktionsmodell auf weitere europäische und verbündete Abnehmer übertragen zu wollen. Aus einem nationalen Programm solle wiederholbare industrielle Kapazität entstehen. Ob und in welchem Umfang die Bundeswehr selbst Systeme aus dieser Fertigung beschafft, ist bislang nicht bekannt.

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