INLEAP Photonics erhält 20 Millionen Euro für laserbasierte Drohnenabwehr

Das Hannoveraner Unternehmen INLEAP Photonics hat ein neues System zur laserbasierten Drohnenabwehr vorgestellt, das die Lasertechnologie erstmals mit einer ferngesteuerten Bodenplattform kombiniert. Ziel ist eine mobile Abwehrlösung für wechselnde Einsatzlagen.
Foto: INLEAP Photonics

Das Hannoveraner Unternehmen INLEAP Photonics hat eine Seed-Finanzierungsrunde unter Führung von UVC Partners abgeschlossen. Insgesamt stehen dem Spin-off damit rund 20 Millionen Euro für den Aufbau einer Serienfertigung von Laser-Effektoren zur Verfügung.

Investorenkreis mit europäischer Beteiligung

Lead-Investor der am 1. September 2026 bekanntgegebenen Runde ist der Münchener Kapitalgeber UVC Partners. Beteiligt sind daneben der High-Tech Gründerfonds sowie die neu hinzugekommenen Investoren Balnord (Polen), Sentris (Estland) und Scale Capital (Dänemark). Das Unternehmen begründet die Zusammensetzung mit dem geplanten Ausbau in Europa. Eine erste Pre-Seed-Runde hatte INLEAP Photonics Anfang 2026 unter Führung des High-Tech Gründerfonds abgeschlossen.

Amanda Birkenholz, Partnerin bei UVC Partners, verweist zur Begründung des Engagements auf die Dual-Use-Ausrichtung der Technologie: Neben militärischen Nutzern benötigten auch Flughäfen, Energieanlagen und Rechenzentren vergleichbare Schutzmaßnahmen, was aus Sicht des Investors den Skalierungsspielraum vergrößert.

Bedrohungslage als Marktumfeld

Das Unternehmen ordnet die Finanzierung in eine verschärfte Sicherheitslage ein und nennt dabei den Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Die Bundesanwaltschaft hatte das Ermittlungsverfahren am 6. August 2026 von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden übernommen; nach ihren Erkenntnissen sollte am Abend des 4. August 2026 auf dem Flughafengelände mittels einer Drohne eine Explosion herbeigeführt werden. Der Verdacht richtet sich auf versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr.Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Zahl der Drohnenvorfälle seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gestiegen ist und ein Teil dieser Vorfälle mutmaßlich ausländischen staatlichen Akteuren zu Spionage- und Sabotagezwecken zugerechnet wird. Im März 2026 trat das KRITIS-Dachgesetz in Kraft, das den Schutz kritischer Infrastruktur unter anderem in den Bereichen Energie, Transport, Gesundheit und Telekommunikation verbessern soll.

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Technischer Ansatz

INLEAP Photonics wurde 2023 als Ausgründung aus dem Laser Zentrum Hannover e. V. gegründet und überträgt eine ursprünglich für industrielle Fertigungsprozesse entwickelte Laserstrahllenkung auf sicherheitskritische Anwendungen. Kern des Verfahrens ist eine schnelle Strahlablenkung mit sehr kleinem Fokusdurchmesser. Nach Unternehmensangaben lenkt die Technologie Laserstrahlen bis zu 2.500-mal schneller als herkömmliche Lösungen. Bei Tests seien Drohnen auf über 100 Metern Entfernung in weniger als 0,2 Sekunden neutralisiert worden. Zur Detektion können Radar, Akustiksensoren oder elektrooptische Sensorik genutzt werden.

Zum Portfolio gehören zwei Produktlinien. INLEAP FASTLIGHT SHIELD ist ein stationär oder mobil einsetzbarer Laser-Effektor, der Drohnen an zuvor identifizierten Schwachstellen bekämpft. Das Unternehmen bezeichnet die Wirkweise als augensicher und sieht darin die Voraussetzung für einen Einsatz in urbanen und zivilen Umgebungen. INLEAP FASTLIGHT HELD kombiniert denselben Effektor mit einer geländegängigen unbemannten Bodenplattform und einer C-UAS-Softwarekomponente für mobile Szenarien. Die UGV-Plattform stammt vom Unternehmen Hentschel System, die Softwareplattform von STARK.

Bestehende Kooperationen

Als Kunden nennt INLEAP Photonics das Bundesministerium der Verteidigung sowie den Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Mit dem Cyber Innovation Hub läuft seit Mai 2026 eine gemeinsame Versuchsreihe, die die Abwehr von Drohnenschwärmen unter realen Einsatzbedingungen nachweisen und die Voraussetzungen für eine spätere Nutzung durch die Bundeswehr zum Schutz mobiler Einrichtungen schaffen soll. Im April 2026 vereinbarte das Unternehmen zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Berliner Defence-Tech-Unternehmen STARK, die auf Systemintegration und gemeinsame Weiterentwicklung im C-UAS-Bereich zielt.

Verwendung der Mittel

Nach Unternehmensangaben fließt das Kapital in vier Bereiche: die Standardisierung von Fertigungs- und Prüfprozessen für beide Produktlinien, die Weiterentwicklung der Kerntechnologie mit Schwerpunkt auf der augensicheren Wirkweise, den Ausbau von Vertrieb und Service samt weiterer Standorte in Deutschland und im europäischen Ausland sowie Qualitätssicherung und Zertifizierungen.

CEO Marius Lammers verweist auf einen nach eigenen Angaben starken Auftragseingang und das Ziel, größere Stückzahlen liefern zu können. CTO Felix Wellmann betont, der Übergang in die Serienfertigung erfordere über zusätzliche Kapazitäten hinaus standardisierte Montage- und Testprozesse sowie verlässliche Lieferketten, damit jede Einheit unter gleichen Bedingungen gefertigt und abgenommen werden könne.

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