Rheinmetall errichtet modulares Camp für Bundeswehr Soldaten in Litauen

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) den ersten Abruf im Rahmen des Programms G-CAP II SU erhalten. Die Liegenschaft soll ab Mitte August 2027 in Betrieb gehen.
Foto: Rheinmetall AG

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) den ersten Abruf im Rahmen des Programms G-CAP II SU erhalten. Die Liegenschaft soll ab Mitte August 2027 in Betrieb gehen.

Auftragswerte und Leistungsumfang

Rheinmetall tritt bei dem Vorhaben als Generalunternehmer auf und verantwortet den Aufbau einer modularen Liegenschaft für bis zu 2.000 Soldatinnen und Soldaten in Litauen. Der Auftragswert für Planung und Errichtung beträgt nach Unternehmensangaben 250 Millionen Euro. Mit der Inbetriebnahme übernimmt der Konzern zusätzlich den teilautarken Betrieb, der mit rund 40 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt ist. Dazu zählen das Facility Management einschließlich einer Wäscherei sowie die Verpflegung. Verbucht wurde der Auftrag im dritten Quartal 2026.

Einen konkreten Standort innerhalb Litauens nennt das Unternehmen nicht. Das Leistungsspektrum reicht nach eigener Darstellung von der Planung über Herstellung, Transport auf dem See-, Land- oder Luftweg und Errichtung bis hin zum optionalen mehrjährigen Betrieb und zum späteren Rückbau.

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Hintergrund: das Rahmenvertragsmodell G-CAP II SU

Die Abkürzung steht für German Armed Forces Contractor Augmentation Program II – Stationäre Unterbringung. Der Rahmenvertrag regelt die Unterbringung deutscher Kräfte bei Einsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen, unabhängig von den klimatischen und geografischen Bedingungen im jeweiligen Land. Kern des Modells ist eine vorgeplante, vertraglich gebundene Infrastruktur, die als Gesamtpaket aus einer Hand abgerufen werden kann und dadurch den Aufbauprozess beschleunigen soll. Ziel des BAIUDBw ist es zugleich, eigene Ressourcen der Bundeswehr zu entlasten und für Lagen hoher Bedrohung verfügbar zu halten.

Der Vertrag wurde am 31. August 2021 in Bonn unterzeichnet, und zwar mit einer Bietergemeinschaft aus Ecolog Deutschland, FEPS und Rheinmetall Project Solutions. Das Amt und die Unternehmen definierten dabei rund 140 Leistungspakete, die in beliebiger Kombination abgerufen werden können, darunter Unterkunfts- und Funktionsgebäude, Verpflegungseinrichtungen, Wasseraufbereitung und Stromerzeugung. Vorgesehen ist der gestaffelte Aufbau von bis zu 12.000 Unterkunftseinheiten innerhalb von sechs bis fünfzehn Monaten. Die Grundlaufzeit beträgt vier Jahre mit der Option auf dreimalige Verlängerung um jeweils ein Jahr; finanzielle Verpflichtungen entstehen erst mit dem einzelnen Abruf. Rheinmetall hatte für dieses Geschäftsfeld eigens die Rheinmetall Project Solutions GmbH gegründet.

Einordnung: Aufwuchs der Panzerbrigade 45

Der Abruf fällt in eine Phase, in der Deutschland seine dauerhafte Präsenz in Litauen ausbaut. Die Panzerbrigade 45 wurde am 1. April 2025 in Vilnius in Dienst gestellt. Vorgesehen sind rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 200 zivile Bundeswehrangehörige, verteilt auf die beiden Hauptstandorte Rūdninkai und Rukla nahe Vilnius beziehungsweise Kaunas. Der zugehörige Truppenübungsplatz umfasst rund 170 Quadratkilometer und liegt etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Die Errichtung der militärischen und zivilen Infrastruktur verantwortet Litauen.Anfang Februar 2026 erreichte der Verband nach Unterstellung zweier Kampftruppenbataillone und der Multinational Battlegroup Lithuania eine Stärke von etwa 2.800 Soldaten, von denen rund 1.800 in Litauen stationiert waren. Die volle Einsatzbereitschaft ist für 2027 vorgesehen; dann sollen etwa 3.000 Angehörige der Brigade in Rūdninkai und die übrigen in Rukla untergebracht sein.

Der Zeitplan für die Inbetriebnahme des modularen Camps ab Mitte August 2027 liegt damit im Korridor, in dem die Brigade ihre Zielstärke erreichen soll.

Parallel entstehen weitere Vorhaben mit litauischer Beteiligung. Das Rheinmetall/KNDS-Gemeinschaftsunternehmen Lithuania Defense Services errichtet in der Freien Wirtschaftszone Kaunas für 29 Millionen Euro ein Montage- und Wartungszentrum für Kampfpanzer Leopard 2 A8, das im November 2027 fertiggestellt sein soll. Zudem baut der Konzern ein Munitionswerk für 155-Millimeter-Artilleriegeschosse in Litauen mit einem Investitionsvolumen von bis zu 300 Millionen Euro.

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