Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat HENSOLDT mit der Lieferung der Ausstattung für abgesessene Joint Fire Support Teams (JFST) beauftragt. Der Serienauftrag folgt auf einen vorangegangenen Vertrag, in dem das Unternehmen die Leistungsfähigkeit des Systems nachgewiesen hatte.
Ausstattung für Feuerunterstützungstrupps ohne Fahrzeugbindung
Das Vorhaben „JFST abgesessen“ zielt auf die Ausrüstung von Joint Terminal Attack Controllern und Joint Forward Observers (JTAC/JFO). Diese Soldaten fordern für Bodentruppen Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS) sowie indirektes Feuer der Artillerie an und lenken deren Wirkung ins Ziel. Bislang verfügt die Bundeswehr überwiegend über fahrzeuggebundene JFST, unter anderem auf Basis von Fennek, Wiesel 2 und Bv 206S. Für den rein infanteristischen, plattformungebundenen Einsatz bestand dagegen eine Ausstattungslücke, die das Projekt schließen soll. Es wurde Ende der 2010er Jahre begonnen und führt die taktischen und materiellen Forderungen für diesen Einsatzzweck zusammen. In den vergangenen Jahren durchlief das System die Integrierte Nachweisführung einschließlich taktischer Erprobung durch die Truppe.
HENSOLDT verantwortet als Generalunternehmer neben der Beschaffung der Komponenten die gesamte Integrationsleistung. Dazu zählen elektro-optische Sensoren zur Zielvermessung, Laserzielbeleuchter, Kommunikationsmittel sowie Lösungen für Energieversorgung und Vernetzung. Auch die Auslegung des Tragesystems war Teil der Leistungsbeschreibung, insbesondere Gewichtsverteilung, Kabelführung und Anordnung der Komponenten.

Digitale Anbindung an Luftfahrzeuge und Artillerie
Kern des Vorhabens ist die Digitalisierung des Feuerunterstützungsprozesses. HENSOLDT entwickelt den Softwareanteil für Digitally Aided Close Air Support (DaCAS), der die digitale Verbindung zwischen JTAC und Luftfahrzeug herstellt. Bislang wurden Zielkoordinaten überwiegend mündlich per Funk übermittelt und von der Besatzung manuell eingegeben, was zeitaufwendig und fehleranfällig war. Über DaCAS lassen sich Zieldaten direkt in die Systeme des Luftfahrzeugs übertragen.
Ergänzend wird ein Video-Downlink integriert, über den die Teams am Boden auf den Videofeed der von Kampfflugzeugen mitgeführten Aufklärungspods zugreifen können. Für die Anforderung bodengebundenen indirekten Feuers wird das Führungs- und Waffeneinsatzsystem ADLER III vollständig in die Ausstattung eingebunden. ADLER wurde 1995 bei der Artillerietruppe eingeführt und verbindet Aufklärungsmittel und Waffensysteme; es sichert zudem den Datenaustausch mit dem Führungsinformationssystem des Heeres und über die ASCA-Schnittstelle mit Artilleriesystemen verbündeter Streitkräfte.
Finanzieller Rahmen und Zulauf
Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte die entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage am 8. Juli 2026. Nach Berichten des Fachportals hartpunkt wurden zunächst gut 100 Millionen Euro freigegeben, mit denen mehr als 50 Ausstattungssätze fest beauftragt werden können. Der Zulauf soll demnach 2028 und 2029 erfolgen. Der Gesamtumfang der Rahmenvereinbarung wird auf über 750 Millionen Euro beziffert und enthält die Option auf knapp 300 weitere Ausstattungen. HENSOLDT selbst nennt in seiner Mitteilung keine Auftragswerte.
Joint Fire Support Teams sind in den Feuerunterstützungszügen von Artillerie und Infanterie angesiedelt und bestehen aus jeweils sechs Soldaten, gegliedert in einen Boden-Boden- und einen Luft-Boden-Trupp. Vergleichbare Fähigkeiten werden auch in infanteristischen Verbänden von Luftwaffe und Marine aufgebaut. Zu ihren Aufgaben zählen neben CAS auch die Lenkung von Steilfeuer und seegestützten Wirkmitteln, das Verfahren Close Combat Attack sowie die Wirkungsanalyse.
HENSOLDT ordnet die Lieferung in die Stärkung der Bundeswehr für Operationen über mehrere Dimensionen hinweg im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung ein. Das Unternehmen mit Sitz in Taufkirchen bei München erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro und beschäftigt rund 9.500 Mitarbeiter.
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