Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal 155-mm-Artilleriegeschosse aus seinem neuen Werk im niedersächsischen Unterlüß an die Ukraine geliefert. Der laufende Auftrag soll bis Ende 2026 vollständig abgewickelt sein.
Bislang stammten die Munitionslieferungen des Unternehmens an die Ukraine aus anderen Standorten seines Produktionsnetzwerks. Mit der aktuellen Lieferung kommen erstmals Geschosse aus dem sogenannten „Werk Niedersachsen“ in Unterlüß zum Einsatz. Nach Konzernangaben umfasst die Lieferung eine niedrige fünfstellige Zahl an Geschossen; die zugehörigen Treibladungen werden aus anderen Fertigungsstätten bezogen. Mehr als die Hälfte des Auftrags ist demnach bereits ausgeliefert, die verbleibenden Geschosse und Treibladungen sollen bis zum Jahresende folgen.
Neuer Geschosstyp aus dem Artillerieportfolio
Bei den gelieferten Geschossen handelt es sich um den Typ RH1412, das nach Unternehmensangaben jüngste Produkt aus dem Rheinmetall-Artilleriesortiment. Die Munition lässt sich aus verschiedenen 155-mm-Waffensystemen verschießen und ist auf hohe Reichweite ausgelegt. Das Kaliber 155 Millimeter gilt als NATO-Standard für Rohrartillerie und wird in der Ukraine unter anderem aus Systemen wie der Panzerhaubitze 2000 verschossen, von der Deutschland mehrere Exemplare bereitgestellt hat.

Größtes Munitionswerk Europas
Das Werk in Unterlüß war im August 2025 offiziell eröffnet worden. An der Eröffnung nahmen unter anderem Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte teil. Rheinmetall investierte rund 500 Millionen Euro in den Standort, der nach dem Spatenstich im Februar 2024 in etwa 18 Monaten Bauzeit entstand. Durch den Ausbau entstehen am Standort rund 500 zusätzliche Arbeitsplätze.
Die Produktion wird schrittweise hochgefahren. Für 2025 war eine Fertigung von etwa 25.000 Schuss vorgesehen, für 2026 eine Steigerung auf 140.000 Stück; die volle Kapazität von rund 350.000 Geschossen pro Jahr soll 2027 erreicht werden. Bei Vollauslastung gilt die Anlage nach Unternehmensangaben als das größte Munitionswerk Europas.
Ausbau der Kapazitäten
Rheinmetall verweist darauf, weiterhin stark in den Ausbau bestehender Anlagen und den Aufbau neuer Fertigungsstätten zu investieren, um die gestiegene Nachfrage nach 155-mm-Munition und Treibladungen zu bedienen. Der Düsseldorfer Konzern baut seine Produktionskapazitäten seit 2022 aus und strebt bis 2030 eine Jahresproduktion von rund 1,5 Millionen 155-mm-Artilleriegeschossen an. Zum Vergleich: 2022 lag die konzernweite Fertigung von 155-mm-Munition noch bei rund 70.000 Stück pro Jahr. t-online
Hintergrund des Ausbaus ist der hohe Munitionsbedarf infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Im Stellungskrieg im Osten des Landes ist der Verbrauch an Artilleriemunition – insbesondere im Kaliber 155 Millimeter – anhaltend hoch. Auf europäischer Ebene versucht die EU, die Munitionsproduktion über gemeinsame Initiativen zu erhöhen; parallel füllen Deutschland und weitere Staaten ihre eigenen Bestände wieder auf.
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