Saab stellt neue Munition zur Bekämpfung von Reaktivpanzerung vor

Saab stellt neue Munition zur Bekämpfung von Reaktivpanzerung vor
Carl Gustav HEAT 758 | Foto: Saab

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat mit der HEAT 758 eine neue Gefechtsmunition für die Carl-Gustaf vorgestellt. Die Patrone ist speziell für den Einsatz gegen Fahrzeuge mit Reaktivpanzerung ausgelegt.


Vorstellung in Karlskoga

Am 5. Mai 2026 demonstrierte Saab die neue Munitionstype HEAT 758 auf dem firmeneigenen Schießplatz in Karlskoga, Schweden. Rund 150 Vertreter aus 25 Ländern, darunter auch Offiziere der ukrainischen Streitkräfte, wohnten der Ground Combat Demonstration 2026 bei. Die formelle Ankündigung erfolgte am 7. Mai 2026 per Pressemitteilung. Ein namentlich nicht genannter Carl-Gustaf-Kunde hat die neue Munition bereits bestellt; die Serienproduktion läuft.

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Tandem-Gefechtskopf gegen reaktive Panzerung

Die HEAT 758 ist als Reaktion auf die zunehmende Verbreitung von Explosiver Reaktivpanzerung (ERA) auf modernen Kampfpanzern entwickelt worden. ERA-Systeme nutzen kontrollierte Explosionen, um eintreffende Hohlladungsgeschosse zu stören und deren Penetrationswirkung zu reduzieren, bevor sie die Hauptpanzerung erreichen. Konventionelle Hohlladungsmunition scheitert daher häufig an ERA-geschützten Fahrzeugen.

Die HEAT 758 begegnet diesem Problem mit einem Tandem-Gefechtskopf: Eine Vorladung neutralisiert zunächst die ERA-Schicht des Zielfahrzeugs, woraufhin die Hauptladung die nunmehr freigelegte Panzerung durchdringen kann. Die Hauptladung erreicht laut Hersteller eine Durchschlagsleistung von bis zu 700 Millimetern gewalztem Panzerstahl – ausreichend, um die derzeit schwersten gepanzerten Fahrzeuge zu bekämpfen. Die effektive Reichweite beträgt bis zu 600 Meter.

Michael Höglund, Leiter der Geschäftseinheit Ground Combat bei Saab, betonte, dass reaktive Panzerung auf modernen Gefechtsfeldern zur zentralen Herausforderung für konventionelle Infanteriemunition geworden sei und die HEAT 758 darauf eine gezielte Antwort darstelle.

Firebolt-Schnittstelle und integrierte Feuerkontrolle

Die neue Munition nutzt Saabs Firebolt-Technologie – eine bidirektionale Kommunikationsschnittstelle zwischen Geschoss und Waffensystem. Über diese Schnittstelle tauscht die HEAT 758 Daten mit dem Abschussgerät Carl-Gustaf M4 und dem Feuerleitgerät FCD 558 aus. Das Feuerleitgerät berechnet auf Basis von Munitionstyp, Treibladungstemperatur und Zielentfernung automatisch die optimale Schussbahn und stellt die Ballistik ohne manuelle Eingabe des Schützen ein. Dies reduziert die Bedienkomplexität erheblich und erhöht die Erstschuss-Trefferwahrscheinlichkeit.

Die Firebolt-Schnittstelle wurde bereits 2022 mit der programmierbaren Mehrzweckpatrone HE 448 eingeführt. Saab kündigte anlässlich der Veranstaltung zudem an, die Firebolt-Technologie schrittweise auf ältere Munitionsvarianten des Carl-Gustaf-Systems auszurollen.

Das Carl-Gustaf-System im Kontext

Das Schulterwaffen-System Carl-Gustaf wurde 1948 in Schweden entwickelt und wird inzwischen von mehr als 40 Nationen eingesetzt. Die aktuelle Generation M4 ist gegenüber früheren Versionen deutlich leichter und unterstützt ein breites Spektrum an 84-Millimeter-Munition – von Hohlladungspatronen über Antipersonenmunition bis zu Rauch- und Beleuchtungsgeschossen. Indien gilt als größter einzelner Nutzer des Systems weltweit; dort besteht seit Jahrzehnten eine Lizenzproduktion.

Saab investiert nach eigenen Angaben fortlaufend in die Weiterentwicklung des Portfolios aus Eigenmitteln. Allein im vergangenen Jahr flossen demnach mehr als 200.000 Entwicklungsstunden in den Bereich Ground Combat. Der Hersteller unterhält Produktionsstätten in Schweden und der Schweiz und baut derzeit ein neues Werk in Indien sowie eine Fertigungsanlage in den USA auf.

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