Saab präsentiert Kampfboot CB90 CX

CB90 CX | Foto: Saab

Saab hat mit dem Combat Boat 90 CX eine vergrößerte Version seines Kampfboots vorgestellt. Es ist für Aufklärung, Seezielbekämpfung und Nahbereichsflugabwehr vorgesehen, kann optional unbemannt betrieben werden und wird zunächst für Schweden gebaut.

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat am 2. November 2026 das Combat Boat 90 Capability X (CB90 CX) präsentiert. Die Bezeichnung steht laut Hersteller für eine neue Fähigkeitsstufe der CB90-Familie, die seit 1989 in Docksta gebaut wird. Schweden ist Erstkunde; das CX befindet sich nach Unternehmensangaben bereits in Produktion. Es soll neben der kleineren Variante CB90 NG (Next Generation) eingesetzt werden, die weiterhin im Programm bleibt.

Anders Hellman, Leiter der Saab-Geschäftseinheit Docksta, begründet die Entwicklung mit einer veränderten Lage auf See. Er verweist auf Zwischenfälle an kritischer Infrastruktur in der Ostsee, auf kleine, verteilte Systeme, die im Schwarzen Meer konventionelle Seestreitkräfte herausfordern, sowie auf Angriffe auf die Handelsschifffahrt im Roten Meer. Marinen müssten Bedrohungen früher erkennen und ihre Fähigkeiten auf mehr Plattformen verteilen. Das CX solle das Kampfboot über die Rolle als Truppentransporter hinaus zu einem Teil dieser verteilten Kampfkraft machen.

Größerer Rumpf, mehr Nutzlast

Gegenüber dem CB90 NG ist das CX nach Saab-Angaben rund 1,3 Meter länger, an Deck etwa 20 und in der Wasserlinie etwa 30 Zentimeter breiter. Die Nutzlastkapazität steigt demnach um mehr als 50 Prozent. Der zusätzliche Raum ist für Sensoren, Waffen, Stromerzeugung und Missionsausrüstung vorgesehen; zudem verbessert der längere Rumpf laut Hersteller das Seeverhalten.

Gebaut wird das Boot nach der DNV-Klassennotation High Speed Light Craft R2. Sie erlaubt Fahrten bis zu 100 Seemeilen von einem sicheren Hafen oder Ankerplatz im Sommer und bis zu 50 Seemeilen im Winter. Weil in Schärengewässern bereits kleine Inseln als Schutzort gelten, sieht Saab damit praktisch die gesamte Ostsee als Einsatzgebiet abgedeckt. Den Antrieb übernehmen weiterhin Wasserstrahlantriebe mit mehr als 2.000 PS. Voll beladen soll das Boot schneller als 40 Knoten fahren; der geringe Tiefgang für Küsten- und Schäreneinsätze bleibt erhalten.

Neue Systemarchitektur, optional unbemannt

Als wichtigste Neuerung nennt Saab die Systemarchitektur „Combat Core“. Sie bündelt Schiffsautomation, Plattformüberwachung, eine neue Steer-by-Wire-Steuerung und die Feuerleitung. Fähigkeiten sollen sich so über die gesamte Nutzungsdauer ergänzen und aktualisieren lassen, ohne das Boot auf eine Konfiguration festzulegen.

Hinzu kommt die Saab-Software Autonomous Ocean Core. Jedes CX ist damit für den unbemannten Betrieb vorbereitet – ferngesteuert von Land oder mit KI-gestützten Funktionen. Saab betont, dass Entscheidungen weiterhin bei Menschen liegen; die optionale Besatzung gebe Streitkräften mehr Spielraum beim Einsatz von Personal und Plattformen. Fernsteuerfunktionen einschließlich Torpedoschüssen und ferngesteuerter Feuerleitung hat Saab nach eigenen Angaben bereits gemeinsam mit der schwedischen Marine erprobt, zuletzt bei der NATO-Erprobung REPMUS.

Drei Konfigurationen auf einer Plattform

Zunächst entwickelt und fertigt Saab drei Varianten auf derselben Grundplattform. Das soll Wartung, Ausbildung und Lebenszykluskosten vereinfachen.

Aufklärung (ISR): Ein 3D-Radar vom Typ Giraffe 1X erfasst Ziele in der Luft und auf See im 360-Grad-Umkreis. Es sitzt auf einem neu entwickelten Mast, der sich auf bis zu elf Meter ausfahren lässt; dann gibt Saab eine Reichweite von mehr als 100 Kilometern gegen Luftziele an. Die Lagedaten gehen an andere Boote und Einheiten an Land. Zum Selbstschutz gegen Luft- und Seedrohnen dient eine Trackfire-Waffenstation.

CB90 CX | Foto: Saab

Seezielbekämpfung: Mit dem Seezielflugkörper Marte ER von MBDA sollen Ziele in mehr als 100 Kilometern Entfernung bekämpft werden können, sofern externe Zieldaten vorliegen. Amphibische Kräfte setzen solche Systeme bislang häufig mit Trupps an Land ein; an Bord sollen sie schneller verlegt werden können.

CB90 CX | Foto: Saab

Nahbereichsflugabwehr (SHORAD): Die 30-Millimeter-Waffenanlage SeaSnake 30 von Rheinmetall richtet sich gegen unbemannte Luftfahrzeuge, Hubschrauber und Loitering Munition, kann aber auch Ziele auf See und an Land bekämpfen. Sie reicht weiter als die Trackfire-Station, deren Drohnenschutz Saab mit wenigen Kilometern angibt.

CB90 CX | Foto: Saab

Saab versteht die Varianten als Bausteine eines vernetzten Verbands, der an verschiedenen Orten operiert. Weitere Ausstattungen, etwa für den Einsatz von Drohnen vom Boot aus oder für Torpedos, sind in Arbeit. Größere Marineplattformen sollen die Boote nach Unternehmensangaben ergänzen, nicht ersetzen.

Produktion und schwedische Beschaffung

Laut Saab sind mehr als 300 Boote der CB90-Familie im Einsatz, verteilt auf neun Marinen in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, im asiatisch-pazifischen Raum und auf dem amerikanischen Kontinent. Im zweiten Quartal 2025 bestellte die schwedische Beschaffungsbehörde FMV 22 weitere Boote der NG-Variante für rund 900 Millionen Kronen. Im Februar 2026 folgte ein Auftrag an Rheinmetall über acht SeaSnake 30 mit Option auf 29 weitere; nach FMV-Angaben sind diese für CB90 NG bestimmt.

Für die erwartete Nachfrage baut Saab in Docksta ein neues Werftgelände. Es soll im ersten Halbjahr 2027 fertig sein und die Produktionskapazität mehr als verdoppeln. Stückzahl, Auftragswert und Liefertermine für das CB90 CX nannte Saab nicht.

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