Politik und Industrie einigen sich auf Maßnahmenplan zur Digitalisierung des Heeres

Bei der Umrüstung von Bundeswehrfahrzeugen auf digitale Funktechnik gibt es Verzögerungen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich deshalb mit Industrievertretern auf einen gemeinsamen Maßnahmenplan verständigt, um die sogenannte Serienintegration zu beschleunigen.
Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Bei der Umrüstung von Bundeswehrfahrzeugen auf digitale Funktechnik gibt es Verzögerungen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich deshalb mit Industrievertretern auf einen gemeinsamen Maßnahmenplan verständigt, um die sogenannte Serienintegration zu beschleunigen.

Rückstände bei der Serienumrüstung

Im Rüstungsprojekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) sollen mehr als 10.000 Fahrzeuge der Bundeswehr mit moderner digitaler Funktechnik ausgestattet werden. Das neue Führungsfunksystem soll einen abhörsicheren Datenaustausch auch in einem gestörten elektromagnetischen Umfeld sowie eine durchgängige verschlüsselte Kommunikation ermöglichen.

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Am 29. Juni begann in Munster ein wichtiger Systemnachweis für das Programm. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums haben sich Stabilität und Leistung des Gesamtsystems in den vergangenen Monaten spürbar verbessert. Bei der sogenannten Musterintegration, bei der pro Fahrzeugtyp die technische Blaupause für die spätere Serienausrüstung entwickelt wird, liegt das Projekt im Zeitplan. Bei der anschließenden Serienintegration, also der tatsächlichen Umrüstung der Flotte, gibt es dagegen Rückstände. Als Ursachen nennt das Ministerium sowohl fehlende Materiallieferungen auf Industrieseite als auch Verzögerungen bei der Bundeswehr selbst, die für die Abnahme der umgerüsteten Fahrzeuge in den Werken zuständig ist.

Maßnahmenplan soll Rückstand aufholen

Um die Verzögerungen aufzuholen, haben Ministerium und Industrie einen Maßnahmenplan vereinbart. Die Bundeswehr will demnach mehr Personal für die Güteprüfung einsetzen und den Abnahmeprozess der Fahrzeuge in den Werken optimieren. Die Industrie soll über bereits laufende Maßnahmen hinaus weitere Vorschläge erarbeiten, wie der Rückstand kompensiert werden kann – auch mit Blick auf künftig steigende Umrüstzahlen. Die beteiligten Unternehmen bekräftigten das Ziel, im laufenden Jahr 2.700 Fahrzeuge umzurüsten.

Als Zeitmarken gelten weiterhin die digitale Einsatzbereitschaft der Panzergrenadierbrigade 37 bis Ende 2026 sowie der in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 bis Mitte 2027. Die Panzergrenadierbrigade 37 soll der NATO ab Anfang 2027 als digitalisierte „Forward Land Forces“-Brigade zur Verfügung stehen.

Wachsende Fahrzeugflotte und zusätzliche Funkgeräte

Mit dem geplanten personellen und materiellen Aufwuchs der Bundeswehr wird in den kommenden Jahren auch die Zahl der Gefechts- und Logistikfahrzeuge deutlich steigen, bei einzelnen Fahrzeugtypen im vierstelligen Bereich. Alle neuen Plattformen müssen in das digitale Funk- und Führungssystem integriert werden; zusätzlich benötigt die wachsende Truppe weitere digitale Handfunkgeräte.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte in der vergangenen Woche den siebten Änderungsvertrag im Rahmen von D-LBO. Damit werden Liefermenge und -kadenz der Führungsfunkgeräte aus dem bestehenden Vertrag erhöht: Geplant sind knapp 32.000 zusätzliche Geräte in verschiedenen Ausführungen. Der Vertrag umfasst zudem weitere Handfunkgeräte für den sogenannten digitalen Mischbetrieb. Dieser hat für die Umrüstung der Landstreitkräfte besondere Bedeutung, da die mehr als zehntausend betroffenen Fahrzeuge nicht in einem Schritt umgerüstet werden können. Es wird deshalb über einen längeren Zeitraum eine Mischung aus bereits umgerüsteten, noch umzurüstenden und – etwa wegen geringer Stückzahl oder bevorstehender Außerdienststellung – dauerhaft nicht umzurüstenden Fahrzeugen geben. Damit die Truppe dennoch im Verbund führungsfähig bleibt, sollen die Handfunkgeräte den Datenaustausch zwischen diesen unterschiedlichen Fahrzeuggruppen sicherstellen.

Hintergrund: D-LBO-Programm

Das Gesamtprogramm D-LBO wird von einer Bietergemeinschaft aus Rheinmetall und KNDS Deutschland umgesetzt; als zentrale Funkgerätefamilie kommt dabei unter anderem Technik von Rohde & Schwarz zum Einsatz. Das Vertragsvolumen des Programms liegt Medienberichten zufolge im Milliardenbereich. Ziel ist es, die Landstreitkräfte der Bundeswehr im Rahmen der NATO-Bündnisverteidigung durchgängig vernetzt und digital führungsfähig zu machen.

Verteidigungsminister und Industrie einigen sich auf Maßnahmenplan zur Digitalisierung der Landstreitkräfte

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