Bundeswehr plant Satellitenflotte mit bis zu 1200 Einheiten bis 2030

Das Verteidigungsministerium bereitet einen milliardenschweren Ausbau seiner Raumfahrtkapazitäten vor. Bis 2030 soll die Zahl der militärischen Satelliten Deutschlands auf bis zu 1200 steigen, wie Business Insider berichtet.
Foto: pixabay/qimono

Das Verteidigungsministerium bereitet einen milliardenschweren Ausbau seiner Raumfahrtkapazitäten vor. Bis 2030 soll die Zahl der militärischen Satelliten Deutschlands auf bis zu 1200 steigen, wie Business Insider berichtet.

Zwei Großprojekte für Kommunikation und Aufklärung

Das Vorhaben gliedert sich laut dem Bericht in zwei Programme. Für die Satellitenkommunikation ist das System „SatcomBW4“ vorgesehen, an dem ein Konsortium aus Airbus, OHB und Rheinmetall arbeitet und das mehrere Hundert Satelliten umfassen soll. Den größeren Anteil an der geplanten Flotte macht das Aufklärungssystem „Spock 2“ aus – die Abkürzung steht für „Spacesystem for Persistent Operational Tracking“. Die rund tausend Satelliten dieser Konstellation sollen mit Radar und Spezialkameras ein Lagebild von Truppenbewegungen, Fahrzeugen und anderen militärischen Objekten liefern.

Um den Auftrag für „Spock 2“ konkurrieren nach Angaben von Business Insider drei Industriekonsortien: Airbus Defence and Space mit Rohde & Schwarz, Rheinmetall mit dem finnischen Unternehmen Iceye sowie OHB mit Helsing und Kongsberg. Alle Bewerber kooperieren zusätzlich mit deutschen New-Space-Start-ups wie Constellr und LiveEO. Vertragsabschlüsse werden laut Branchenangaben in etwa zwei Jahren erwartet, erste Satellitenstarts könnten in rund drei Jahren folgen.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Investitionen von mindestens 35 Milliarden Euro

Das Verteidigungsministerium kalkuliert nach dem Bericht mit Investitionen von mindestens 35 Milliarden Euro für den Aufbau der Flotte. Der frühere Astronaut und Raumfahrtprofessor Ulrich Walter hält die geplante Satellitenzahl gegenüber dem „Handelsblatt“ für realistisch, da die Streitkräfte für eine kontinuierliche Aufklärung entsprechend viele Systeme benötigten.

Zum Vergleich: Der Verteidigungshaushalt des Bundes für 2026 sieht nach Angaben des Bundestags Gesamtausgaben von rund 108 Milliarden Euro vor, mit einem geplanten Anstieg auf etwa 152 Milliarden Euro bis 2029. Laut Unternehmensberater Manfred Hader von Roland Berger investiert die Bundeswehr aktuell bereits jährlich rund sieben Milliarden Euro in Raumfahrtaktivitäten – ein Teil davon fließt künftig weiter in den Betrieb der neuen Systeme.

Herausforderung: Satelliten müssen laufend ersetzt werden

Die geplante Konstellation bringt logistische Probleme mit sich. Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen werden durch den atmosphärischen Widerstand abgebremst und müssen regelmäßig ersetzt werden. Bei einer sehr niedrigen Umlaufbahn müsste die Bundeswehr laut Bericht theoretisch zwei bis drei Satelliten pro Woche austauschen. Walter hält eine höhere Umlaufbahn von etwa 600 Kilometern für realistischer; in diesem Fall lägen die jährlichen Ersatzbeschaffungen bei rund 120 Satelliten, bei geschätzten Betriebskosten von etwa einer Milliarde Euro pro Jahr.

Um diesen Bedarf zu decken, bereiten sich die Hersteller auf Serienfertigung vor: OHB plant demnach eine Fabrik in Sachsen oder Bremen mit einer Kapazität von drei Satelliten pro Woche, Rheinmetall errichtet gemeinsam mit Iceye eine Anlage bei Düsseldorf für mindestens einen Satelliten pro Woche. Ein Vertreter der Bundeswehr betonte laut Business Insider, dass eine Massenproduktion dieser Größenordnung bislang in Deutschland nicht existiert habe.

Einordnung: Wachsender Markt für Satellitenkonstellationen

Der geplante Umfang der Bundeswehr-Flotte bleibt im internationalen Vergleich moderat. Das kommerzielle Satellitennetz Starlink von SpaceX umfasste laut aktuellen Daten Mitte 2026 bereits mehr als 10.000 aktive Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen, mit einem angekündigten Ausbauziel von rund 12.000 Einheiten. Militärische Konstellationen wie die geplante deutsche Flotte orientieren sich an ähnlichen technischen Prinzipien, verfolgen jedoch andere Zwecke: Aufklärung und gesicherte Kommunikation statt ziviler Internetversorgung.

Vom steigenden Bedarf an Transportkapazitäten profitieren auch europäische Anbieter kleinerer Trägerraketen, sogenannte Microlauncher, etwa Isar Aerospace und die Rocket Factory Augsburg (RFA). Laut Einschätzung von Roland Berger dürfte der Markt langfristig aber nur Platz für zwei solcher Unternehmen bieten; die Firmen müssten zunächst ihre Zuverlässigkeit bei tatsächlichen Orbitalstarts unter Beweis stellen.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) sowie das Weltraumkommando der Luftwaffe sind für die Umsetzung des Vorhabens zuständig. Das Weltraumkommando wurde 2021 gegründet und ist für die Beobachtung und den Schutz deutscher Weltrauminfrastruktur verantwortlich.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share