Ostsee-Anrainer beraten Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur

Seit 1971 übt die NATO mit BALTOPS in der Ostsee – doch die Ruhe, in der das Format einst entstand, ist vorbei. Sabotage an Unterseekabeln, gestörte Navigationssignale und eine hochgerüstete Exklave in Kaliningrad haben das Binnenmeer zurück ins Zentrum der europäischen Sicherheit gerückt. Über die Ostsee müssen die baltischen Staaten und Finnland im Ernstfall versorgt werden – und ob das gelingt, entscheidet sich unter anderem an zwei Räumen: dem schwedischen Gotland und der schmalen Suwałki-Lücke an der polnisch-litauischen Grenze.
Foto: Bundeswehr/Nico Theska

Am 4. März 2025 trafen sich Vertreter der Ostsee-Anrainerstaaten, der NATO und der EU in Berlin zu einem Workshop zur maritimen Sicherheit. Im Fokus stand die Umsetzung eines regionalen Hubs zum Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur in der Ostsee.

Hintergrund ist eine Serie mutmaßlich durch die russische Schattenflotte verursachte Sabotageakte, darunter die Beschädigung des Stromkabels „EstLink 2“ zwischen Finnland und Estland Ende 2024. Als Reaktion darauf beschlossen die Ostsee-Staaten auf dem NATO-Sondergipfel in Helsinki verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Die NATO startete die Mission „Baltic Sentry“, und Deutschland sowie Norwegen schlugen die Einrichtung von fünf regionalen „Critical Undersea Infrastructure Hubs“ (CUI-Hubs) vor. Deutschland will dabei die Verantwortung für die Ostsee übernehmen.

In Berlin arbeiteten Experten an der Umsetzung der Gipfelbeschlüsse. Diskutiert wurden Maßnahmen wie ein Echtzeit-Lagebild der Unterwasser-Infrastruktur, der Einsatz autonomer Überwachungssysteme sowie die Koordination zwischen militärischen und zivilen Akteuren. Arbeitsgruppen erarbeiteten eine Roadmap für den Ostsee-Hub, entwickelten Strategien zur besseren Vernetzung von Sensoren und evaluierten Drohnen-Technologien zur Überwachung. Zudem wurde der rechtliche Rahmen für Maßnahmen gegen Sabotageakte geprüft.

Zentrales Ergebnis des Treffens: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Anrainerstaaten, Sicherheitsbehörden, Betreibern und Industrie ist essenziell, um hybride Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. Die erarbeiteten Konzepte sollen beim NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 vorgestellt werden.

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