Sieben NATO-Mitglieder haben am Rande des Bündnisgipfels in Ankara ein gemeinsames Projekt für eine A400M-Transportflotte gestartet. Parallel tritt Finnland der multinationalen Tankerflotte MMF bei, die sich ihrer vollen Sollstärke nähert.
Neues Kooperationsprojekt für den A400M
Am Dienstag (7. Juli) haben mehrere NATO-Staaten beim NATO Summit Defence Industry Forum in Ankara Schritte zum Ausbau ihrer Lufttransport- und Luftbetankungskapazitäten angekündigt. Belgien, Kroatien, Frankreich, Polen, Spanien, die Türkei und das Vereinigte Königreich riefen ein neues multinationales Projekt für eine Flotte des Militärtransporters Airbus A400M ins Leben.
Das Vorhaben orientiert sich am sogenannten Pooling-and-Sharing-Konzept: Die beteiligten Staaten legen ihre Flugzeuge in einem gemeinsamen Bestand zusammen und teilen die Kosten, um Skaleneffekte zu nutzen. Die Kooperation soll sich auf Bereiche wie gemeinsame Beschaffung, logistische Unterstützung und Ausbildung erstrecken. Nach Angaben der NATO folgt die Initiative dem Vorbild der multinationalen Tankerflotte auf Basis des Airbus A330 MRTT, deren erstes Flugzeug 2020 geliefert wurde.

Der A400M ist zwischen dem taktischen Transporter C-130 Hercules und dem strategischen Großraumtransporter C-17 angesiedelt. Er verbindet eine hohe Nutzlast und große Reichweite mit der Fähigkeit, auf kurzen und unbefestigten Pisten zu landen, und kann damit auch Ziele anfliegen, die für größere Muster nicht erreichbar sind. Neben dem Lufttransport lässt sich die Maschine als Tankflugzeug sowie für medizinische Evakuierungen einsetzen. Den A400M beschaffen bislang mehrere europäische Staaten sowie die Türkei im Rahmen nationaler Programme.
Finnland tritt der Tankerflotte MMF bei
Zeitgleich trat Finnland der Multinational Multi-Role Tanker Transport Fleet (MMF) bei. Die inzwischen neun Mitgliedsstaaten – Belgien, Tschechien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden – kündigten die bevorstehende Auslieferung des zehnten Airbus A330 MRTT an. Damit rückt die Flotte an ihre vorgesehene Endstärke von zwölf Flugzeugen heran.
Die MMF geht auf eine Pooling-and-Sharing-Initiative der Europäischen Verteidigungsagentur zurück und wurde 2016 mit einer Absichtserklärung zwischen den Niederlanden und Luxemburg gegründet. Weitere Staaten schlossen sich in den Folgejahren an; 2025 kamen Dänemark und Schweden hinzu, verbunden mit einer Bestellung zweier zusätzlicher Maschinen. Die Flugzeuge befinden sich im Eigentum der NATO und werden von der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) verwaltet. Betrieben werden sie durch die Multinational MRTT Unit (MMU) mit Standorten in Eindhoven (Niederlande), Köln-Wahn (Deutschland) und Karup (Dänemark). Die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability) erklärte das Bündnis im März 2026.
Einordnung
Beide Flotten stellen dem Bündnis Fähigkeiten zur Luftbetankung, zum strategischen Lufttransport und zur medizinischen Evakuierung bereit. Sie sind Teil mehrerer NATO-Initiativen, mit denen Verbündete knappe und kostenintensive Fähigkeiten gemeinsam vorhalten. Neben der MMF zählen dazu die Strategic Airlift Capability (SAC), die auf gemeinsam betriebenen C-17 basiert, sowie die Strategic Airlift International Solution (SALIS), bei der Antonow-An-124-Frachter gechartert werden. Solche multinationalen Modelle erlauben es einzelnen Staaten, Fähigkeiten zu nutzen, deren Beschaffung im Alleingang wirtschaftlich schwierig wäre.
Mit WhatsApp immer bestens informiert!
Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:
