Die NATO will ihre alternde AWACS-Flotte durch das schwedische Frühwarnsystem GlobalEye ersetzen. Auf dem Gipfel in Ankara kündigte Generalsekretär Mark Rutte formelle Verhandlungen mit Saab über bis zu zehn Maschinen an.
Die NATO hat sich bei der Nachfolge ihrer Flugzeuge für luftgestützte Frühwarnung und Führung (Airborne Early Warning & Control, AEW&C) für das System GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab entschieden. Wie das Unternehmen am 7. Juli 2026 mitteilte, kündigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte die Entscheidung auf dem Gipfeltreffen des Bündnisses im türkischen Ankara an. Demnach beginnt die Allianz formelle Verhandlungen mit Saab über die Beschaffung von bis zu zehn GlobalEye-Systemen.
Ein Vertrag ist damit noch nicht geschlossen. Saab betont, bislang weder eine Bestellung noch einen Auftrag erhalten zu haben. Die Verhandlungen sollen nun mit der NATO-Beschaffungsagentur NSPA (NATO Support and Procurement Agency) geführt werden.

Ersatz für die E-3A-Flotte aus den 1980er-Jahren
Hintergrund der Entscheidung ist die geplante Ausmusterung der derzeitigen AWACS-Flotte. Die NATO betreibt 14 Maschinen des Typs Boeing E-3A Sentry, die seit 1982 im Dienst und am Stützpunkt Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen stationiert sind. Sie sollen spätestens 2035 außer Dienst gestellt werden.
Die Suche nach einem Nachfolger verlief zuletzt turbulent: 2023 hatten sich NATO-Staaten zunächst auf die Beschaffung der Boeing E-7A Wedgetail verständigt. Im November 2025 stoppten die sieben beteiligten europäischen Länder – darunter Deutschland – das Vorhaben jedoch, nachdem die USA sich aus dem Programm zurückgezogen hatten und die strategische wie finanzielle Grundlage entfallen war. Anschließend wurde der Auswahlprozess neu aufgesetzt, aus dem GlobalEye nun als Lösung hervorgeht. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Anfang Juli unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, dass die Entscheidung für das schwedische System auf dem Gipfel in Ankara verkündet werden solle.
Radar auf Geschäftsreiseflugzeug-Basis
GlobalEye basiert auf dem Geschäftsreiseflugzeug Global 6500 des kanadischen Herstellers Bombardier. Saab kombiniert die Plattform mit dem eigenen Radar Erieye Extended Range, weiteren Sensoren und einem Führungssystem für Einsätze über mehrere Dimensionen hinweg (Land, See, Luft). Nach Unternehmensangaben kann das System großflächig Land-, See- und Luftraum überwachen und auch schwer erfassbare Ziele erkennen – darunter Tarnkappenflugzeuge, Drohnen sowie ballistische und hypersonische Flugkörper, auch unter elektronischen Störbedingungen.
Für das Bündnis soll das System die Fähigkeit deutlich verbessern, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Fliegende Frühwarn- und Führungssysteme gelten als zentrale Komponente der integrierten Luftverteidigung: Sie dienen als Radar- und Koordinationszentrale in der Luft und ergänzen bodengebundene Systeme, deren Reichweite durch die Erdkrümmung begrenzt ist.
Bedeutung für Saab und die europäische Rüstungsindustrie
Saab-Konzernchef Micael Johansson erklärte, das Unternehmen sei stolz, die NATO bei ihrer künftigen AEW&C-Fähigkeit zu unterstützen; die Ankündigung positioniere GlobalEye als führende Lösung in diesem Bereich. Man sehe den nächsten Verhandlungsschritten erwartungsvoll entgegen.
Die Entscheidung ist auch industriepolitisch bemerkenswert: Erstmals würde die NATO ihre gemeinsame Frühwarnflotte nicht mit einem US-Muster, sondern mit einem europäischen System ausstatten. GlobalEye ist bereits bei den Vereinigten Arabischen Emiraten und Schweden im Einsatz beziehungsweise bestellt; auch Frankreich prüft nach Branchenberichten die Beschaffung. Über Stückzahlen jenseits der genannten bis zu zehn Maschinen, Kosten und Zeitplan der NATO-Beschaffung ist offiziell noch nichts bekannt – diese Punkte dürften Gegenstand der nun beginnenden Vertragsverhandlungen mit der NSPA sein.
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