Zum 35. Jahrestag ihres Nachbarschaftsvertrags haben Deutschland und Polen ihre verteidigungspolitische Zusammenarbeit vertieft. In Warschau unterzeichneten beide Verteidigungsminister ein neues Militärabkommen, während in Berlin die Außenminister beider Länder zusammenkamen.
Abkommen in Warschau
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein polnischer Amtskollege Władysław Kosiniak-Kamysz unterzeichneten am 17. Juni 2026 in Warschau ein neues Militärabkommen. Nach Angaben der Bundesregierung bekräftigt die Vereinbarung die gegenseitigen Beistandsverpflichtungen im Rahmen von EU und Nato. Pistorius erklärte, beide Länder übernähmen damit Verantwortung für ihre Zukunft in Europa. Kosiniak-Kamysz verwies auf neue Kooperationsmöglichkeiten bei Cybersicherheit und hochmodernen Technologien.
Das Abkommen sieht eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung militärischer Fähigkeiten sowie in der Rüstungsindustrie vor. Geplant sind zudem gemeinsame Manöver. Pistorius kündigte für November die Verlegeübung „Grand Eagle“ an, bei der 1.200 Soldaten von Deutschland durch Polen nach Litauen verlegt werden sollen. Das polnische Verteidigungsministerium hob darüber hinaus die Bereiche Militärlogistik und Infrastruktur sowie die Kooperation im Ostseeraum hervor.

Forum in Berlin
Parallel tagte in Berlin das Deutsch-Polnische Forum mit rund 700 Teilnehmern. Die Veranstaltung fiel auf den 35. Jahrestag der Unterzeichnung des bilateralen Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrages von 1991. Die Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Radosław Sikorski betonten in einer gemeinsamen Erklärung die besondere Verantwortung beider Staaten für die Region als Verbündete in Nato und EU.
Der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Knut Abraham (CDU), bewertete das Abkommen als Zeichen einer intensiveren sicherheitspolitischen Zusammenarbeit. Bei der Unterstützung der Ukraine gebe es „keine Abstimmungsprobleme“; beide Länder stünden an der Seite des von Russland angegriffenen Landes.
Sicherheitslage und offene Streitpunkte
Trotz der Annäherung bleiben Belastungen im bilateralen Verhältnis bestehen. Strittig ist weiterhin die Reparationsfrage. Aus deutscher Sicht ist sie juristisch und politisch seit vielen Jahren abschließend beantwortet – auch weil Polen 1953 auf Reparationen verzichtet hatte. Die frühere nationalkonservative Regierung unter der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte das Thema vor einigen Jahren erneut aufgegriffen und Forderungen in Höhe von 1,3 Billionen Euro erhoben, die Berlin als unrealistisch zurückweist. Daneben gelten auch deutsche Grenzkontrollen als Reibungspunkt.
Die historische Dimension prägt das Verhältnis weiterhin: Unter der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg kamen mehr als fünf Millionen Bürgerinnen und Bürger der Zweiten Polnischen Republik ums Leben, davon drei Millionen Juden. Persönliche Entschädigungen zahlte Deutschland etwa an ehemalige Zwangsarbeiter und Häftlinge.
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