Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS präsentiert auf der Eurosatory 2026 in Paris eine überarbeitete Version seiner Konzeptstudie Leopard 2 A-RC 3.0. Im Mittelpunkt stehen ein unbemannter, ferngesteuerter Turm, eine dreiköpfige Besatzung und ein stärkerer Fokus auf Drohnenabwehr.
Unbemannter Turm und Besatzung in der Wanne
Bei der vollständig eigenfinanzierten Studie verzichtet KNDS auf den klassischen bemannten Turm und setzt stattdessen auf ein ferngesteuertes Turmkonzept. Kennzeichnend ist nach Unternehmensangaben eine Waffenaufnahme, die ein Eintauchen der Kanone in den Rumpf verhindert. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten für die Raumaufteilung in der Wanne, in der auch die gesamte Besatzung untergebracht ist.
Die kompakte Anordnung der drei Soldaten verringert das zu schützende Volumen und damit das Gewicht des Fahrzeugs. Das verbesserte Leistungsgewicht soll die taktische Beweglichkeit erhöhen. KNDS hatte das Gesamtgewicht früherer Ausbaustufen mit unter 62 Tonnen angegeben – rund acht Tonnen weniger als bei den aktuellsten Serienvarianten des Leopard 2.

Mehrere Kaliber und Drohnenabwehr
Der unbemannte Turm ist nach Herstellerangaben für unterschiedliche Kaliber ausgelegt und kann mit Kanonen der Größen 120, 130 und 140 Millimeter bestückt werden. Die Waffenaufnahme erlaubt zudem einen Wechsel von Waffe und Munition.
Bei der überarbeiteten Variante rückt die Drohnenabwehr stärker in den Vordergrund. Die Studie ist mit einer weiterentwickelten Sekundärbewaffnung ausgestattet. Die Waffenstation lässt sich nach Unternehmensangaben absenken, sodass der Panzer per Bahn transportiert werden kann. Darüber hinaus wurde die IT-Architektur für eine umfangreichere Vernetzung vorbereitet.
Vorgeschichte: erstmals 2024 vorgestellt
Den Leopard 2 A-RC 3.0 hatte KNDS erstmals auf der Eurosatory 2024 als technologische Konzeptstudie gezeigt – seinerzeit als möglicher Ausblick auf einen Nachfolger des Leopard 2. Der ferngesteuerte Turm wurde Berichten aus der Fachpresse zufolge am Standort Kassel entwickelt. Nach Angaben des Unternehmens ist das Turmkonzept mit allen eingeführten Leopard-Varianten kompatibel, da Fahrgestell und Drehkranz unverändert bleiben; bestehende Fahrzeuge ließen sich entsprechend nachrüsten.
Gegenüber der ersten Version weist die 2026 gezeigte Ausführung mehreren Fachberichten zufolge eine veränderte Frontpartie mit höherem Schutzniveau, ein neues abstandsaktives Schutzsystem, zusätzliche Radarpaneele zur Drohnenerkennung sowie eine 30-mm-Waffenstation mit Doppelgurtzuführung auf.
Einordnung: Trend zum unbemannten Turm
Die Studie steht für einen breiteren Entwicklungstrend im Kampfpanzerbau. Auch der Wettbewerber Rheinmetall stellte 2024 mit dem Panther KF51-U eine Variante mit unbemanntem Turm und Ladeautomatik vor. Beide Konzepte ordnen sich in das längerfristige Umfeld des deutsch-französischen Vorhabens Main Ground Combat System (MGCS) ein, das den Leopard 2 und den französischen Leclerc ablösen soll. Mit einer Einführung des MGCS wird nach bisherigen Planungen nicht vor den 2040er-Jahren gerechnet; bis dahin sollen Zwischenlösungen die Fähigkeitslücke schließen. Über das künftige Kaliber – zur Auswahl stehen unter anderem eine 130-mm-Kanone von Rheinmetall und eine 140-mm-Kanone aus der ASCALON-Familie von KNDS – ist noch nicht abschließend entschieden.
Zum Unternehmen
KNDS entstand aus dem Zusammenschluss von Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben rund 11.000 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand lag zum 31. Dezember 2025 bei 33,1 Milliarden Euro. Der Leopard 2 ist dem Unternehmen zufolge derzeit bei 24 Nationen unter Vertrag.
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