H145M: Leichte Kampfhubschrauber vorerst ohne Kampffähigkeit

Der Bundesrechnungshof bemängelt nach einem Bericht des SPIEGEL die Planung beim Leichten Kampfhubschrauber H145M der Bundeswehr. Wegen ungelöster Probleme bei der Bewaffnung sollen die Maschinen vorerst nur für die Ausbildung nutzbar sein.
H145M LKH | Foto: Airbus Helicopter / Cara-Irina Wagner

Der Bundesrechnungshof bemängelt nach einem Bericht des SPIEGEL die Planung beim Leichten Kampfhubschrauber H145M der Bundeswehr. Wegen ungelöster Probleme bei der Bewaffnung sollen die Maschinen vorerst nur für die Ausbildung nutzbar sein.

Der Bundesrechnungshof hat in einem vertraulichen Bericht für den Bundestag die Umsetzung des Projekts Leichter Kampfhubschrauber (LKH) kritisiert. Darüber berichtete DER SPIEGEL am 1. November 2026. Nach Einschätzung der Prüfer werden die bei Airbus Helicopters bestellten Hubschrauber vom Typ H145M wegen Planungsmängeln erst mehrere Jahre später als vorgesehen voll einsatzbereit sein. Das Vorhaben befinde sich auf einem kritischen Pfad.

Marktverfügbares Muster statt Neuentwicklung

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und Airbus Helicopters unterzeichneten im Dezember 2023 einen Rahmenvertrag über bis zu 82 leichte Kampfhubschrauber. Fest beauftragt wurden zunächst 62 Maschinen, die zwischen 2024 und 2028 geliefert werden sollen. Das Volumen dieser Festbestellung beziffert der SPIEGEL auf rund 2,5 Milliarden Euro. Im Dezember 2025 löste Deutschland die Option über 20 weitere Hubschrauber ein. Damit sind insgesamt 82 Maschinen bestellt, von denen das Heer 72 und die Spezialkräfte der Luftwaffe zehn erhalten.

Das Ministerium hatte sich bewusst für ein am Markt verfügbares Modell entschieden, statt einen neuen Hubschrauber entwickeln zu lassen. Weitgehend baugleiche Maschinen vom Typ H145M SOF fliegt bereits das Hubschraubergeschwader 64 in Laupheim. Den ersten LKH übernahm Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im November 2024 bei Airbus Helicopters in Donauwörth, weniger als ein Jahr nach Vertragsschluss. Pistorius wertete die Übergabe damals als Beleg dafür, dass die Beschaffung deutlich beschleunigt worden sei.

Zunächst nur für die Ausbildung

Nach Auffassung des Rechnungshofs hat die Bundeswehr den Aufwand unterschätzt, ein ziviles Basismuster zu einem militärischen Kampfhubschrauber umzurüsten. Die Truppe erhalte die Maschinen daher zunächst in einer vorläufigen Konfiguration, mit der sie ausbilden, aber nicht kämpfen könne.

Ein zentrales Problem ist die Munition. Die bislang verfügbare 20-Millimeter-Munition für die Bordkanone kann laut Bericht nicht als sicher erklärt werden, weil das Anzündhütchen elektrostatisch empfindlich ist. Wann der Hersteller den Mangel behebt, ist demnach offen. Munition ist, abgesehen von Mengen für Qualifikationszwecke, nicht Bestandteil des Rahmenvertrags. Ursprünglich sollte das Kampfhubschrauberregiment 36 in Fritzlar die ersten bewaffneten Maschinen in der Rolle Kampf ab Mitte 2026 erhalten.

Panzerabwehrlenkflugkörper noch nicht erprobt

Zur Bekämpfung gepanzerter Ziele soll der LKH einen Lenkflugkörper eines israelischen Herstellers erhalten. Nach Informationen von hartpunkt handelt es sich um den Spike ER2; das BAAINBw beauftragte die EuroSpike GmbH aus Röthenbach mit dessen Qualifizierung auf dem LKH, womit das System erstmals bei der Bundeswehr eingeführt würde. Der rund 35 Kilogramm schwere Flugkörper ist aus der Luft für Reichweiten bis 16 Kilometer ausgelegt.

Laut SPIEGEL sollen die Lenkflugkörper ab Ende 2027 geliefert und anschließend erprobt werden. Selbst das Ministerium stuft den Zeitplan bis 2029 als sehr ambitioniert und risikobehaftet ein. Erste Schussversuche im Mai 2025 mussten wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen werden. Dennoch steht im Haushaltsausschuss des Bundestages in Kürze die Beschaffung einer Tranche dieser Lenkflugkörper für 384 Millionen Euro an. Die Prüfer kritisieren, dass der Vertrag vor Abschluss der Erprobung geschlossen werden soll. Es bestehe das Risiko, dass der Flugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht und für die Truppe nicht nutzbar wäre.

Nato-Zusagen und Empfehlungen

Deutschland hat der Nato laut SPIEGEL zugesagt, bis 2029 zunächst zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber bereitzustellen. Der Rechnungshof hält es für absehbar, dass diese Zusage nicht eingehalten werden kann.

Die Prüfer empfehlen, das Projekt grundsätzlich zu überprüfen. Weitere LKH solle das Verteidigungsministerium erst beschaffen, wenn sichergestellt sei, dass der Auftragnehmer die vertraglich geschuldete Leistung erbringt. Eine weitere Beschaffung sei derzeit weder angezeigt noch notwendig. Die Option über 20 zusätzliche Maschinen aus dem Rahmenvertrag ist allerdings bereits seit Dezember 2025 abgerufen. Auf welche Beschaffung sich die Empfehlung konkret bezieht, geht aus der Berichterstattung nicht hervor.

Das Verteidigungsministerium erklärte sich in einer Stellungnahme bereit, die Kritikpunkte zu prüfen. Die Befürchtung, Deutschland könne seine Nato-Zusagen verfehlen, wies es zurück.

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