Das deutsch-britische Rüstungsunternehmen Hypersonica hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingeworben. Mit dem Kapital will das Unternehmen die Entwicklung hyperschallschneller Präzisionswaffen großer Reichweite beschleunigen, die bis 2029 zur Verfügung stehen sollen.
Finanzierungsrunde unter Führung von Lightspeed und General Catalyst
Hypersonica hat am 2. November 2026 den Abschluss einer Series-B-Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro bekanntgegeben. Angeführt wird die Runde von den Risikokapitalgebern Lightspeed und General Catalyst. Die Bestandsinvestoren Plural und 201 Ventures beteiligen sich erneut. Angaben zur Unternehmensbewertung oder zu den Anteilen einzelner Geldgeber macht das Unternehmen nicht.
Das Kapital soll in die Weiterentwicklung der sogenannten Deep-Strike-Systeme fließen, also Waffen zur Bekämpfung von Zielen tief im gegnerischen Hinterland. Zudem plant Hypersonica, die Zahl der Testflüge zu erhöhen und seine Aktivitäten in Europa auszubauen. Nach Unternehmensangaben sollen dadurch mehrere hundert Arbeitsplätze in Ingenieurwesen und Fertigung in Großbritannien und Deutschland entstehen.
Die vorherige Finanzierungsrunde liegt erst wenige Monate zurück. Im Februar 2026 hatte Hypersonica eine Series-A-Runde über 23,3 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt von Plural und unter Beteiligung der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND sowie von General Catalyst und 201 Ventures. Gegründet wurde das Unternehmen von den Oxford-Absolventen Dr. Marc Ewenz und Dr. Philipp Kerth; es entstand zunächst im Umfeld von TUM Venture Labs, hat seinen Hauptsitz im Raum München und unterhält eine Tochtergesellschaft in London.
Testflug in Norwegen
Als technischen Meilenstein führt Hypersonica einen Testflug vom Februar an. Das Testfahrzeug SCOOTER HS-1 startete am 3. Februar vom Raketenstartplatz Andøya Space in Norwegen. Es handelte sich um ein einstufiges Fluggerät, mit dem Erfahrungen in der Flugerprobung gesammelt und Sensordaten zur Systemvalidierung erhoben werden sollten. Der Prototyp beschleunigte auf mehr als Mach 6 und ging anschließend im vorgesehenen Sperrgebiet nieder. Die Flugstrecke betrug laut Hypersonica über 300 Kilometer. Das Unternehmen sieht sich damit als erstes privat finanziertes europäisches Rüstungsunternehmen, das diese Leistungswerte erreicht hat. Zudem gibt es an, sein Entwicklungsmodell senke die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Ansätzen um mehr als 80 Prozent.
Politischer Rahmen: Deep Precision Strike
Die Finanzierung fällt in eine Phase, in der europäische Regierungen Mittel für weitreichende Präzisionswaffen bereitstellen. Auf Grundlage des Trinity-House-Abkommens vom Oktober 2024 arbeiten Großbritannien und Deutschland an einem gemeinsamen Deep-Precision-Strike-Programm (DPS), das sowohl Tarnkappen- als auch Hyperschallwaffen mit Reichweiten von über 2.000 Kilometern hervorbringen soll. Die Einführung ist für die 2030er-Jahre vorgesehen. Der britische Defence Investment Plan sieht dafür in den kommenden vier Jahren 770 Millionen Pfund vor.
Hinzu kommt eine multinationale Initiative, die Hypersonica in seiner Mitteilung als NATO-geführt bezeichnet. Tatsächlich ging sie auf eine Einladung des britischen Premierministers am Rande des NATO-Gipfels in Ankara am 8. Juli 2026 zurück. Europäische NATO-Staaten wollen demnach im kommenden Jahrzehnt rund 50 Milliarden US-Dollar in Präzisionswaffen mit Reichweiten zwischen 300 und 2.000 Kilometern investieren. Zu den zwölf Unterzeichnern gehört neben Großbritannien, Frankreich und den nordischen Staaten auch Deutschland. Die Staaten begründen den Bedarf unter anderem mit Anpassungen der US-Streitkräftepräsenz in Europa.
Einschätzungen von Unternehmen und Investoren
Die Gründer Kerth (CEO) und Ewenz (CTO) sehen die Grundsatzdebatte über den Bedarf an hyperschallschnellen Deep-Strike-Fähigkeiten als beendet an. Entscheidend sei nun die Umsetzung. Die Series B markiere für das Unternehmen den Übergang von der Demonstration zur Lieferung. Europa könne solche Systeme schneller und günstiger entwickeln als allgemein angenommen.
Alexander Schmitt, Partner bei Lightspeed, verweist auf die Verbindung aus technischer Expertise und hoher Umsetzungsgeschwindigkeit im Team. Jeannette zu Fürstenberg, President und Managing Director bei General Catalyst, betont, strategische Autonomie setze voraus, kritische Technologien schnell, in großer Stückzahl und zu deutlich geringeren Kosten als bei klassischen Systemen herstellen zu können. Hypersonica adressiere eine der zentralen Fähigkeitslücken Europas.
Ziel: einsatzfähige Systeme bis 2029
Bis 2029 will Hypersonica hyperschallschnelle Deep-Strike-Systeme entwickeln und parallel eine europäische Technologie- und Fertigungsbasis aufbauen. Das Unternehmen hebt hervor, seine Technologie werde in Europa entwickelt und kontrolliert und unterliege nicht den US-Exportvorschriften ITAR (International Traffic in Arms Regulations). Damit wären Weitergabe und Export nicht von einer Genehmigung der US-Regierung abhängig. Konkrete Leistungsdaten des angestrebten Waffensystems oder bestehende Aufträge nennt Hypersonica nicht.
