Generalleutnant Hübner skizziert den Pfad zur Kriegstüchtigkeit für das Heer bis 2029

Generalleutnant Hübner skizziert den Pfad zur Kriegstüchtigkeit für das deutsche Heer bis 2029
Panzerbrigade 45 | Foto: PIZ Heer / Marco Dorow

Beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer hat der stellvertretende Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Heico Hübner, fünf prioritäre Handlungsfelder für die Modernisierung der Landstreitkräfte benannt. Im Zentrum stehen Drohnenabwehr, indirekte Wirkung und die Integration unbemannter Systeme.

Am 14. April 2026 hat Generalleutnant Heico Hübner, stellvertretender Inspekteur des Heeres und Kommandeur der Militärischen Grundorganisation, in Berlin vor Abgeordneten und Vertretern der Rüstungsindustrie den Weg des Deutschen Heeres zur angestrebten Kriegstüchtigkeit bis 2029 dargelegt. Ausgangspunkt seiner Analyse war die Frage, wie das Heer aufgestellt sein muss, um künftigen Anforderungen eines hochintensiven Gefechtsfeldes gerecht zu werden.

Das Gefechtsfeld der Zukunft

Generalleutnant Hübner verwies auf die Entwicklungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als Referenzrahmen, nicht als Blaupause. Russland habe 2025 zwischen 200.000 und 300.000 kleine Aufklärungs- und Kampfdrohnen sowie 50.000 bis 100.000 größere Angriffsdrohnen im Kriegseinsatz gehabt. Diese massenhafte Verflechtung günstiger, vernetzter unbemannter Systeme mit Artillerie und elektronischer Kriegführung werde von Beobachtern als „Russische Blume des Krieges“ beschrieben.

Aktuelle Schätzungen unterstreichen diese Dynamik: Die Ukraine hat 2025 rund vier Millionen Drohnen beschafft und plant für 2026 die Beschaffung von sieben Millionen Systemen. Der russische Generalstab baut gleichzeitig eine eigene Teilstreitkraft für unbemannte Systeme mit einer Zielgröße von 165.000 Soldaten auf.

Das Gefechtsfeld der Zukunft versteht die Heeresführung nach Hübners Worten als dreidimensionalen, datengetriebenen und weitgehend transparenten Operationsraum. Zwischen überlappenden gegnerischen Schutzschirmen entstehe ein rund 30 Kilometer breites „Niemandsland“. Unbemannte Systeme, elektromagnetische Kriegführung und beschleunigte Wirkketten würden zur prägenden Größe. Maßgeblich sei das Paradigma „Maneouvre follows fires“ – Bewegung folge dem Feuer.

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Fünf priorisierte Handlungsfelder

Aus dieser Lageanalyse leitete Hübner fünf Schwerpunkte ab: Schutz gegen Bedrohungen aus dem bodennahen Luftraum, indirekte Wirkung, Elektronischer Kampf aller Truppen, tiefe Integration unbemannter Systeme sowie Digitalisierung und Einsatz Künstlicher Intelligenz. Für alle Felder sei ein abgestufter Ansatz aus Hochwertsystemen und effizienter Masse erforderlich. Beim indirekten Feuer müsse die Fähigkeit von der Bataillonsebene bis zu Ground-Based-Deep-Precision-Strike-Systemen oberhalb der Korpsebene reichen und Raketen- wie Rohrartillerie sowie Loitering Munition und Drohnen umfassen.

Bei der Digitalisierung benannte Hübner Defizite: Der Fortschritt beim System „Digitalisierung landbasierter Operationen“ (DLBO) sei noch nicht zufriedenstellend und beeinträchtige die Einsatzbereitschaft. Parallel arbeite das Heer an Software Defined Defence und setze auf der Korps- und Divisionsebene auf die NATO-Version des Systems MAVEN sowie auf den unteren Ebenen auf URANOS KI und das Unmanned Management System der Bundeswehr.

Zwischenlösungen bis zum Zulauf der Zielsysteme

Angesichts des Zeitdrucks bis 2029 setzt das Heer auf abgestufte Zwischenlösungen. Substantielle Zuläufe der neuen Artilleriesysteme EuroPULS und RCH 155 werden erst ab 2028 erwartet. Die Lücke soll über die Nachbeschaffung von Panzerhaubitzen 2000 A4 sowie über Loitering Munition geschlossen werden.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte am 25. Februar 2026 Rahmenverträge mit den Herstellern Helsing und STARK über insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro gebilligt; das Volumen umfasst bis zu 6.500 Systeme. Am 15. April 2026 folgte die Zustimmung zu einem dritten Rahmenvertrag mit Rheinmetall über bis zu 2,4 Milliarden Euro für das System FV-014. Die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 soll ab 2027 mit einem Aufklärungs- und Wirkverbund einschließlich Loitering Munition ausgestattet werden. Hübner kündigte an, eine weitere Batterie bei der Panzerbrigade 21 als Versuchseinheit aufzustellen und schrittweise jedes Artilleriebataillon auf Brigade- und Divisionsebene mit einer Batterie auszurüsten.

Im Bereich der Drohnenabwehr setzt das Heer auf die Ertüchtigung vorhandener 30-mm-Waffenstationen, Abfangdrohnen und marktverfügbare mobile Systeme. Eine Technologieschau am 12. Mai 2026 im neuen Innovationszentrum Erding soll die Sichtung verfügbarer cUAS-Systeme ermöglichen.

Aufwuchs und Strukturwandel

Politisch sei das Ziel ein Aufwuchs der Bundeswehr auf insgesamt 460.000 Soldatinnen und Soldaten, davon bis zu 260.000 aktive und mindestens 200.000 nichtaktive Kräfte. Nach aktuellen Zahlen des Bundesministeriums der Verteidigung verfügt die Bundeswehr zum Stichtag 31. März 2026 über rund 185.400 aktive Soldatinnen und Soldaten. Der Verteidigungshaushalt soll laut Hübner auf rund 150 Milliarden Euro jährlich steigen. Diese Finanzplanung biete langfristige Planbarkeit; eine Unterfinanzierung sei keine Rechtfertigung mehr für Verzögerungen.

Hübner beschrieb den bevorstehenden Wandel als tiefgreifenden Umbruch hin zu einer Mobilisierungsarmee mit materiell und personell hinterlegten nichtaktiven Truppenteilen. Für das Heer allein gehen nach Berichten des Fachmagazins loyal interne Planungen von einem Aufwuchs auf 151.000 aktive Soldaten und 150 Bataillone bis 2035 aus.

Innovation als Daueraufgabe

Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung mache eine Abkehr von „Goldrandlösungen“ erforderlich. Innovationszyklen in der Ukraine betrügen wenige Wochen; entsprechend müsse die Bundeswehr Systeme rasch einführen und im Zusammenwirken mit der Industrie kontinuierlich weiterentwickeln. Als Infrastrukturelemente nannte Hübner die Experimentalserie Heer, den Ausbildungsstützpunkt Drohne in Munster, die Birds Group im Kommando Heer sowie den Cyber Innovation Hub und das Innovationszentrum Erding.

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