Beim ersten Regierungstreffen beider Länder seit mehr als 20 Jahren haben Deutschland und die Ukraine in Berlin eine strategische Partnerschaft vereinbart. Neben einem milliardenschweren Verteidigungspaket wurden auch Abkommen zu Wirtschaft, Energie und gesellschaftlicher Zusammenarbeit unterzeichnet.
Erstes Spitzentreffen seit zwei Jahrzehnten
Bundeskanzler Friedrich Merz empfing den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 14. April 2026 im Berliner Kanzleramt — begleitet von Teilen beider Kabinette. Derartige Regierungskonsultationen auf dieser Ebene hatte es zuletzt 2004 gegeben. Aus Sicherheitsgründen war der Besuch Selenskyjs im Vorfeld nicht öffentlich angekündigt worden. Das Ergebnis: eine gemeinsame Erklärung, die die bilateralen Beziehungen formal auf den Status einer „strategischen Partnerschaft“ hebt, sowie ein Bündel konkreter Vereinbarungen in drei Schwerpunktbereichen.
Rüstungspaket im Umfang von rund vier Milliarden Euro
Den größten Raum nahm das Verteidigungspaket ein. Deutschland finanziert einen Vertrag der Ukraine mit dem US-amerikanischen Rüstungskonzern Raytheon über die Lieferung mehrerer Hundert Patriot-Abfangraketen des Typs GEM-T. Der Vertragswert beläuft sich auf rund 3,2 Milliarden Euro (etwa 3,7 Milliarden Dollar). Ergänzend wurde mit dem deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence eine Vereinbarung über weitere Startgeräte für das Flugabwehrsystem IRIS-T im Wert von rund 182 Millionen Euro geschlossen, ebenfalls auf Kosten Deutschlands.
Darüber hinaus stellt Berlin rund 300 Millionen Euro bereit, um die sogenannten „Deep Strike“-Fähigkeiten der Ukraine auszubauen — also die Produktion von Waffen mit großer Reichweite. Im Rahmen der Initiative „Build with Ukraine“ wurde ein Joint Venture zur Herstellung von Langstrecken- und Mittelstreckenkampfdrohnen (Typen Anubis und Seth-X) mit KI-Komponenten vereinbart; die gesamte Produktion ist für die ukrainischen Streitkräfte bestimmt. Schließlich unterzeichneten beide Verteidigungsministerien ein Memorandum zum Austausch von Gefechtsdaten, darunter Erfahrungswerte aus dem Einsatz deutscher Systeme wie der Panzerhaubitze 2000 und des IRIS-T.
Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat Deutschland die Ukraine mit rund 39 Milliarden Euro an ziviler und rund 55 Milliarden Euro an militärischer Hilfe unterstützt. Für das laufende Jahr 2026 sind 11,5 Milliarden Euro eingeplant — damit ist Deutschland nach eigenen Angaben derzeit der wichtigste bilaterale Unterstützer der Ukraine.

Wiederaufbau, Energie und Wirtschaft
Neben der Sicherheitszusammenarbeit wurden mehrere Abkommen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau unterzeichnet. Deutschland stellt bis zu 233 Millionen Euro für Entwicklungszusammenarbeit bereit, mit Schwerpunkten auf industrieller Kooperation, Energieresilienz, sozialem Wohnungsbau und Vorbereitung auf den EU-Beitritt. Zudem sollen mehr als 110 Millionen Euro bis 2029 in den Wiederaufbau des ukrainischen Wissenschafts- und Hochschulwesens fließen.
Beide Seiten vereinbarten eine neue bilaterale Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Handel sowie eine verstärkte Kooperation im Energiebereich — unter anderem bei Wasserstoff, Biomethan und kritischen Rohstoffen. Auch die Digitalisierung öffentlicher Dienste und der Aufbau souveräner KI-Infrastruktur in der Ukraine sind Teil der Vereinbarungen.
EU-Integration und gesellschaftliche Verbindungen
Deutschland bekräftigte seine Unterstützung für den EU-Beitritt der Ukraine und sicherte zusätzliche Mittel für das Programm „STEP IN 2 EU“ zu. Die Bundesregierung betont, dass Reformen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung als Voraussetzung für einen baldigen Beitritt gelten.
Im gesellschaftlichen Bereich wurden ebenfalls konkrete Schritte vereinbart: In Berlin wird ein sogenannter „Unity Hub“ eröffnet, der ukrainischen Staatsangehörigen Informationen zu Beschäftigung, Rückkehr und Ausbildung bereitstellt. In Dresden soll ein ukrainisches Generalkonsulat entstehen. Für 2027/2028 ist eine bilaterale Kultursaison geplant. Außerdem erwartet die Bundesregierung, dass die Ukraine die Zahl der Männer im wehrfähigen Alter, die das Land verlassen, reduziert.
Die nächsten Regierungskonsultationen sind für 2027 in der Ukraine geplant.
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