Bundeswehr schließt Rahmenverträge für rund 63.000 neue Unterkunftsplätze

Das Bundesverteidigungsministerium hat am 27. August 2026 die Rahmenverträge für die erste Stufe des Infrastrukturprogramms G-CAP Inland unterzeichnet. Über standardisierte Gebäudetypen in modularer und serieller Bauweise sollen rund 63.000 zusätzliche Unterkunftsplätze entstehen.
Foto: Rheinmetall

Das Bundesverteidigungsministerium hat am 27. August 2026 die Rahmenverträge für die erste Stufe des Infrastrukturprogramms G-CAP Inland unterzeichnet. Über standardisierte Gebäudetypen in modularer und serieller Bauweise sollen rund 63.000 zusätzliche Unterkunftsplätze entstehen.

Rund 300 Gebäude an 130 Standorten

Die Verträge umfassen etwa 300 Gebäude an rund 130 Liegenschaften. Neben standardisierten Kompaniegebäuden mit vorgeplanten Unterkunfts- und Funktionsbereichen zählen dazu unter anderem Lehrsäle und Waffenkammern. Von den vorgesehenen 63.000 Unterkunftsplätzen sind 54.000 für Wehrdienstleistende und 9.000 für Ausbilderinnen und Ausbilder bestimmt.

Kern des Verfahrens ist der Verzicht auf das herkömmliche Bau- und Planungsverfahren. Stattdessen werden Planung, Errichtung und Wartung nach Möglichkeit aus einer Hand vergeben und über Rahmenverträge abgerufen. Abrufberechtigt sind neben den Bauverwaltungen des Bundes und der Länder auch die Bundeswehr selbst. Die ersten Abrufe sind für Anfang September 2026 vorgesehen, bis Ende des ersten Halbjahres 2027 sollen 14 Gebäude fertiggestellt sein. Der Baubeginn im größeren Umfang ist ab dem kommenden Jahr geplant.

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Das Ministerium bezeichnet die erste Stufe als Auftakt. In einer zweiten Stufe sollen ganze Liegenschaften in serieller Bauweise entstehen, einschließlich Verpflegungs-, Sport- und Sanitätseinrichtungen sowie technischer und Betreuungsbereiche.

Verfahren aus dem Auslandseinsatz übertragen

G-CAP steht für German Armed Forces Contractor Augmentation Program. Das Rahmenvertragswerk wurde ursprünglich entwickelt, um Feldlager im Auslandseinsatz kurzfristig bereitzustellen. Der erste Rahmenvertrag dieser Art wurde 2017 abgeschlossen, 2021 folgte eine Erweiterung auf Betrieb und Rückbau ganzer Einsatzliegenschaften, 2024 ein weiterer Vertrag für stationäre Sanitätseinrichtungen. Zur Einordnung der Zeitverhältnisse: Für eine containerbasierte Unterkunft für 1.000 Personen in einem Einsatzcamp werden rund 270 Kalendertage veranschlagt.Das Projekt für den Inlandsbereich wurde im Mai 2025 aufgesetzt

, im Oktober 2025 informierte das Ministerium die Bauwirtschaft auf einem Industrietag über das Vergabeverfahren. Zu diesem Zeitpunkt war noch von 270 Kompaniegebäuden mit 40.000 Plätzen die Rede; der nun vertraglich fixierte Umfang liegt deutlich darüber.

Container als Übergangslösung

Bis die festen Bauten verfügbar sind, greift das Sonderprogramm Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation (SIPGO). Bis Ende September 2026 sollen darüber rund 8.600 zusätzliche Unterkunftsplätze in containerbasierten Gebäuden bereitstehen. Derzeit werden dafür etwa 4.800 Container an 32 Liegenschaften aufgestellt. Am Standort Gerolstein fand dazu am 26. August eine Baufeier mit Vertretern des Ministeriums, des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, des Bundesamts für das Personalmanagement sowie regionaler und kommunaler Stellen statt.

Hintergrund: Aufwuchsziele und Infrastrukturbedarf

Auslöser des Bedarfs ist der personelle Aufwuchs. Bis 2035 sollen den Streitkräften 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten zur Verfügung stehen. Grundlage ist das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das auf Freiwilligkeit setzt und eine verpflichtende Erfassung sowie ab Mitte 2027 eine Musterung der Männer ab Jahrgang 2008 vorsieht. Nach Angaben der Bundesregierung verfügte die Bundeswehr im Frühjahr 2026 über rund 185.920 Soldatinnen und Soldaten, ein Plus von 3.400 gegenüber dem Vorjahr.

Der Infrastrukturbedarf geht weit über das aktuelle Programm hinaus. Die in den Auftragsbüchern verzeichneten Bedarfe bis 2035 beziffert die Bundeswehr auf rund 26 Milliarden Euro, bis 2045 wird ein Gesamtbedarf von über 100 Milliarden Euro prognostiziert. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einer rechtlichen Beschleunigung: Das Verteidigungskabinett beschloss am 1. Juli 2026 den Entwurf eines Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetzes samt neuem Bundeswehrbaugesetz, mit dem Ausnahmen vom bislang auf zivile Vorhaben ausgerichteten Planungs- und Genehmigungsrecht geschaffen werden sollen. Der Bundestag hat darüber noch nicht abschließend entschieden.

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