Lockheed Martin und Rheinmetall wollen die Produktion von ATACMS-Lenkflugkörpern nach Europa ausweiten. Geplant ist ein gemeinsames Vorhaben in Deutschland, das NATO-Staaten und verbündete europäische Streitkräfte versorgen soll.
Lockheed Martin und Rheinmetall haben eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Lenkflugkörpern in Europa unterzeichnet. Die Vereinbarung wurde am 7. Juli 2026 beim NATO Summit Defense Industry Forum in Ankara geschlossen. Nach Angaben der Unternehmen soll mit Unterstützung der Regierungen der USA und Deutschlands ein Joint Venture entstehen, das Fertigung, Integration und Bereitstellung der Systeme für NATO- und verbündete europäische Streitkräfte übernimmt.

Produktion am Standort Unterlüß geplant
Als Standort ist Rheinmetalls Werk in Unterlüß in Niedersachsen vorgesehen. Dort beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Standort ist auf Waffensysteme, Munition sowie Entwicklung, Herstellung und Instandhaltung von Kettenfahrzeugen ausgerichtet. Zudem betreibt Rheinmetall dort einen großen Schießplatz und hat zuletzt die Munitionsfertigung ausgebaut. Eine Fabrik für Raketenmotoren steht laut Mitteilung kurz vor der Fertigstellung; die Produktion von Raketenmotoren und Komponenten für Lenkflugkörper soll 2027 beginnen.
Die geplante ATACMS-Produktion soll ein europäisches Kompetenzzentrum für die Fertigung und Lieferung der Systeme schaffen. Die Unternehmen begründen das Vorhaben mit dem Bedarf an lokal hergestellter Munition und zusätzlichen industriellen Kapazitäten in Europa. Angaben zu Investitionsvolumen, Produktionszahlen oder einem konkreten Starttermin der ATACMS-Fertigung enthält die Mitteilung nicht.
Waffensystem mit größerer Reichweite
ATACMS steht für „Army Tactical Missile System“. Nach Angaben von Lockheed Martin handelt es sich um einen gelenkten Boden-Boden-Lenkflugkörper mit einer maximalen Reichweite von rund 300 Kilometern. Das System kann aus HIMARS- und M270-MLRS-Startern verschossen werden.
Reuters berichtet, dass die geplante Fertigung in Deutschland die erste Produktion dieser US-entwickelten Lenkflugkörper außerhalb der Vereinigten Staaten wäre. Die Nachrichtenagentur ordnet das Vorhaben in breitere Bemühungen ein, die Verteidigungsindustrie in Europa auszubauen und Munitionsbestände angesichts hoher Nachfrage zu stärken.
Einordnung in NATO- und EU-Rüstungsplanung
Die NATO hatte in ihrem aktualisierten Defence Production Action Plan festgehalten, dass die Bündnisstaaten ihre industrielle Basis ausweiten, Beschaffung stärker koordinieren und kritische Fähigkeiten schneller verfügbar machen wollen.
Auch die Verteidigungsausgaben in der EU sind deutlich gestiegen. Nach Angaben des Rates der Europäischen Union lagen die Verteidigungsausgaben der Mitgliedstaaten 2024 bei 343 Milliarden Euro; für 2025 wurden 381 Milliarden Euro erwartet. Der Rat beziffert den Anstieg gegenüber 2020 auf mehr als 60 Prozent.
Lockheed Martin will seine bestehende Produktionslinie in Camden im US-Bundesstaat Arkansas nach Unternehmensangaben weiter betreiben, bis der Übergang abgeschlossen ist. Rheinmetall sieht die geplante Co-Produktion als Teil des Ausbaus seiner Fertigungskapazitäten in Deutschland. Die Absichtserklärung ist damit zunächst ein industriepolitischer Schritt; die tatsächliche Umsetzung hängt von der Ausgestaltung des Joint Ventures, Genehmigungen und weiteren Beschaffungsentscheidungen ab.
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