Der deutsche Rüstungskonzern Diehl Defence und das brasilianische Unternehmen AEL Sistemas haben in Brasília eine Absichtserklärung zur bodengebundenen Luftverteidigung Brasiliens unterzeichnet. Grundlage der Zusammenarbeit sind die Systeme IRIS-T SLM und das künftige IRIS-T SLX.
Diehl Defence und AEL Sistemas S.A. haben am Freitag in Brasília ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Zusammenarbeit in den brasilianischen Programmen für die bodengebundene Luftverteidigung (Ground-Based Air Defence, GBAD) mittlerer und erweiterter Reichweite unterzeichnet. Die Vereinbarung bekräftigt die langjährige Partnerschaft beider Unternehmen und soll die Weiterentwicklung der brasilianischen Luftverteidigung unterstützen.

Aufgabenteilung zwischen den Partnern
Für die Luftverteidigungssysteme IRIS-T SLM (mittlere Reichweite) und das künftige IRIS-T SLX (erweiterte Reichweite) tritt Diehl Defence als Hauptauftragnehmer auf. AEL Sistemas mit Sitz in Porto Alegre übernimmt als nationaler Kooperationspartner die Integration brasilianischer Technologiekomponenten – darunter die taktischen Datenverbindungen „Brazilian Link BR2″ – sowie den logistischen Support im Land.
Nach Unternehmensangaben baut das MoU auf bereits laufenden Projekten auf. Dazu zählt die Lieferung des Lenkflugkörpers IRIS-T als Standardbewaffnung der F-39-Gripen-Kampfflugzeuge der brasilianischen Luftwaffe sowie die geplante Integration von IRIS-T in die brasilianische F-5. Aus der bestehenden Zusammenarbeit im IRIS-T-Programm soll zugleich eine Systemgrundlage für das brasilianische GBAD-Vorhaben entstehen.
Einordnung: die IRIS-T-Systemfamilie
IRIS-T SLM ist ein bodengebundenes Flugabwehrsystem mittlerer Reichweite, das auf dem gleichnamigen Luft-Luft-Lenkflugkörper basiert. Nach Angaben der Bundeswehr erreicht das System eine Reichweite von rund 40 Kilometern und eine Zielhöhe von bis zu 20 Kilometern; bekämpft werden können unter anderem Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Kurzstreckenraketen. Das System ist seit 2024 bei der Bundeswehr eingeführt, kommt seit 2022 in der Ukraine zum Einsatz und ist zentraler Baustein der European Sky Shield Initiative (ESSI).
Die derzeit in Entwicklung befindliche Variante IRIS-T SLX soll die Reichweite auf rund 80 Kilometer und die Zielhöhe auf etwa 30 Kilometer steigern. Der zugehörige Lenkflugkörper lässt sich nach Herstellerangaben in die vorhandenen IRIS-T-SLM-Startgeräte integrieren.
Politischer Rahmen
Die Unterzeichnung fand während einer Delegationsreise von Wirtschaftsvertretern unter Leitung von Bundesaußenminister Johann Wadephul durch Südamerika statt. Sie steht im Kontext der intensivierten deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit: Bei den 3. Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover im April 2026 hatten Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der Beschaffung von Verteidigungsausrüstung vereinbart. Rüstung und Verteidigung zählten dort neben Wirtschaft, Handel und Rohstoffen zu den zentralen Kooperationsfeldern.
Diehl-Defence-CEO Helmut Rauch bezeichnete Brasilien als strategisch wichtigen Markt in Südamerika. Er verwies auf die Kombination aus der einsatzerprobten Leistungsfähigkeit des IRIS-T-Lenkflugkörpers und der Integrationskompetenz von AEL Sistemas; damit werde auch die industrielle Grundlage für das System IRIS-T SLX geschaffen.
Hintergrund zu den Unternehmen
Diehl Defence mit Hauptsitz in Überlingen ist ein Systemhaus für Luftverteidigungssysteme und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6.000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden Euro. AEL Sistemas mit Sitz in Porto Alegre verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 45 Jahre Erfahrung in Entwicklung, Fertigung und Wartung elektronischer Systeme für den Militär-, Luftfahrt- und Raumfahrtbereich.
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