CH-47F SR Block II: Kosten für Transporthubschrauber steigen um 631 Millionen Euro

CH-47F SR Block II: Kosten für Transporthubschrauber steigen um 631 Millionen Euro
CH-47F / Foto: Bundeswehr/Dominik Lennartz

Die Beschaffung von 60 schweren Transporthubschraubern des Typs CH-47F SR Block II für die Bundeswehr wird deutlich teurer. Das Gesamtvolumen des Vorhabens klettert auf rund 7,19 Milliarden Euro; das Verteidigungsministerium begründet die Mehrkosten mit höheren Preisen des Herstellers Boeing.

Bei einem der größten laufenden Rüstungsvorhaben der Bundeswehr entstehen erhebliche Mehrkosten. Die 2023 in den USA bestellten 60 Transporthubschrauber vom Typ CH-47F werden nach Angaben aus dem Bundesverteidigungsministerium um 631 Millionen Euro teurer als ursprünglich kalkuliert, so berichtet es der SPIEGEL. Damit steigt der Gesamtpreis auf rund 7,187 Milliarden Euro. Finanziert wird das Projekt aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr. Über die zusätzlichen Ausgaben unterrichtete das Ressort die Haushaltspolitiker des Bundestags am Freitagabend.

Woher die Mehrkosten stammen

Nach Darstellung des Ministeriums geht die Preissteigerung nicht auf zusätzliche Ausstattungswünsche der Bundeswehr zurück, sondern auf höhere Forderungen des US-Herstellers. Boeing macht demnach rund 360 Millionen US-Dollar für gestiegene Zuliefererkosten geltend, etwa 230 Millionen US-Dollar für höhere Lohnkosten sowie weitere 29 Millionen US-Dollar für Anpassungen bei Konfiguration und Integration. Die Erhöhung entspricht etwas mehr als zehn Prozent des zunächst veranschlagten Budgets.

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Vom Schätzwert zum verbindlichen Vertrag

Das Ministerium ordnet die Entwicklung als üblichen Vorgang ein. Bei dem 2022 vom Haushaltsausschuss gebilligten Budget habe es sich lediglich um einen Schätzwert gehandelt; mit dem nun anstehenden Abschluss des endgültigen Vertrags werde dieser in einen verbindlichen Preis überführt. Zugleich verweist das Ressort darauf, dass sich der endgültige Vertrag zwischen der US-Regierung und Boeing ohne eine Anhebung des Kostenrahmens nicht abschließen ließe – akzeptiere Berlin die höheren Preise nicht, würden die Hubschrauber nicht geliefert. Der Fall zeigt, dass auch sogenannte Foreign Military Sales, also direkte Regierungsvereinbarungen zwischen Berlin und Washington, nicht gegen Preissteigerungen abgesichert sind, wenn die Industrie ihre Forderungen erhöht. Das Vorhaben wird über das Foreign-Military-Sales-Verfahren abgewickelt, nachdem ein früherer Ansatz über Direct Commercial Sales 2020 abgebrochen worden war.

Hintergrund: Das Programm Schwerer Transporthubschrauber

Die CH-47F SR Block II sollen die bisherigen Maschinen vom Typ CH-53G ablösen. Diese werden seit knapp 50 Jahren von den deutschen Streitkräften genutzt und sollen 2030 außer Dienst gestellt werden. Der Haushaltsausschuss gab die Mittel im Juli 2023 frei; beschafft wird die modernste Ausführung CH-47F Block II in der Standard-Range-Variante mit Luftbetankungsfähigkeit. Die erste Maschine soll im vierten Quartal 2027 in Deutschland eintreffen, die letzte Ende 2032. Der Großteil der Flotte wird am Standort Schönewalde/Holzdorf beim Hubschraubergeschwader 64 stationiert, einige Maschinen gehen nach Laupheim. Mit der Entscheidung tritt Deutschland einem Nutzerkreis von 21 Nationen bei, darunter acht weitere NATO-Mitglieder; ein Großteil der deutschen Maschinen ist für NATO-Planungsziele vorgesehen.

Zweiter Rückschlag binnen weniger Tage

Die Meldung folgt kurz auf einen weiteren Rückschlag bei einem Milliardenprojekt des Hauses. Ende Juni beendete Verteidigungsminister Boris Pistorius das Vorhaben für sechs Fregatten der Klasse F126 – das größte Rüstungsprojekt in der Geschichte der Marine. Ausschlaggebend waren erhebliche Verzögerungen sowie absehbare Kostensteigerungen: Bei einer Fortführung wäre der Finanzbedarf auf mehr als 18 Milliarden Euro gestiegen, während bereits rund 2,3 Milliarden Euro ausgegeben worden waren. Stattdessen sollen beim deutschen Hersteller TKMS acht kleinere Fregatten des Typs MEKO A-200 beschafft werden.

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