Das Gemeinschaftsunternehmen Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV) stellt mit dem „New Main Battle Tank“ (NMBT) einen Kampfpanzer der nächsten Generation vor. Die in der aktuellen Broschüre beschriebene Konfiguration ist nach Herstellerangaben das Angebot an das italienische Verteidigungsministerium.
Hintergrund: Gemeinschaftsunternehmen für Italiens Heeresmodernisierung
Hinter dem NMBT steht LRMV, ein 2024 gegründetes 50:50-Gemeinschaftsunternehmen des italienischen Konzerns Leonardo und des deutschen Rüstungsherstellers Rheinmetall mit Sitz in Rom und operativem Hauptsitz in La Spezia. Das Unternehmen entwickelt und vermarktet einen neuen italienischen Kampfpanzer sowie eine Reihe abgeleiteter Fahrzeuge.

Der Panzer soll die seit den 1990er-Jahren genutzte Ariete-Flotte des italienischen Heeres ersetzen. Technische Grundlage ist Rheinmetalls Plattform KF51 Panther, in die Leonardo Missionssysteme, Elektronikarchitektur und Bewaffnung nach den Anforderungen der italienischen Streitkräfte integriert. Vorgesehen sind nach Branchenangaben rund 132 Kampfpanzer sowie davon abgeleitete Unterstützungsfahrzeuge; das Investitionsvolumen für das Panzerprogramm wird auf etwa 8,2 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis 2038 beziffert. Die Vorstellung des Prototyps erfolgt auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris (15. bis 19. Juni).
Bewaffnung und Feuerkraft
Hauptwaffe des NMBT ist eine 120-mm-Glattrohrkanone vom Typ L55, die laut Hersteller auf 130 mm aufrüstbar ist. Ein Autolader hält 20 schussbereite Patronen vor. Über die lenkbare Munition Vulcano soll der Panzer auch Ziele außerhalb der direkten Sichtlinie (BLOS) bekämpfen können.
Ergänzt wird die Hauptwaffe durch ein mehrschichtiges Bewaffnungskonzept: ein 12,7-mm-Koaxial-Maschinengewehr sowie eine fernbediente Waffenstation im Kaliber 30 × 113 mm, die unter anderem zur Drohnenabwehr (Counter-UAS) mit programmierbarer Munition dient. Hinzu kommen die Einbindung von Loitering Munition für den Einsatz außerhalb der Sichtlinie sowie die Steuerung unbemannter Luftfahrzeuge für Aufklärung und Zielzuweisung.
Schutz gegen moderne Bedrohungen
Der NMBT setzt auf ein gestaffeltes Überlebensfähigkeitskonzept aus passivem und aktivem Schutz. Dazu zählen Signaturmanagement durch Vernebelungssysteme, ein aktives Schutzsystem (APS) gegen ein breites Bedrohungsspektrum einschließlich großkalibriger kinetischer Geschosse sowie verbesserter Schutz gegen Minen und improvisierte Sprengsätze. Der Hersteller nennt zudem Schutz gegen Panzerabwehrlenkraketen, Top-Attack-Bedrohungen wie Drohnen sowie ABC-Schutz. Der Panzer ist nach Angaben für den Einsatz in einer umkämpften elektromagnetischen Umgebung ausgelegt.
Mobilität und Antrieb
Als Höchstgeschwindigkeit gibt die Broschüre 70 km/h an, die Beschleunigung von 0 auf 40 km/h soll unter acht Sekunden liegen. Die Reichweite wird mit bis zu 450 Kilometern angegeben, das Gefechtsgewicht mit bis zu 69,5 Tonnen einschließlich Wachstumsreserve. Der Antrieb ist als „Drive-by-Wire“ ausgelegt und bietet wählbare Fahrmodi. Der Betriebstemperaturbereich reicht von −32 °C bis +49 °C, ein Arktis-Paket ist als Option vorgesehen.
Digitale Architektur und unbemannte Systeme
Der NMBT ist als vollständig digitalisiertes, nach dem NGVA-Standard aufgebautes und „cyber secure by design“ konzipiertes System ausgelegt. Er soll als Knoten innerhalb eines taktischen Verbands arbeiten und einen Echtzeit-Datenaustausch über Plattformen und Domänen hinweg ermöglichen. Eine vorausschauende Instandhaltung basiert auf HUMS-Technologie.
Die Besatzung besteht aus drei Operatoren und einer Spezialistenrolle. Über ein flexibles Bedienkonzept sollen alle Stationen zentrale Systeme ansteuern können, was Rollenredundanz und Aufgabenverteilung ermöglicht. Ausgelegt ist der Panzer zudem auf Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sowie auf die Einbindung unbemannter Luftsysteme und Loitering Munition. Ein elektrisch betriebener „Stealth-Watch“-Modus erlaubt nach Herstellerangaben einen bis zu achtstündigen Beobachtungsbetrieb ohne laufendes Hilfsaggregat.
Fahrzeugfamilie
Der NMBT ist Teil einer Fahrzeugfamilie, zu der auch Unterstützungsfahrzeuge zählen: ein Bergepanzer (ARV), ein Pionierpanzer (AEV) und ein Brückenlegepanzer (AVLB). Nach Darstellung des Herstellers soll die Familie eine europäische industrielle Souveränität in diesem Bereich sicherstellen.
Die in der Broschüre dargestellte Konfiguration ist laut einem Hinweis des Herstellers das konkrete Angebot an das italienische Verteidigungsministerium.
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