Zum Auftakt der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin präsentiert Diehl Defence eine neue Generation seines mobilen Luftverteidigungssystems für die kurze Reichweite. Das IRIS-T SLS MK 4 bündelt Radar, Führung und Startgerät auf einem einzigen Fahrzeug.
Was vorgestellt wurde
Das Unternehmen Diehl Defence hat am 9. Juni 2026, einen Tag vor Beginn der ILA in Berlin (10. bis 14. Juni), die vierte Generation seines Systems IRIS-T SLS vorgestellt. Das bodengebundene Luftverteidigungssystem ist für den Schutz beweglicher Truppen und kritischer Infrastruktur gegen Bedrohungen aus der Luft ausgelegt. Es deckt eine effektive Reichweite von zwölf Kilometern und eine Höhe von bis zu sechs Kilometern ab.
Kennzeichnend für die neue Version ist die Bauweise als sogenannte „all in one“-Lösung: Radar, Führungssystem (C2) sowie Startgerät samt Flugkörpern sind auf einem einzigen Fahrzeug verbaut. Nach Branchenberichten dient als Plattform ein Lastwagen vom Typ Zetros 6×6 von Daimler Truck, das Radar stammt vom schwedischen Hersteller Saab (Giraffe 1X). Die kompakte Konstruktion soll eine schnelle Verlegung ermöglichen.

Technische Merkmale
Diehl Defence verweist auf einen hohen Automatisierungsgrad, der den Personalbedarf senkt und kurze Reaktionszeiten erlaubt. Das Design ist nach Unternehmensangaben fahrzeugunabhängig, um unterschiedliche Kundenanforderungen abzudecken.
Als Effektor kommt weiterhin der IRIS-T Luft-Luft-Lenkflugkörper zum Einsatz, der in der Hardware unverändert bleibt. Künftig soll das System eine „Fire-on-the-move“-Fähigkeit bieten, also das Verschießen aus der Bewegung heraus. Daneben lassen sich nach Herstellerangaben weitere Effektoren einbinden, darunter die Drohnenabwehr-Munition CICADA oder eine Waffenstation. Die MK-4-Version verfügt zudem über eine erhöhte Nutzlast mit achtfacher Beladung und erfüllt nach Unternehmensangaben NATO-Standards.
Einordnung
IRIS-T SLS bildet die Kurzstreckenkomponente (SHORAD) der IRIS-T-SL-Familie. Anders als die mittlere Variante SLM nutzt sie den unveränderten Luft-Luft-Lenkflugkörper, wie er auch von Kampfflugzeugen eingesetzt wird. Die Systeme der Familie kamen in den vergangenen Jahren breit zum Einsatz, insbesondere in der Ukraine, wohin Diehl Defence mehrere Feuereinheiten lieferte. Auch Schweden, langjähriger Konsortialpartner beim IRIS-T-Programm, setzt das System ein und beauftragte 2025 zusätzliche Feuereinheiten der Variante SLM.
Diehl Defence entwickelt die Familie nach oben weiter: Auf der ILA 2024 hatte das Unternehmen mit IRIS-T SLX eine Variante mit deutlich größerer Reichweite vorgestellt, die eine Lücke zu Systemen mit größerer Abdeckung schließen soll.
Hintergrund
Diehl Defence mit Sitz in Überlingen zählt zu den führenden Anbietern von Luftverteidigungssystemen. Das Unternehmen produziert neben bodengebundenen Systemen unter anderem Lenkflugkörper, Munition und Schutzsysteme sowie Komponenten wie Infrarot-Module und Zünder. Nach eigenen Angaben beschäftigt Diehl Defence rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden Euro.
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