ARX Robotics verfünffacht UGV-Flotte in der Ukraine

Helsing und ARX Robotics gehen strategische Partnerschaft ein
Foto: ARX Robotics

Das Münchner Unternehmen ARX Robotics baut mit dem dritten Großauftrag aus Kyiv seine Position als größter westlicher UGV-Lieferant der Ukraine aus. Hintergrund ist die Strategie der Ukrainischen Regierung, die gesamte Frontlogistik in Zukunft auf unbemannte Systeme umzustellen.

Auftragsumfang und Einsatzprofil

Wie das Unternehmen am 6. Mai 2026 mitteilte, umfasst die Bestellung mehrere Hundert zusätzliche GEREON-Systeme für die ukrainischen Streitkräfte. Damit positioniert sich ARX Robotics nach eigenen Angaben als derzeit größter westlicher Anbieter unbemannter Bodenfahrzeuge (Unmanned Ground Vehicles, UGV) im Land. Es handelt sich um den dritten Großauftrag aus der Ukraine; die ersten Lieferungen waren Anfang 2025 angelaufen.

Die Fahrzeuge werden vor allem für Logistikaufgaben, den Nachschub an die vorderste Linie, den Transport Verwundeter sowie für Einsätze in besonders gefährdeten Gebieten genutzt. Nach Angaben des Herstellers können die modular aufgebauten Plattformen je nach Bedarf mit unterschiedlichen Nutzlasten ausgerüstet werden. Die GEREON-Reihe ist als mittelgroßes UGV konzipiert; öffentlich verfügbare Daten nennen eine Nutzlast von bis zu 500 Kilogramm und eine Batterielaufzeit von bis zu 72 Stunden. Eingesetzt wurde das System in der Ukraine unter anderem bereits für Verwundetenevakuierungen.

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Hintergrund: Ukrainische UGV-Strategie

Das ukrainische Verteidigungsministerium hat angekündigt, allein im ersten Halbjahr 2026 rund 25.000 UGV unter Vertrag zu nehmen – etwa doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nannte als Ziel, die Frontlogistik vollständig auf unbemannte Systeme umzustellen.

Nach Angaben des Ministeriums führten ukrainische Einheiten allein im März 2026 mehr als 9.000 Einsätze mit Bodenrobotern durch, im gesamten ersten Quartal etwa 21.500. Die Zahl der Truppenteile mit UGV-Ausstattung stieg von 67 Ende 2025 auf rund 167 im Frühjahr 2026. Beschaffungen laufen unter anderem über die digitale Plattform DOT-Chain Defence, über die Fronteinheiten direkt bei zugelassenen Herstellern bestellen können. Zur Dynamik trägt auch eine in der Ukraine in den vergangenen Jahren stark gewachsene Inlandsindustrie bei: Im Brave1-Cluster sind mittlerweile rund 300 Unternehmen aus dem UGV-Bereich registriert, die mehr als 200 verschiedene Modelle entwickelt haben.

Produktion in Europa und in der Ukraine

ARX Robotics will die Produktion parallel an mehreren Standorten hochfahren. Ein Teil der Fertigung erfolgt im eigenen Werk in der Ukraine in Zusammenarbeit mit lokalen Zulieferern. Damit will das Unternehmen Lieferzeiten verkürzen und die Lieferkette gegen Störungen absichern. Die GEREON-Fahrzeuge werden über das hauseigene KI-gestützte Betriebssystem Mithra OS vernetzt, das den koordinierten Einsatz mehrerer Plattformen ermöglichen soll.

Über den aktuellen Auftrag hinaus plant das Unternehmen, seine Präsenz vor Ort auszubauen und Kapazitäten für Schulung und technische Unterstützung zu erweitern. Der Einsatz unter Gefechtsbedingungen werde zudem für die Weiterentwicklung der Systeme genutzt.

Stimmen aus dem Unternehmen

ARX-Robotics-Chef und Mitgründer Marc Wietfeld bezeichnete den Auftrag als Beleg dafür, dass unbemannte Bodensysteme zu einem zentralen Bestandteil moderner Frontlogistik würden und europäische Verteidigungstechnologie im Tempo aktueller Konflikte liefern könne. Igor Kornilov, Geschäftsführer von ARX Robotics Ukraine, betonte, der Auftrag gehe über die reine Lieferung hinaus und ziele auf den gemeinsamen Aufbau von Fähigkeiten gemeinsam mit den ukrainischen Streitkräften, einschließlich erweiterter Schulungskapazitäten vor Ort.

Einordnung

Mit dem Schritt reiht sich ARX Robotics in eine Gruppe westlicher Hersteller ein, die ihre Produktion zunehmend in die Ukraine verlagern oder dort Partnerschaften eingehen. Neben den deutschen GEREON-Systemen sind unter anderem das estnische THeMIS von Milrem Robotics sowie zahlreiche ukrainische Eigenentwicklungen wie Bizon-L, TerMIT oder Ratel im Einsatz. Beobachter werten die Entwicklung als Hinweis darauf, dass die im Ukraine-Krieg erprobten unbemannten Landsysteme künftig auch die Beschaffungspolitik anderer europäischer Streitkräfte beeinflussen dürften.

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