Straße von Hormus: Berlin konkretisiert mögliche Marinebeteiligung

Deutschland könnte sich an einer geplanten multinationalen Schutzmission in der Straße von Hormus mit zwei Marineeinheiten, Minenabwehrsystemen, Tauchern und Schiffsschutzkräften beteiligen. Voraussetzung bleibt das Ende der Kampfhandlungen sowie ein Bundestagsmandat.
Foto: Bundeswehr/Nico Theska

Deutschland könnte sich an einer geplanten multinationalen Schutzmission in der Straße von Hormus mit zwei Marineeinheiten, Minenabwehrsystemen, Tauchern und weiteren Kräften beteiligen. Voraussetzung bleibt das Ende der Kampfhandlungen sowie ein Bundestagsmandat.

Bei einem virtuellen Treffen am 12. Mai 2026 hat Staatssekretär Nils Hilmer in Vertretung von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an einer Beratung der von Frankreich und Großbritannien initiierten multinationalen Initiative zur Straße von Hormus teilgenommen. An der Videokonferenz auf Einladung der französischen Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und des britischen Verteidigungsministers John Healey nahmen Verteidigungsministerinnen, Verteidigungsminister und deren Vertreter aus mehr als 40 Staaten teil.

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Erweiterte deutsche Beiträge im Gespräch

Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung könnte Deutschland im Fall einer Beteiligung über die bereits angekündigten Einheiten hinaus weitere Fähigkeiten einbringen. Zusätzlich zum Minenjagdboot „Fulda“ und dem Tender „Mosel“ stehen autonome Minenabwehrsysteme, Minentaucher sowie spezialisierte Kräfte zum Schutz von Schiffen – sogenannte Vessel Protection Teams – im Raum. Zudem ist eine Beteiligung deutscher Stabsoffiziere in den Führungsstäben der Mission vorgesehen.

Beide Marineeinheiten wurden bereits Anfang Mai von ihren bisherigen Aufgaben entbunden und ins östliche Mittelmeer verlegt, um im Bedarfsfall schnell handlungsfähig zu sein.

Drei Bedingungen für eine Beteiligung

Eine deutsche Beteiligung soll nach Darstellung des Ministeriums erst dann erfolgen, wenn drei zentrale Voraussetzungen erfüllt sind: die Beendigung der Kampfhandlungen in der Region, eine klare völkerrechtliche Grundlage sowie ein Mandat des Deutschen Bundestages. Staatssekretär Hilmer verwies in dem Treffen auf die Bedeutung der Sicherheit in der Meerenge für die globale Wirtschaft und die regelbasierte internationale Ordnung.

Hintergrund: Mission als Reaktion auf den Iran-Krieg 2026

Die multinationale Initiative geht auf einen internationalen Gipfel zurück, den Frankreich und Großbritannien am 17. April 2026 mit 51 Ländern ausgerichtet haben. Dabei kündigten Paris und London den Aufbau einer unabhängigen, strikt defensiven multinationalen Mission an, die Handelsschiffe schützen, die kommerzielle Schifffahrt absichern und Minenräumeinsätze durchführen soll. Britische und französische Militärplaner trafen sich Ende April im britischen Permanent Joint Headquarters in Northwood, um die operativen Details auszuarbeiten. 

Hintergrund des Engagements ist der seit Ende Februar 2026 laufende Konflikt in der Region. Am 2. März 2026 erklärte Iran offiziell die Schließung der Straße von Hormus; in den folgenden Tagen passierten teils nur noch wenige Schiffe pro Tag die Meerenge. Vor Kriegsbeginn wurde rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls durch die Straße transportiert. Die Schließung führte zu erheblichen Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten. 

Auch andere Staaten haben Vorausstationierungen veranlasst: Frankreich entsandte den nuklearbetriebenen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ in die Region, Großbritannien den Zerstörer HMS Dragon. 

Strategische Bedeutung der Meerenge

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge rund 33 Kilometer breit, täglich passieren im Normalbetrieb etwa 20 Millionen Barrel Rohöl und Mineralölprodukte die Wasserstraße – mehr als ein Viertel des global seegestützten Ölhandels. Hinzu kommt rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas, vor allem aus Katar. 

Zwar existieren mit der saudi-arabischen Ost-West-Pipeline und der Habshan-Fujairah-Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Umgehungsrouten, doch deren Kapazitäten decken nur einen Bruchteil der üblicherweise durch die Meerenge transportierten Mengen ab. Für LNG-Exporte aus Katar gibt es praktisch keine seeunabhängige Alternative. 

Iran hat in den vergangenen Wochen mehrfach vor militärischen Aktivitäten europäischer Streitkräfte in der Meerenge gewarnt. Der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte, allein Iran könne die Sicherheit in der Meerenge gewährleisten.

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