Der Kieler Rüstungskonzern TKMS hat einen regulatorischen Schlüsselschritt bei der Entwicklung autonomer Unterwassertechnologie abgeschlossen: Die Klassifikationsgesellschaft DNV hat dem Forschungsdemonstrator „MUM“ ein sogenanntes Approval in Principle erteilt.
Was ist ein Approval in Principle?
Ein Approval in Principle (AiP) ist eine formelle Bestätigung durch eine anerkannte Klassifikationsgesellschaft, dass Konstruktion und Entwicklung eines Fahrzeugs den einschlägigen Klassenvorschriften entsprechen. Im Fall des TKMS-Demonstrators stützt sich das Zertifikat auf die DNV-Klassenvorschrift „Underwater Technology“ sowie die DNV Class Guideline „Autonomous and Remotely Operated Vessels“. In der maritimen Industrie gilt die Einhaltung dieser Vorschriften als eine der technisch und organisatorisch aufwändigsten Hürden im Entwicklungsprozess autonomer Systeme.

Der MUM-Demonstrator
Der Demonstrator mit der Bezeichnung „Modifiable Underwater Mothership“ (MUM) ist 25 Meter lang und 7 Meter breit und soll noch im laufenden Jahr erstmals in See stechen. Das Fahrzeug ist modular aufgebaut: Die einzelnen Sektionen entsprechen dem Format von 10″- oder 20″-Containern, wodurch Transport und Konfiguration flexibel gehalten werden. Der variable Nutzlastraum kann je nach Einsatzzweck mit unterschiedlichen Systemen bestückt werden, darunter ferngesteuerte Fahrzeuge (ROV), autonom operierende Unterwasserfahrzeuge (AUV) oder Launch-and-Recovery-Systeme.
In der aktuellen Ausbaustufe ist der Demonstrator mit einem ROV der Universität Rostock, akustischen Unterwassermodems der EvoLogics GmbH sowie einer im getauchten Zustand ausfahrbaren Kommunikationsboje ausgestattet. Im Unterschied zu klassischen Unterwassereinsätzen, bei denen ein Oberflächenschiff als wetterabhängige Stütze fungiert, soll das MUM weitgehend unabhängig von Witterungsbedingungen operieren können. Als mögliches Einsatzgebiet nennt TKMS ausdrücklich den Schutz kritischer Infrastruktur unter Wasser.
Förderung und Projektverbund
Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben MUM2 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unter dem Förderkennzeichen 03SX543A finanziert. TKMS koordiniert den Projektverbund, dem neben dem Unternehmen selbst die EvoLogics GmbH, die Universität Rostock, die Technische Universität Berlin, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) angehören. Das Projekt baut auf einem Vorläufervorhaben auf, das von 2017 bis 2020 die grundsätzliche Machbarkeit eines modularen Baukastensystems für Unterwasserfahrzeuge dieser Größenklasse nachgewiesen hatte.
Bedeutung des Zertifikats
Christian Rogge, Leiter des Geschäftsbereichs Submarines bei TKMS, betont, das AiP bestätige die Kompetenz der beteiligten Teams in den Bereichen Engineering, Produktion und Projektmanagement und bilde die Grundlage für eine künftige Generation autonomer unbemannter Wasserfahrzeuge des Unternehmens. Das Zertifikat habe dabei Wirkung über das laufende Projekt hinaus und sei Ausgangspunkt für einen amtsübergreifenden Zulassungsrahmen für Fahrzeuge dieser Klasse. Mit der für Ende 2026 geplanten Erprobungsphase sollen die gewonnenen Erkenntnisse schrittweise in serienreife Produkte für Marinekunden überführt werden.
DNV ist eine der weltweit führenden Klassifikationsgesellschaften im maritimen Bereich und hatte bereits im Januar 2025 ein neues Notationssystem für autonome Schiffe eingeführt, das Fahrzeuge nach Grad der Autonomie und Steuerungsort unterscheidet.
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