Auf der Hamburger Werft Blohm+Voss ist am Mittwoch die Korvette „Lübeck“ getauft worden – die fünfte und letzte Einheit des zweiten Bauloses der Klasse K130 für die Deutsche Marine. Das Programm liegt deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.
Taufzeremonie in Hamburg
Zur Zeremonie am Standort Blohm+Voss waren unter anderem Vizeadmiral Axel Deertz, Stellvertreter des Inspekteurs der Marine, Jürgen Giefer vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) sowie der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau geladen. Das Schiff trägt den Namen der Hansestadt als Patenstadt.
Nach der Taufe folgt nun die Endausrüstung in Hamburg. Anschließend muss die „Lübeck“ alle vorgeschriebenen Funktionsprüfungen und Abnahmen mit den zuständigen Stellen des Auftraggebers und der Marine durchlaufen, bevor sie in Dienst gestellt werden kann.
Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger sprach von einem Meilenstein, da es sich um die erste Schiffstaufe seit Eingliederung der Werftengruppe in den Konzern handle. Tim Wagner, CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems, kündigte die Auslieferung der Schwesterschiffe „Emden“ und „Köln“ für das laufende Jahr an. Bürgermeister Lindenau bezeichnete die Namensgebung als Zeichen der Verbundenheit zwischen der Stadt und den Streitkräften.

Programm mit erheblichem Zeitverzug
Trotz der Taufe steht das Gesamtvorhaben unter Druck: Das zweite Los der K130-Korvetten weist eine massive Terminüberschreitung auf. Der Beschaffungsvertrag für die fünf Einheiten war bereits im September 2017 zwischen dem BAAINBw und der Arbeitsgemeinschaft K130 unterzeichnet worden. Ursprünglich war vorgesehen, dass die erste Einheit „Köln“ 2022 an die Marine übergeben wird und der gesamte Zulauf bis 2025 abgeschlossen ist.
Tatsächlich hatte das Programm bereits im Rüstungsbericht des Bundesverteidigungsministeriums von Dezember 2022 eine Verzögerung von 34 Monaten gegenüber dem bei Vertragsschluss avisierten Termin angesammelt – deutlich über dem damaligen Durchschnitt von 27 Monaten verspäteter Rüstungsvorhaben. Als Hauptursache nannte das Ministerium Minder- und Schlechtleistungen des Unterauftragnehmers für das Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES). An diesem System sind unter anderem Atlas Elektronik und Thales beteiligt.
Auch die Kosten liefen aus dem Ruder: Laut Rüstungsbericht lagen die fünf Einheiten zuletzt rund 401 Millionen Euro beziehungsweise 16 Prozent über der ursprünglich gegenüber dem Bundestag veranschlagten Summe.
Bis zum Zeitpunkt der „Lübeck“-Taufe war noch keine Korvette des zweiten Loses offiziell an die Marine übergeben worden; die „Köln“ wurde bereits Anfang 2024 lediglich für Ausbildungszwecke unter Verantwortung des BAAINBw zur Verfügung gestellt. Die Ablieferung der ersten beiden Einheiten „Köln“ und „Emden“ ist nach Angaben des Herstellers nun für das laufende Jahr 2026 vorgesehen – rund vier Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin.
Einsatzprofil und industrielle Konstellation
Die Korvetten der Braunschweig-Klasse sind für küstennahe Operationen ausgelegt und sollen vor allem in Nord- und Ostsee zur Aufklärung der Überwasserlage sowie zur Seezielbekämpfung eingesetzt werden. Stationiert sind die Boote im Marinestützpunkt Warnemünde. Gegenüber dem ersten Los, das zwischen 2004 und 2013 in Dienst gestellt wurde, wurden Sensorik, Bewaffnung und IT modernisiert – unter anderem kommen das TRS-4D-Rotator-Radar von Hensoldt und die 76/62-Super-Rapid-Geschützanlage von Leonardo zum Einsatz.
Gefertigt werden die Schiffe von der Arbeitsgemeinschaft K130 unter Federführung der Rheinmetall-Division Naval Systems, gemeinsam mit thyssenkrupp Marine Systems und German Naval Yards Kiel. Die Naval-Systems-Division entstand aus der zum 1. März 2026 abgeschlossenen Übernahme der Werftengruppe NVL (vormals Lürssen Defence) durch den Düsseldorfer Konzern Rheinmetall. Die EU-Kommission hatte die Transaktion im Februar 2026 ohne Auflagen freigegeben.
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