Die Saga um die Beschaffung neuer U-Jagd-Fregatten für die Deutsche Marine geht weiter. Am 28. Januar 2026 stimmte der Haushaltsausschuss dem „Vorvertrag zur Absicherung der Terminschiene MEKO A-200 DEU“ zu. Kurz zuvor vermeldete Naval Vessels Lürssen (NVL) einen Durchbruch bei der Übertragung der Konstruktionsdaten für die Fregatte F126 in das eigene System. Der vorliegende Beitrag beleuchtet den aktuellen Stand der Beschaffung neuer U-Jagd-Fregatten für die Marine im Detail.
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Fregatte 126
Zum besseren Verständnis der aktuellen Lage folgt zunächst eine kurze Zusammenfassung des F-126-Projektes und seiner Probleme. Im Juni 2020 wurde die niederländische Werft Damen Naval mit dem Bau von vier Fregatten der sogenannten „Niedersachsen-Klasse“ (F126) beauftragt. Vier Jahre später wurde die vertraglich vereinbarte Option auf zwei weitere F126 gezogen. Ursprünglich sollte die erste F126 Mitte 2028 an die Deutsche Marine ausgeliefert werden; die restlichen fünf sollten bis 2034 folgen. Aufgrund jahrelanger Verzögerungen, die Damen Naval zur Last gelegt werden, ist dieser Zeitplan jedoch nicht mehr einhaltbar. Experten gehen davon aus, dass die erste F126 frühestens 2031 oder 2032 an die Marine ausgeliefert werden könnte.
Hauptgrund für die Verzögerung sind Probleme mit den IT-Schnittstellen der firmeneigenen Konstruktions- und Fertigungssoftware. Was auf den ersten Blick wie ein untergeordnetes technisches Thema erscheint, entwickelt sich zu einem substanziellen Hindernis. Nach Informationen aus dem Projektumfeld mussten deutsche Zulieferer umfangreiche Korrekturen vornehmen, da die Übermittlung der technischen Pläne nicht ordnungsgemäß funktionierte. Im Zentrum der Schwierigkeiten steht die Handhabung der Dassault-Software, die für die Erarbeitung und den Transfer der Konstruktionsdaten essenziell ist. Damen Naval kämpft offenbar mit erheblichen Problemen bei dieser Software, sodass die erforderlichen Baudaten nicht fehlerfrei an die deutschen Werften übermittelt werden konnten, wo der eigentliche Bau stattfindet. Das Resultat: aufwendige und kostspielige Korrekturmaßnahmen sowohl beim niederländischen Generalunternehmer als auch bei den deutschen Kooperationspartnern. Die entscheidende „Detailed Design“-Phase – in der die präzisen Baupläne ausgearbeitet werden müssen – geriet dadurch faktisch zum Erliegen.
Diese und weitere Probleme veranlassten das Verteidigungsministerium, einen Wechsel des Generalunternehmers prüfen zu lassen. Mit dieser Prüfung wurde NVL beauftragt. Aufgrund des damit verbundenen Risikos eines Abbruchs des F126-Vorhabens oder weiterer Verzögerungen verfolgt man nun einen zweigleisigen Ansatz: die Beschaffung von MEKO A-200 DEU Fregatten bei TKMS – dazu mehr im nachfolgenden Abschnitt.
NVL ist entschlossen, das F126-Vorhaben weiterzuführen, und vermeldete am 28. Januar 2026 einen Durchbruch bei der Übertragung der Konstruktionsdaten in das eigene System. „Damit haben wir die Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fertigung geschlossen und gemeinsam mit Damen den Weg freigemacht für einen beschleunigten Hochlauf der Produktion in den Werfthallen“, teilte das Unternehmen mit. Unklar ist jedoch, ob es sich bei den genannten Konstruktionsdaten um die finalen Bauzeichnungen handelt oder ob noch weitere Konstruktionsarbeiten notwendig sind – dies werde aktuell noch geprüft. „Derzeit werden Terabyte an Daten übermittelt, die parallel auf Vollständigkeit und Richtigkeit hin überprüft werden“, erklärte NVL auf Nachfrage von Hartpunkt.
Bemerkenswert ist das Timing der NVL-Meldung: Am selben Tag befasste sich der Bundestag mit dem Abschluss eines Vorvertrages zur Beschaffung von MEKO A-200 DEU Fregatten.
MEKO A-200 DEU
Als Alternative für den Fall, dass das F126-Vorhaben tatsächlich scheitert, steht die Beschaffung von bis zu acht MEKO A-200 DEU von TKMS zur Diskussion.
Bereits am 13. November 2025 ebnete der Haushaltsausschuss den Weg für die Beschaffung einer Alternativplattform zur Fregatte 126. Während der Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2026 stellte der Haushaltsausschuss Finanzmittel in Höhe von etwa 7,8 Milliarden Euro für die Beschaffung einer Alternative bereit. Laut parlamentarischer Verlautbarung brachten die Regierungsfraktionen Änderungsanträge ein, durch die im Einzelplan 14 sowie im Sondervermögen Bundeswehr neue Haushaltstitel geschaffen wurden. Die Koalitionsanträge sehen vor, dass für das mögliche Alternativprojekt im Jahr 2026 zunächst 724,7 Millionen Euro aus dem Sondervermögen bereitgestellt werden. Für 2027 wurde eine Verpflichtungsermächtigung über 878,2 Millionen Euro eingeplant. Die weitere Finanzierung soll ab 2028 über den regulären Verteidigungshaushalt abgewickelt werden; hierfür wurden Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 6,2 Milliarden Euro veranschlagt, die bis einschließlich 2033 verausgabt werden sollen.
Laut Informationen des Nachrichtenportals Hartpunkt wäre damit die Beschaffung von bis zu acht MEKO A-200 DEU möglich. Diese acht Fregatten könnten jedoch nur bestellt werden, wenn das F126-Projekt tatsächlich final scheitert. Möglicherweise werden auch weniger MEKO-Fregatten als Brückenlösung bestellt, falls an der F126 festgehalten wird, sich dort aber weitere Verzögerungen abzeichnen.
Ende Dezember 2025 knüpften die Haushaltspolitiker von Union und SPD die Freigabe weiterer Haushaltsmittel für die F126 an eine Bedingung: Das Verteidigungsministerium sollte Vorverträge für alternative Fregattenplattformen aushandeln. Diese Vorverträge mussten konkrete Leistungsparameter, feste Kostendeckel, realistische Zeitpläne und eine tragfähige Umsetzungsstrategie beinhalten.
Am 28. Januar 2026 stimmte der Haushaltsausschuss dem Vorvertrag zur Beschaffung von MEKO A-200 DEU Fregatten von TKMS zu. Wenige Tage später, am 3. Februar 2026, unterzeichneten das Beschaffungsamt der Bundeswehr und TKMS einen entsprechenden Vorvertrag. Dieser Vorvertrag soll gewährleisten, dass die erste MEKO A-200 DEU bis Ende 2029 an die Marine ausgeliefert werden kann, sofern es zu einem Bauvertrag kommt. Der Vorvertrag deckt zunächst Aktivitäten bis zu einem Volumen von 50 Millionen Euro bis Ende März ab. Dazu gehören beispielsweise die Materialbeschaffung, der Beginn von Stahlarbeiten sowie die Sicherung von Produktionskapazitäten bei TKMS und den zahlreichen Unterauftragnehmern. Als Unterauftragnehmer werden die Ostseestahl GmbH, die RENK AG, die Stahlbau Nord GmbH und Noske-Kaeser im Vertrag genannt.
Falls bis zum 31. März 2026 kein finaler Bauvertrag folgt, kann der Vorvertrag bis zum 30. April verlängert werden – wobei dann weitere 100 Millionen Euro anfallen würden. Bis zu diesem Datum soll auch über einen Wechsel des Generalunternehmers und damit letztendlich über die Fortführung des F126-Projektes entschieden werden.
Laut Hartpunkt planten die Haushaltspolitiker ursprünglich einen noch schärferen Maßgabebeschluss, der das Verteidigungsministerium deutlicher in Richtung MEKO gedrängt hätte. Nur durch das persönliche Eingreifen des Verteidigungsministers wurde dies verhindert. Dies verdeutlicht, dass das BMVg weiterhin an der als leistungsstärker geltenden F126 festhalten möchte.
Die MEKO A-200 ist 121 Meter lang, 16,4 Meter breit und verdrängt 3.950 Tonnen bei einem Tiefgang von 4,4 Metern. Die Stammbesatzung besteht aus 125 Mitgliedern; darüber hinaus können 49 weitere Personen eingeschifft werden. Der kombinierte Gas- und Dieselantrieb (CODAG-WARP) besteht aus zwei Antriebssträngen – jeweils eine 20-Megawatt-Gasturbine sowie zwei 6-Megawatt-Dieselmotoren. Das Schiff erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 29 Knoten und verfügt über eine Reichweite von 6.500 Seemeilen bei 16 Knoten.
Im Hangar können wahlweise zwei Hubschrauber der 6-Tonnen-Klasse oder ein Hubschrauber der 11-Tonnen-Klasse plus zwei unbemannte Luftfahrzeuge mitgeführt werden. Zwei acht Meter lange RHIBs können seitlich zu Wasser gelassen werden. Darüber hinaus stehen zwei TEU-Missionsmodulplätze zur Verfügung.
Die Bewaffnungsoptionen sind flexibel: Die für Australien vorgesehene Variante war mit einem 76-mm-Geschütz, 16 Seezielflugkörpern, 16 MK41 Tactical VLS-Zellen sowie einem Nahbereichsverteidigungssystem ausgestattet.
Bewertung
Welche Option das BMVg letztlich wählt, bleibt abzuwarten. Spätestens Ende April/Anfang Mai dürften weitere Informationen vorliegen. Im Kern handelt es sich um eine Frage der Prioritäten: Wird der Leistungsfähigkeit Vorrang eingeräumt, verbunden mit weiteren Verzögerungen und Kostensteigerungen? Oder orientiert man sich an der selbst formulierten Maxime, wonach der Faktor Zeit entscheidet?
Die F126 weist in ihrer konzeptionellen DNA nach wie vor zu viele Elemente des internationalen Krisenmanagements und zu wenig Ausrichtung auf Landes- und Bündnisverteidigung auf – insbesondere die unzureichende Magazintiefe ist in diesem Zusammenhang kritisch zu bewerten. Die Kosten und Dimensionen der F126 stehen dabei in keinem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Erst mit der F127 wird die Marine wieder über eine Fregatte verfügen, die von Beginn an nach den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung konzipiert wurde. Angesichts der aufgetretenen Verzögerungen und der zu erwartenden Kostensteigerungen infolge eines möglichen Wechsels des Generalunternehmers erscheint ein Umstieg auf die MEKO A-200 DEU vorzugswürdig gegenüber einem Festhalten an der F126. NVL als potenzieller neuer Generalunternehmer vermag dabei nicht zu überzeugen: Das Unternehmen verantwortet bereits drei große Marineprojekte – K130 2. Los, Klasse 707 und Klasse 424 –, die allesamt massiv verzögert und teurer als ursprünglich geplant sind. Dieser Track Record lässt hinsichtlich der F126 keine positiven Erwartungen zu.
Auch bei einer Präferenz für die MEKO A-200 DEU bestehen begründete Zweifel an der Einhaltbarkeit des Termins Ende 2029 – und zwar aufgrund des Kürzels „DEU“. Dieses Kürzel lässt gewisse Anpassungen der bewährten Mehrzweckfregatte an die spezifischen Anforderungen der Deutschen Marine erwarten. Wie umfangreich diese Anpassungen ausfallen werden, bleibt abzuwarten. Es wäre indes nicht das erste Mal, dass ein Rüstungsprojekt der Bundeswehr aufgrund zu umfangreicher Anpassungen erhebliche Verzögerungen und Kostenüberschreitungen verzeichnet.
