Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Koalitionsvertrag

Bei der Umrüstung von Bundeswehrfahrzeugen auf digitale Funktechnik gibt es Verzögerungen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich deshalb mit Industrievertretern auf einen gemeinsamen Maßnahmenplan verständigt, um die sogenannte Serienintegration zu beschleunigen.
Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Heute haben CDU/CSU und SPD ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Der Sicherheits- und Verteidigungspolitisch relevante Teil startet auf Seite 125 von 144 – also sehr weit hinten. Ob diese Positionierung für eines der drängenden Themen unserer Zeit angemessen ist, sei mal dahin gestellt. Im folgenden die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Grundsätze und sicherheitspolitische Lage

  • Die Sicherheitslage wird als so angespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr eingeschätzt, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
  • Ziel: Frieden durch Abschreckung – „Wir wollen uns verteidigen können, um uns nicht verteidigen zu müssen.“
  • Die Bundeswehr soll uneingeschränkt zur Landes- und Bündnisverteidigung fähig sein und eine Vorbildfunktion in der NATO einnehmen​.

NATO, EU und internationale Einbindung

  • Klare Bekenntnisse zur NATO, zur EU sowie zur nuklearen Teilhabe.
  • Deutschland soll als logistische Drehscheibe der NATO ausgebaut werden.
  • Stärkere EU-NATO-Zusammenarbeit wird angestrebt, ebenso eine europäische Verteidigungsunion und ein echter EU-Binnenmarkt für Rüstungsgüter.

Verteidigungsausgaben und Investitionen

  • Deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben bis zum Ende der Legislaturperiode.
  • Einführung eines mehrjährigen Investitionsplans und eines Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetzes.
  • Priorität liegt auf der dauerhaft in Litauen stationierten deutschen Brigade als Beitrag zur NATO-Ostflanke.

Strukturen und Fähigkeiten

  • Stärkung der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, insbesondere der NATO-verpflichteten Verbände.
  • Bundeswehr soll stärker im öffentlichen Leben verankert werden; ein attraktiver freiwilliger Wehrdienst wird neu eingeführt (angelehnt an das schwedische Modell)​.
  • Förderung von Diversität (z. B. mehr Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte in der Truppe).

Rüstung, Forschung & Innovation

  • Förderung verteidigungsrelevanter Zukunftstechnologien: u. a. KI, unbemannte Systeme, Cyber, Weltraumsicherheit.
  • Aufbau strategischer staatlicher Beteiligungen in sicherheitsrelevanten Industrien möglich​.
  • Reform des Rüstungsexportrechts: strategische, interessengeleitete Ausrichtung, schnellere Verfahren, EU-Harmonisierung​.

Infrastruktur & Organisation

  • Vereinfachungen im Genehmigungs- und Vergaberecht durch ein Infrastrukturbeschleunigungsgesetz.
  • Ausbau militärischer Infrastruktur wird priorisiert.
  • Novellierung der Vorsorge- und Sicherstellungsgesetze sowie des MAD-Gesetzes zur Anpassung an die neue Bedrohungslage.

Der Koalitionsvertrag in voller Länge zum Nachlesen:

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