In Neubrandenburg hat General Dynamics European Land Systems (GDELS) ein Zentrum für Wartung, Instandsetzung und Ausbildung rund um den Radpanzer Piranha eröffnet. Das aus der Luftwaffe bekannte Konzept der Systemunterstützung wird damit erstmals auf ein Landsystem übertragen.
GDELS hat am 22. September 2026 an seinem Servicestandort in Neubrandenburg das Systemunterstützungszentrum Piranha (SUZ) offiziell in Betrieb genommen. An der Eröffnung nahm Jens Plötner, Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, teil. Anwesend waren zudem Vertreter der Konzernführung von General Dynamics und GDELS, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern sowie der Neubrandenburger Oberbürgermeister Nico Klose.
Wartung, Instandsetzung und Ausbildung an einem Ort
Nach Angaben des Unternehmens soll das SUZ die technisch-logistische Versorgung und Einsatzbereitschaft der neuen Piranha-Flotte der Bundeswehr gewährleisten. Neben Wartung, Instandsetzung und Ersatzteilversorgung der Fahrzeuge ist die Ausbildung militärischer Bediener und technischen Personals vorgesehen. Laut dem Nordkurier sollen dort jährlich rund 200 Soldatinnen und Soldaten im Umgang mit dem Fahrzeug geschult werden; zum Komplex gehören neben Werkstätten und Schulungsräumen auch Verwaltung, Zentrallager und Lackiererei. Die Höhe der Investition bezifferte das Unternehmen lediglich als zweistelligen Millionenbetrag. Derzeit sind 210 Beschäftigte in dem Zentrum tätig, mittelfristig soll sich diese Zahl nach Aussage von Geschäftsführer Nico Danneberg verdoppeln.
Mittelfristig plant GDELS, weitere Industriepartner und Zulieferer am Standort anzusiedeln. Ziel ist ein Servicecluster, der Durchlaufzeiten in der Instandsetzung verkürzen und die Weiterentwicklung der verschiedenen Piranha-Varianten unterstützen soll.
Systemunterstützungszentren dieser Art gab es bei der Bundeswehr bislang nur im Bereich der Luftfahrzeuge. Bereits bei der Grundsteinlegung hatte GDELS-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Kauffmann darauf hingewiesen, dass solche Einrichtungen bis dahin ausschließlich für die Luftwaffe betrieben wurden.
Hintergrund: Piranha 5 für das TaWAN-Netzwerk
Anlass für den Aufbau des Zentrums ist die Einführung des Piranha 5 als Trägerfahrzeug im Bundeswehrvorhaben Tactical Wide Area Network (TaWAN). Im Februar 2025 wurde GDELS mit der Lieferung von bis zu 256 Fahrzeugen beauftragt, wobei das erste Los von 58 Fahrzeugen ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich umfasst. Gesamtverantwortlich für das Projekt ist Rheinmetall, GDELS agiert als Partner. Die Fahrzeuge erhalten einen 15 Meter hohen Teleskopmast mit Richtfunkanlage und fungieren im Netzwerk als gepanzerte, mobile Datenknoten. Schon damals kündigte das Unternehmen an, zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft ein Systemunterstützungszentrum in Neubrandenburg zu errichten.
Wartungsarbeiten an allen Piranha 5 der Bundeswehr sollen künftig im Neubrandenburger Stadtteil Fünfeichen erfolgen, während die Fertigung der Fahrzeuge in zwei neuen Werken in Süddeutschland stattfindet, im Umland von München und im südlichen Baden-Württemberg. Am Bodensee in Immenstaad entsteht dafür eine Fertigungshalle von rund 10.000 Quadratmetern, in der ab Ende 2026 etwa 100 Beschäftigte Radpanzer montieren sollen.
Weitere Piranha-Vorhaben der Bundeswehr
Die Piranha-Familie gewinnt für das Heer über TaWAN hinaus an Bedeutung. Für die Nachfolge des Spähwagens Fennek sieht ein Rahmenvertrag mit GDELS bis zu 356 Aufklärungsfahrzeuge auf Basis des Piranha 6×6 vor. Fest bestellt sind zunächst 274 Fahrzeuge für rund 3,5 Milliarden Euro, erste Auslieferungen sind für 2028 geplant. Das Fahrzeug wird in der Bundeswehr als Luchs 2 eingeführt.
Rüstungsstandort Neubrandenburg
Der Standort hat eine lange Tradition in der militärischen Fahrzeuginstandsetzung. In der DDR bestand in Neubrandenburg ein Panzerreparaturwerk mit mehreren tausend Beschäftigten, das Fahrzeuge für die Streitkräfte des Warschauer Pakts instand setzte. Im Jahr 2018 übernahm GDELS den Instandhaltungsbetrieb FWW und führte ihn gemeinsam mit einer weiteren deutschen Tochter unter dem Dach der GDELS–Deutschland GmbH mit Sitz in Berlin zusammen. GDELS-FWW zählt nach eigenen Angaben zu den größeren industriellen Arbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern.
