Deutsch-britischer Verteidigungsrat tagt in Berlin

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der britische Verteidigungsminister Wes Streeting haben am 2. November 2026 in Berlin den Stand der gemeinsamen Rüstungs- und Kooperationsprojekte erörtert. Am Rande des Treffens unterzeichneten beide Seiten eine Vereinbarung über die Beschaffung britischer Leichtgewichttorpedos vom Typ Stingray.
Foto: Bundeswehr/Tom Twardy

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der britische Verteidigungsminister Wes Streeting haben am 2. November 2026 in Berlin den Stand der gemeinsamen Rüstungs- und Kooperationsprojekte erörtert. Am Rande des Treffens unterzeichneten beide Seiten eine Vereinbarung über die Beschaffung britischer Leichtgewichttorpedos vom Typ Stingray.

Zweites Treffen des Defence Ministerial Council

Der deutsch-britische Defence Ministerial Council ist die oberste Ebene des Austauschs im Rahmen der Trinity-House-Vereinbarung. Das Treffen im Berliner Bendlerblock war das zweite dieser Art. Die erste Sitzung hatte am 15. Mai 2025 in Berlin stattgefunden, damals mit dem britischen Verteidigungsminister John Healey. Zwischen den beiden Treffen tagten mehrere Arbeitsformate, darunter die Ministerial Group on Equipment and Capability Co-operation, das Military Steering Committee und der Defence Policy Dialogue. Hinzu kamen Stabsgespräche der Teilstreitkräfte.

Für Streeting, der das britische Verteidigungsressort seit dem 20. Juli 2026 führt, war es der Antrittsbesuch im Bendlerblock; er wurde mit militärischen Ehren empfangen. Themen waren die bilateralen Projekte, die Rolle Europas in der NATO und die Unterstützung der Ukraine. Pistorius bezeichnete Großbritannien als strategischen Partner, mit dem sich Deutschland in allen zentralen Fragen der europäischen Sicherheit eng abstimme. Streeting hob die Verlässlichkeit der Beziehungen zu Deutschland hervor.

Rahmen: Die Trinity-House-Vereinbarung

Die Vereinbarung ist nach ihrem Unterzeichnungsort in London benannt und gilt als erstes bilaterales Verteidigungsabkommen beider Staaten seit dem Brexit. Unterzeichnet wurde sie im Oktober 2024. Sie umfasst Vorhaben in den Bereichen Land, Luft, See, Weltraum sowie Cyber- und Informationsraum und soll die europäische Säule der NATO stärken. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist sie inzwischen in den deutsch-britischen Kensington-Vertrag eingebettet, der am 8. Oktober 2026 formell in Kraft trat. Pistorius erklärte nach dem Treffen, die Zusammenarbeit habe sich seit Abschluss der Vereinbarung deutlich verstärkt und gehe inzwischen über Planungen hinaus.

Präzisionswaffen und Luftstreitkräfte

Beim Vorhaben Deep Precision Strike entwickeln beide Länder eine Präzisionswaffe mit mehr als 2.000 Kilometern Reichweite. Die Arbeit an dieser Fähigkeit war beim ersten Ministerrat im Mai 2025 vereinbart worden. Laut Pistorius findet eine enge Abstimmung mit der Industrie statt; eine Beteiligung weiterer europäischer Partner wird geprüft.

Die Luftwaffen beider Länder haben einen gemeinsamen Fahrplan für die Zusammenarbeit über ihr gesamtes Fähigkeitsspektrum erarbeitet. Für den Eurofighter ist eine gemeinsame Beschaffung von Flugkörpern vorgesehen. Synergien sehen beide Seiten zudem beim Betrieb des Transportflugzeugs A400M, des Transporthubschraubers CH-47F Chinook und des Kampfflugzeugs F-35A.

Artillerie und Brückensysteme

Bei den Landstreitkräften haben Deutschland und Großbritannien die Radhaubitze RCH 155 unter Vertrag genommen, erste Systeme werden 2028 erwartet. Die Bundeswehr bestellte im Dezember 2025 über das Gemeinschaftsunternehmen Artec 84 Radhaubitzen im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro. Für die British Army soll das System die an die Ukraine abgegebenen Panzerhaubitzen AS90 ersetzen.

Auch bei der Gewässerüberwindung kooperieren beide Armeen. Geplant ist ein einheitliches Schwimmbrückensystem auf Basis der Amphibie M3 EVO, dessen Beschaffung über die europäische Rüstungsagentur OCCAR laufen soll. Die Beschaffung des Brückensystems Support Bridge über einen bestehenden britischen Vertrag ist weit fortgeschritten; die Grundlage dafür bildet eine 2025 vereinbarte Absichtserklärung zu Brückenfähigkeiten. Weiteren Bedarf sehen beide Seiten bei einem Brückenlegesystem auf Basis des Boxer.

Seefernaufklärung, Torpedos und Weltraum

Bei der Seefernaufklärung arbeiten beide Marinen mit der P-8A Poseidon eng zusammen. Deutschland hat bislang drei Flugzeuge erhalten, zwei weitere sollen bis Jahresende folgen. Die erste deutsche Maschine wurde im schottischen Lossiemouth übergeben. Am Rande des Treffens unterzeichneten die Rüstungsdirektoren beider Länder eine Vereinbarung zur Beschaffung des britischen Leichtgewichttorpedos Stingray. Für die P-8A hatte die Bundeswehr zuvor bereits Torpedos vom Typ Mk54 im Foreign-Military-Sales-Verfahren aus den USA bestellt; deren erste Lieferung ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

Als weiteres Schlüsselprojekt wurde kürzlich die Zusammenarbeit im Weltraum beschlossen. Sie umfasst Weltraumüberwachung, Erdbeobachtung und Satellitenkommunikation.

NATO-Ostflanke und Ukraine

Beide Länder leisten Beiträge zur Sicherung der NATO-Ostflanke im Baltikum, Deutschland unter anderem mit der Panzerbrigade 45 in Litauen. Zudem führen sie gemeinsam die Ukraine Defense Contact Group (UDCG). Am 17. November 2026 werden Pistorius und Streeting das Format erstmals gemeinsam leiten. Pistorius kündigte an, die Unterstützung der Ukraine gemeinsam fortzusetzen.

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