Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat mit dem Sea Giraffe AMB D eine neue Version seines Marineradars vorgestellt. Das System soll Luft- und Seeziele dreidimensional erfassen und verfolgen und ist auf fortlaufende Software-Updates ausgelegt.
Leistungsdaten und Aufgaben
Saab hat das Sea Giraffe AMB D als neues Marineradar mit verbesserter dreidimensionaler Überwachung und Zielverfolgung angekündigt. Die Bezeichnung AMB steht für Agile Multi Beam. Das System ist die jüngste Ausbaustufe der Giraffe-AMB-Radarfamilie und richtet sich an Seestreitkräfte, die in zunehmend komplexen maritimen Lagen operieren.
Nach Herstellerangaben kann das Radar Flugzeuge, Drohnen und Flugkörper sowie bemannte und unbemannte Überwasserfahrzeuge erfassen, verfolgen und klassifizieren. Die Reichweite liegt bei bis zu 250 Kilometern gegen Luftziele und bei 50 Kilometern gegen Seeziele. Das Radar soll frühzeitige Warnung und präzise Zieldaten liefern und damit Entscheidungsprozesse in verteilten, domänenübergreifenden Operationen unterstützen.
Technik und Architektur
Technische Grundlage ist Radarhardware mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung (AESA), kombiniert mit einer neuen Softwarearchitektur und moderner Signalverarbeitung. Saab zufolge soll diese Kombination vor allem die Leistung in der Luftraumüberwachung verbessern.
Für den Einsatz in gestörten Umgebungen verfügt das System über Funktionen zur elektronischen Gegen-Gegenmaßnahme (ECCM), die Störversuche abwehren sollen. Ein modularer Aufbau soll die Integration mit anderen Bordsystemen erleichtern. Die softwaredefinierte Architektur erlaubt zudem fortlaufende Aktualisierungen, um das Radar an veränderte operative Anforderungen anzupassen.
Carl-Johan Bergholm, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Surveillance, hebt hervor, dass das neue Radar eine höhere Leistung mit geringem Platzbedarf verbinde. Die Architektur sei auf kontinuierliche Weiterentwicklung ausgelegt und solle Kunden die Möglichkeit geben, das System an künftige Bedrohungen anzupassen.
Bezug zum landgestützten Giraffe AMB D
Das Marineradar baut auf einer landgestützten Variante auf. Das Giraffe AMB D hatte Saab auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris im Juni 2026 vorgestellt; laut einem Unternehmensvertreter erreicht es bis zu 250 Kilometer Reichweite und kann bis zu 2.000 Ziele verfolgen. Die Leistungssteigerung führt Saab auf ein neu gestaltetes Antennenarray zurück, während die softwaredefinierte Architektur kontinuierliche Upgrades ermöglichen soll. Die landgestützte Version soll in weniger als drei Minuten einsatzbereit sein.
Saab beschreibt das Giraffe AMB D als plattformunabhängig, sofern Vorgaben zu Größe, Gewicht und Energiebedarf eingehalten werden. Als Beispiel für eine Integration auf See nannte das Unternehmen bereits im Juni das Sea Giraffe AMB D auf den schwedischen Korvetten der Visby-Klasse.
Einsatz der bisherigen Sea Giraffe AMB
Saab verweist auf mehr als 70 Jahre Erfahrung in der Radarentwicklung und über zwei Jahrzehnte Einsatzpraxis mit dem Sea Giraffe AMB. Das bisherige Modell ist ein dreidimensionales Mehrzweck-Suchradar im C-Band, das unter anderem auf den schwedischen Visby-Korvetten und den US-amerikanischen Littoral Combat Ships der Independence-Klasse eingesetzt wird. Die U.S. Navy führt es unter der Bezeichnung AN/SPS-77; den ersten Auftrag für die Littoral Combat Ships erhielt Saab im Jahr 2005.
Weitere Nutzer sind unter anderem die Marinen Kanadas und Australiens. 2019 bestellte Lockheed Martin Canada Sea Giraffe AMB für die neuen Versorgungsschiffe der Protecteur-Klasse der Royal Canadian Navy. Die australische Marine nutzt das Radar auf ihren Fregatten der Anzac-Klasse und den amphibischen Schiffen der Canberra-Klasse.
