Die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA hat über die Organisation OCCAR vier zusätzliche Sektionen des Luftverteidigungssystems SAMP/T NG bei Eurosam bestellt. Damit wächst der geplante Bestand der französischen Luft- und Weltraumstreitkräfte auf zwölf Einheiten.
Bestellung über OCCAR
Die Direction générale de l’armement (DGA) hat am 21. Oktober 2026 mitgeteilt, dass sie vier weitere Sektionen des Système sol-air moyenne et longue portée/terrestre de nouvelle génération (SAMP/T NG) in Auftrag gegeben hat. Die Bestellung wurde über die Organisation Conjointe de Coopération en matière d’Armement (OCCAR) abgewickelt. Auftragnehmer ist Eurosam, eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft (GIE) der Unternehmen MBDA und Thales.
Mit der neuen Bestellung steigt die Zahl der SAMP/T NG-Sektionen für die französischen Luft- und Weltraumstreitkräfte (Armée de l’Air et de l’Espace) auf zwölf. Zehn davon sollen nach Angaben der DGA bis Ende 2030 ausgeliefert werden. Ein erstes System wurde Anfang 2026 übergeben. Einen Auftragswert nennt die Mitteilung nicht.
Vorgeschichte der Beschaffung
Im September 2024 hatte das französische Verteidigungsministerium angekündigt, acht bestehende SAMP/T-Sektionen der Luft- und Weltraumstreitkräfte auf den NG-Standard umzurüsten. Das Militärprogrammierungsgesetz sah zudem die Bestellung von vier weiteren Sektionen vor. Diese zusätzliche Bestellung war ursprünglich für 2027 eingeplant. Italien modernisiert im Rahmen des Programms fünf SAMP/T-Sektionen seines Heeres und beschafft fünf neue SAMP/T NG-Sektionen für seine Luftwaffe.
Das italienische Heer erhielt sein erstes SAMP/T NG im Januar 2026, das französische Luftkriegszentrum folgte im Februar. Dort begann eine Phase operationeller Erprobung, an die sich die schrittweise Einführung in die Streitkräfte anschließen soll.
Nachfolger des SAMP/T „Mamba“
Das SAMP/T NG ersetzt das französisch-italienische SAMP/T, das in Frankreich auch unter der Bezeichnung „Mamba“ im Dienst ist. Das System dient der Abwehr von Flugzeugen, Drohnen und Flugkörpern einschließlich ballistischer Raketen. Das gemeinsam mit Italien entwickelte Programm wurde 2021 gestartet. Als Begründung führt die DGA zunehmende Bedrohungen an, die schneller, manövrierfähiger und schwerer zu erfassen sind, darunter Hyperschallwaffen.
Kern der Modernisierung ist eine neue Feuerleitung, zu der das Radar GF300 von Thales gehört. Sie ist auf den Flugkörper Aster B1NT abgestimmt. Nach Herstellerangaben erreicht das Ground-Fire-300-Radar eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern und deckt den gesamten Rundumbereich ab. Nach Darstellung der DGA wird das SAMP/T NG in Kombination mit dem Aster B1NT das einzige europäische bodengebundene System sein, das ballistische Ziele und Hyperschallziele oberhalb von Mach 5 abfangen kann.
Zudem hat OCCAR im Auftrag Frankreichs bei Eurosam die Entwicklung einer mehrschichtigen Konfiguration in Auftrag gegeben, die Aster mit dem Kurzstreckenflugkörper VL MICA verbindet. Die im französischen Militärprogrammierungsgesetz 2024–2030 vorgesehenen Sektionen sollen in dieser Konfiguration an die Luft- und Weltraumstreitkräfte geliefert werden.
Exportkunden
Neben Frankreich und Italien haben sich laut DGA auch Dänemark und die Ukraine für das SAMP/T NG entschieden, weitere Staaten zeigen Interesse. Dänemark hatte sich im September 2025 gegen das US-amerikanische Patriot-System und für das SAMP/T NG entschieden. Im April 2026 wurde der Vertrag bekannt, Lieferungen sollen 2028 beginnen. Die Ukraine erwartet nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj vom März 2026 noch in diesem Jahr ein System.
