Das Versorgungsbataillon 131 in Bad Frankenhausen hat das erste unbemannte Schwerlast-Luftfahrzeug des portugiesischen Herstellers TEKEVER erhalten. Die Bundeswehr will damit prüfen, wie autonome Systeme Truppen mit Material und Versorgungsgütern beliefern können.
Erprobung beim Versorgungsbataillon 131
Nach Angaben des Herstellers dient die Plattform der Bewertung autonomer Logistikfähigkeiten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Ausrüstung und Versorgungsgüter schnell und flexibel zur Truppe gelangen können, insbesondere in Gebieten, in denen Straßen schwer passierbar oder nicht nutzbar sind. In weiteren Test- und Ausbildungsabschnitten soll ermittelt werden, für welche Aufgaben sich das System eignet und welchen Beitrag autonomer Frachttransport zur Logistik künftiger Einsätze leisten kann. Welches Modell geliefert wurde, gibt TEKEVER nicht an.
Der erprobende Verband ist auf Versorgungsaufgaben spezialisiert. Das Versorgungsbataillon 131 gehört zur Panzergrenadierbrigade 37 und stellt für die Brigade Nachschub, Instandsetzung, Materialerhaltung und Transport sicher. Nach Angaben der Bundeswehr unterstützt das Bataillon logistisch mehr als 5.500 Soldaten und ist neben Bad Frankenhausen auch in Bad Salzungen und Gotha stationiert.
Neue Niederlassung in München
Die Lieferung fällt mit dem Markteintritt des Unternehmens in Deutschland zusammen. Die neu gegründete TEKEVER Germany hat ihren Sitz in München und fungiert als Zentrale für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dort sollen Engineering, Geschäftsentwicklung und Kundenbetreuung gebündelt und Kooperationen mit Industrie- und Forschungspartnern aufgebaut werden. Das Startteam umfasst laut Unternehmen 15 Beschäftigte, überwiegend Ingenieure.
Die Expansion folgt auf eine Finanzierungsrunde der Serie D über 580 Millionen US-Dollar, bei der TEKEVER mit 6,4 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Neben Deutschland ist das Unternehmen bereits in Portugal, Großbritannien, Frankreich, der Ukraine und Estland vertreten. Vorstandschef Ricardo Mendes bezeichnet die deutsche Tochter als wichtigen Schritt der europäischen Wachstumsstrategie. Die bisherige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr habe den Nutzen autonomer Systeme unter anderem in Logistik und Unterstützung der Truppe gezeigt.
Von der Aufklärung zum Lastentransport
Bekannt wurde TEKEVER vor allem mit Aufklärungsdrohnen der AR-Familie. Bei der Entwicklung neuer Plattformen flossen nach Unternehmensangaben auch Erfahrungen aus dem Einsatz von TEKEVER-Systemen in der Ukraine ein.
Im Juli 2026 stellte das Unternehmen auf der Farnborough International Airshow mit dem AR6 seine erste Schwerlastfamilie vor. Das Einstiegsmodell hat ein maximales Abfluggewicht von 700 Kilogramm und soll Nutzlasten von 200 Kilogramm über rund 500 Kilometer befördern. Statt eines rein elektrischen Antriebs nutzt es einen Verbrennungsmotor in Verbindung mit digital gesteuerter Hydraulik, die vom schottischen Unternehmen Flowcopter entwickelt wurde. Als militärische Anwendungen nennt TEKEVER unter anderem Verwundetentransport und Logistik in vorgeschobenen Bereichen; die Serienfertigung soll bis Ende 2026 im britischen Swindon beginnen. Die militärische Version soll auch ohne Satellitennavigation einsetzbar sein. Ob es sich bei dem an die Bundeswehr gelieferten System um einen AR6 handelt, ist nicht bestätigt.
