Die Zukunft des Logistikkommandos der Bundeswehr

Schwerlasttransporter Elefant 2
Schwerlasttransporter Elefant 2 | Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Rund 17.000 Männer und Frauen, 52 Dienststellen an 73 Standorten – und dennoch reicht es im Ernstfall gerade einmal aus, um zwei Heeresdivisionen zu versorgen. Die Rede ist vom Logistikkommando der Bundeswehr, jener Organisation, ohne die kein Panzer fährt, kein Geschütz feuert und keine Brigade verlegt wird. Denn Kriegstüchtigkeit entscheidet sich nicht nur an der Front, sondern vor allem dahinter – bei der Logistik. Dieser Beitrag betrachtet deshalb zunächst die Organisation des Logistikkommandos, anschließend die laufenden Rüstungsprojekte – vom Projekt ZEBEL über Tausende neue Lastkraftwagen bis hin zu Eisenbahnflachwagen – und zieht abschließend ein Fazit zur Frage, ob die Bundeswehrlogistik für die Landes- und Bündnisverteidigung gerüstet ist.

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Organisation

Das Logistikkommando der Bundeswehr mit Sitz in Erfurt ist ein sogenanntes Fähigkeitskommando des Unterstützungsbereichs – des Organisationsbereichs, der Unterstützungsleistungen für die gesamten Streitkräfte bündelt. An dessen Spitze steht seit der jüngsten Reorganisation das Unterstützungskommando der Bundeswehr in Bonn; erster Befehlshaber ist Generalmajor Gerald Funke, zuvor selbst Kommandeur des Logistikkommandos. Das Logistikkommando führt heute Generalmajor Jochen Deuer, der zugleich den Titel „General Bundeswehrlogistik“ trägt und die logistischen Prozesse der gesamten Bundeswehr verantwortet. Das Kommando stellt sämtliche Leistungen der Basislogistik sicher – also der streitkräftegemeinsamen Logistik mit ihren Depots, Transport- und Umschlagkapazitäten – und ist darüber hinaus für das Kraftfahrwesen der Bundeswehr zuständig. Im Kommandostab in Erfurt arbeiten rund 750 Menschen, insgesamt zählt der Bereich etwa 17.000 Frauen und Männer in Uniform und Zivil.

Unmittelbar unterstellt sind dem Kommando die Logistikregimenter 1 und 4, das Spezialpionierregiment 164, das Logistikzentrum der Bundeswehr, das Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr sowie die Logistikschule der Bundeswehr. Das Rückgrat bilden die mobilen Logistiktruppen, die zum 1. Oktober 2024 eine neue Struktur erhalten haben: Den beiden Regimentern sind jeweils ein schweres und zwei beziehungsweise drei leichte Logistikbataillone unterstellt, taktische Führungsaufgaben wurden aus den Bataillonen in die Regimenter überführt. Das baut Doppelstrukturen ab und machte Personal für ein zusätzliches Bataillon frei. Das Logistikregiment 1 im sachsen-anhaltischen Burg führt vier Bataillone mit zusammen rund 3.500 Soldatinnen und Soldaten. Im Verteidigungsfall soll es mit bis zu sieben unterstellten Bataillonen ein sogenanntes „logistisches Netzwerk im Einsatz“ aufspannen, aus dem eine komplette deutsche Heeresdivision versorgt wird – eine Größenordnung, die im Fazit erneut aufgegriffen wird. Zudem führt das Regiment das Logistische Element Litauen, das die dort vorausstationierten Munitionsvorräte betreut. Zu seinen Verbänden zählen das Logistikbataillon 161 in Delmenhorst mit rund 990 Soldaten, das Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ in Burg, das seit 2025 als Verband des NATO Force Model – des aktuellen Streitkräftemodells der Allianz – für die schnelle Verlegung vorgesehen ist, sowie das Logistikbataillon 172 in Beelitz, ein verlegefähiger logistischer Knoten zwischen dem schweren Logistikbataillon und den Einsatzräumen der Teilstreitkräfte. Eine Sonderrolle nimmt das Logistikbataillon 163 RSOM ein. Das Kürzel steht für Reception, Staging and Onward Movement – also die Aufnahme, Bereitstellung und Weiterverlegung verbündeter Truppen. Mit rund 1.000 Dienstposten nimmt der Verband verlegende NATO-Kräfte an See- und Flughäfen sowie Bahnhöfen auf und betreibt Staging Areas und Convoy Support Center.

Das Logistikregiment 4 im unterfränkischen Volkach führt die Logistikbataillone 461 in Walldürn, 467 „Mainfranken“ in Volkach, 471 in Oerbke und 472 in Kümmersbruck. Das schwere Bataillon des Regiments ist das Logistikbataillon 467: Mit seinen sechs Kompanien – darunter schwere Nachschub-, Instandsetzungs- und Transportkompanien sowie eine Luftumschlagkompanie – kann es auch Großgerät wie Kampf- und Schützenpanzer instand setzen. Das Logistikbataillon 471 wiederum ist der jüngste Verband der Truppengattung: Es wurde erst zum 1. Oktober 2024 am Standort Osterheide neu aufgestellt.

Das Logistikkommando besteht jedoch nicht nur aus Logistikbataillonen. Das Spezialpionierregiment 164 in Husum stellt die einzigen Spezialpioniere der Bundeswehr: Sie planen, bauen und betreiben Feldlager, Feldtanklager und Pipelineanlagen und unterstützen im Grundbetrieb die zivilen Betreiber der NATO-Pipelinesysteme CEPS und NEPS, über die das Bündnis Kraftstoff quer durch Europa verteilt. Das Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven steuert die logistische Unterstützung der Streitkräfte im Grundbetrieb, bei Übungen, beim Host Nation Support – der Unterstützung verbündeter Truppen auf deutschem Boden – und in den Einsätzen. Das Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr in Mönchengladbach verantwortet mit der Zentralen Militärkraftfahrstelle die behördlichen Aufgaben sowie die Kraftfahrgrundausbildung – bundesweit können in 20 Kraftfahrausbildungszentren bis zu 1.920 Fahrschüler gleichzeitig ausgebildet werden.

Komplettiert wird das System durch die ortsfesten logistischen Einrichtungen: Depots, Material- und Munitionslager sowie Spezialeinrichtungen wie das Materialwirtschaftszentrum Einsatz in Bremervörde, das Betriebsstoffdepot Utzedel oder das Mechatronikzentrum Jülich. Eine detaillierte Aufschlüsselung liegt allerdings nur mit Stand 2021 vor – damals über 40 Standorte mit rund 4.500 Zivilbediensteten. In diesem Bereich ist zudem Bewegung zu verzeichnen: Unter dem Projekt oLE 2019+ nimmt die Bundeswehr stillgelegte Depots und Lager wieder in Betrieb. Mehr als 200 Millionen Euro werden investiert und 600 neue Dienstposten geschaffen; das Zielbild sind 36 ortsfeste Lagereinrichtungen, die Versorgungsgüter binnen 24 bis 48 Stunden bereitstellen können.

Rüstungsprojekte

Den Anfang macht ein Projekt, das kaum Beachtung findet, ohne das aber kein Landsystem der Bundeswehr lange fahren würde: ZEBEL. Das Kürzel steht heute für „Zentrale Bundeswehr Ersatzteil Logistik“ und bezeichnet eine Öffentlich-Private Partnerschaft, in der die Industrie die zivilen Instandhaltungseinrichtungen und die Heeresinstandsetzungslogistik HIL GmbH mit Ersatz- und Austauschteilen für die Landsysteme versorgt – und zwar von Anfang bis Ende: Der Industriepartner betreibt die zentrale Lagereinrichtung, stellt die Versorgungsgüter instandhaltungsauftragsbezogen kommissioniert bereit – das heißt, für jeden einzelnen Instandsetzungsauftrag wird genau das benötigte Teilepaket zusammengestellt und zum geforderten Zeitpunkt bereitgelegt – und übernimmt nicht nur die Transportplanung, sondern die komplette Transportdurchführung. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Logistikkommando, dem Logistikzentrum und dem Beschaffungsamt BAAINBw. Begonnen hat das Vorhaben 1999 als Pilotprojekt am Zentralen Bundeseigenen Lager in Kassel-Kaufungen. Seither wird das Verfahren Vertrag um Vertrag ausgebaut: ZEBEL 6 brachte ab 2014 die verschlüsselte Echtzeit-Anbindung an SASPF – das zentrale SAP-basierte IT-System der Bundeswehr – samt garantierter Warenübernahme binnen 24 Stunden, ZEBEL 7 erweiterte das zunächst auf Landsysteme beschränkte Verfahren um Luftfahrtgerät und wurde 2022 für rund 51,9 Millionen Euro bis Ende August 2026 verlängert – ausdrücklich, um einen unterbrechungsfreien Übergang zur Folgelösung zu ermöglichen. Diese ist längst vertraglich gesichert: Mitte Mai 2024 stellte der Haushaltsausschuss 325 Millionen Euro bereit, im Juli 2024 unterzeichneten das BAAINBw und die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, heute Teil von HENSOLDT, den Anschlussvertrag mit einer Laufzeit bis Ende 2032 plus Option auf zwei weitere Jahre. Er umfasst drei Elemente: das klassische Kommissionierlager-Geschäft mit Belieferung binnen 48 Stunden, das Daten- und Materialmanagement für 27 sogenannte nicht-autarke bundeseigene Lager – also Lager, die ihre Bestände nicht selbst verwalten, sondern zentral bewirtschaftet werden – sowie eine standardisierte IT-Schnittstelle für medienbruchfreien Datenaustausch. Neu ist dabei weniger die Leistung als ihre Bündelung: Die Ersatzteil- und Austauschteilbewirtschaftung dieser Lager lief über viele Jahre als eigener Einzelvertrag, ebenfalls bei der ESG, und ist mit dem Anschlussvertrag in ZEBEL aufgegangen.

Wie sehr das Projekt wächst, zeigt sich dieser Tage in Nordhessen. HENSOLDT hat in Wolfhagen nach weniger als zwei Jahren Bauzeit ein neues Logistikzentrum eröffnet, das Anfang September den Betrieb aufgenommen hat. Auf 40.000 Quadratmetern – 30.000 für ZEBEL, 10.000 für ein Baugruppendrehkreuz im Auftrag der HIL GmbH – sollen künftig rund 70.000 Versorgungsartikel lagern und mehr als eine Million Transaktionen jährlich abgewickelt werden. HENSOLDT führt ZEBEL inzwischen im achten Vertrag durch, und zwar mit einer Erfüllungsquote von 98 Prozent – „eine einzigartige Zahl“, wie General Deuer bei der Eröffnung betonte. Der Kommandeur würdigte das seit 27 Jahren laufende Erfolgsprojekt als Kernelement des logistischen Systems der Bundeswehr – und als mitentscheidend für glaubhafte Abschreckung und echte Verteidigungsfähigkeit.

Zentrale Bundeswehr Ersatzteil Logistik
Foto: Bundeswehr / Mario Isack

Bei den Fahrzeugflotten bewegt die Bundeswehr gewaltige Stückzahlen. Beim Geschützten Transportfahrzeug der Zuladungsklasse 15 Tonnen, kurz GTF ZLK 15t, orderte sie 2013 zunächst 147 Lkw auf Basis des Iveco Trakker, die bis 2019 ausgeliefert wurden. Ende 2020 folgte ein siebenjähriger Rahmenvertrag mit Iveco über bis zu 1.048 weitere Fahrzeuge. Daraus wurden bislang zwei Lose fest beauftragt: 224 Fahrzeuge für 182,8 Millionen Euro sowie weitere 230 Fahrzeuge für 196,2 Millionen Euro, deren Auslieferung bis 2027 läuft. Bis 2028 können zusätzlich 594 Fahrzeuge abgerufen werden. Eine Klasse darunter steht die Beschaffung noch ganz am Anfang: Für das Geschützte Transportfahrzeug der Zuladungsklasse 5 Tonnen hat das BAAINBw laut einer Mitteilung auf der Vergabeplattform TED einen Teilnahmewettbewerb veröffentlicht – geplant ist ein 15-jähriger Rahmenvertrag über bis zu 3.500 allradgetriebene, dreiachsige Lkw mit geschütztem Fahrerhaus.

Deutlich weiter ist die Truppe bei den Wechselladersystemen, kurz WLS. Sie ersetzen die veraltete MULTI-Flotte und funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Der Lkw legt eine Wechselladepritsche samt Container oder palettierter Ladung ab und nimmt sofort die nächste auf – Kräne oder Stapler werden nicht benötigt, der Materialumschlag wird schneller und die Versorgungskette durchhaltefähiger. Im Juni 2020 schloss das BAAINBw mit Rheinmetall MAN Military Vehicles einen Rahmenvertrag über bis zu 4.000 WLS im Wert von zwei Milliarden Euro. Den Auftakt bildeten 540 fest beauftragte Fahrzeuge, von denen die ersten im Mai 2022 übergeben wurden; ein Teil der Flotte kommt mit geschützter Kabine und dem Schnellnebelschutzsystem ROSY. Seither wird in dichter Folge nachbestellt – allein im Juni 2024 genehmigte der Haushaltsausschuss ein Paket von 1.515 Fahrzeugen für rund 920 Millionen Euro, im Sommer 2025 folgten weitere 963. Insgesamt sind bisher mindestens 3.804 der bis zu 4.000 Wechsellader fest beauftragt, dazu Tausende Wechselladepritschen und Aufbauten; über 1.000 Fahrzeuge waren Mitte 2024 bereits ausgeliefert, die Auslieferung läuft noch bis 2027.

Bundeswehr erhält 1.388 weitere Logistikfahrzeuge
Wechselladersysteme / Foto: RMMV GmbH

Das größte Projekt ist jedoch das Ungeschützte Transportfahrzeug, kurz UTF, das die hochgeländegängigen MAN-Lkw aus den 1970er-Jahren ersetzt. Den ersten Rahmenvertrag von 2017 über zunächst 2.271, später 3.271 Fahrzeuge hat Rheinmetall MAN bereits im Mai 2023 vollständig ausgeliefert. Im Juli 2024 folgte ein zweiter Rahmenvertrag über bis zu 6.500 weitere UTF im Wert von 3,5 Milliarden Euro – und dieser füllt sich in bemerkenswertem Tempo: Nach mehreren Abrufen und der Einführung einer neuen 4×4-Variante mit 3,5 Tonnen Zuladung beauftragte das BAAINBw Ende Mai 2026 auf einen Schlag 2.030 Fahrzeuge für 1,015 Milliarden Euro, von denen die überwiegende Zahl noch in diesem Jahr zulaufen soll. Die zuvor bestellten 1.384 Fahrzeuge aus dem zweiten Rahmenvertrag sind laut Behörden Spiegel bereits vollständig ausgeliefert. Damit stehen aktuell 4.655 UTF im Bestand, 6.685 sind insgesamt bestellt – der Gesamtbedarf der Bundeswehr liegt allerdings bei mindestens 15.000 Fahrzeugen.

Für die besonders schweren Lasten entsteht parallel eine neue Schwerlastkombination. Die militarisierte Sattelzugmaschine 70 Tonnen, besser bekannt als Elefant 2, löst die über 40 Jahre alten Schwerlast-Sattelzugmaschinen Elefant ab. Sie leitet sich von der bereits eingeführten geschützten Sattelzugmaschine Mammut ab – Fahrgestell, Winden- und Hydraulikanlage sowie die Schnittstellen zum Sattelanhänger sind identisch, was Ausbildung, Instandhaltung und Ersatzteilversorgung vereinfacht. Erst dieses System erlaubt den Straßentransport der schwersten Kampfpanzer-Varianten Leopard 2 A7V und A8. Aus dem Ende 2018 mit Rheinmetall MAN geschlossenen Rahmenvertrag wurden nacheinander 32, 48 und 57 Fahrzeuge abgerufen und ausgeliefert; Ende Juli 2026 bestellte das BAAINBw nach einem vierten Änderungsvertrag 56 weitere Elefant 2 für rund 60,5 Millionen Euro. Damit wächst die Flotte bis 2027 auf 193 Fahrzeuge. Die passenden militarisierten Sattelanhänger mit 70 Tonnen Nutzlast liefert die Doll Fahrzeugbau GmbH: Auf die ersten 31 Anhänger, ausgeliefert im Oktober 2023, folgten 91 weitere und im Dezember 2025 nochmals 168 – insgesamt 290 bestellte Anhänger, die zusammen mit dem Elefant 2 eine einheitliche Fahrzeugfamilie für den Schwerlasttransport bilden.

Ohne Kraftstoff nützt allerdings auch der beste Lkw nichts – und hier findet sich das Sorgenkind unter den Projekten: der Tankcontainer TCK 9, ein ISO-Container mit neun Kubikmetern Fassungsvermögen für den Treibstofftransport in den Frontraum. Von 120 im Mai 2022 bei der Gocher Fahrzeugbau GmbH bestellten Containern waren laut dem Magazin loyal Anfang 2026 gerade einmal 64 beim Heer angekommen, weitere 80 sollen bis 2028 zulaufen – bei einem Bedarf allein des Heeres von 975 Stück. Zwar stimmte der Haushaltsausschuss im Juni 2026 der Beschaffung von 300 weiteren Containern für rund 90 Millionen Euro zu, die geplante Erweiterung des Rahmenvertrags auf 4.200 Container samt Festbeauftragung von 902 Stück lehnte er jedoch ab. Der Grund ist bemerkenswert: Der Stückpreis hat sich von 145.000 Euro im Jahr 2021 auf 290.000 Euro im Jahr 2026 verdoppelt. Besser sieht es bei den feldmäßigen Tanklagern aus – skalierbaren Anlagen zur Bevorratung, zum Umschlag und zur Abgabe großer Kraftstoffmengen an eigene und verbündete Streitkräfte: Im Oktober 2025 genehmigten die Haushälter eine Rahmenvereinbarung über bis zu 20 dieser Tanklager, 14 davon plus zwei Erstmuster sind für 96,86 Millionen Euro aus dem Sondervermögen fest beauftragt.

Container ISO 20 Fuß, Kraftstoff 9 Kubikmeter (TCK 9)
Tankcontainer TCK 9 | Foto: Bundeswehr/Torsten Kraatz

Abgerundet wird das Paket durch drei jüngere Vorhaben. Für die mobile Instandhaltung stimmte der Haushaltsausschuss im Juni 2026 einer Rahmenvereinbarung über bis zu 450 containerbasierte Werkstattausstattungen zu – jeweils ein Werkstatt- und ein Lagercontainer im ISO-Format, mit denen die Truppe ihr Material in den Instandhaltungsstufen 2 und 3 selbst reparieren kann; 43 Sätze sollen zunächst fest beauftragt werden. Für die schnelle Verlegung auf der Schiene schrieb das BAAINBw im Juni 2026 bis zu 900 Eisenbahnflachwagen in drei Bauarten aus – für schwere, für lange und leichte sowie für hohe Fahrzeuge und Container. Und unter dem Projektnamen MUFFEL – kurz für multifunktionales Feldumschlaggerät – sollen bis zu 1.000 neue Feldumschlaggeräte die betagten Geräte der Klassen 2,5 und 4 Tonnen ersetzen: 594 davon sollen fest beauftragt und bis spätestens Ende 2032 ausgeliefert werden. Beide letztgenannten Vorhaben stehen allerdings noch ganz am Anfang – bestellt ist hier bislang nichts.

Fazit

Organisatorisch steht die Bundeswehrlogistik nach der Reorganisation solide da: ein Fähigkeitskommando, das die Basislogistik der gesamten Streitkräfte aus einer Hand steuert, darunter zwei Logistikregimenter mit klarer Aufgabenteilung, die einzigen Spezialpioniere der Bundeswehr und ein wieder wachsendes Netz ortsfester Lager. Genau diese Bündelung im Unterstützungsbereich war beabsichtigt – denn Logistik ist nach wie vor eine der Mangelressourcen der Bundeswehr, und zentral geführte Kräfte lassen sich im Ernstfall dort priorisieren, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Genau hier liegt jedoch auch die Crux, wie die eingangs genannte Zahl zeigt: Die aktuellen mobilen Logistiktruppen reichen gerade einmal aus, um zwei Heeresdivisionen zu versorgen. Für eine Bundeswehr, die insgesamt deutlich aufwachsen soll, ist das schlicht zu wenig. Das Logistikkommando wird daher – wie die gesamte Bundeswehr – in den kommenden Jahren strukturell, personell und materiell aufwachsen müssen, um die Versorgung der Streitkräfte sicherstellen zu können. Perspektivisch spricht zudem einiges dafür, logistische Kräfte wieder stärker in die Teilstreitkräfte zu integrieren – insbesondere das Heer benötigt organische Großverbände einschließlich der erforderlichen Logistikkräfte für die angestrebte Kaltstartfähigkeit.

Beim Material ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Misst man die laufenden Projekte am Bedarf, klaffen weiterhin gewaltige Lücken: Von 15.000 benötigten ungeschützten Transportfahrzeugen sind 6.685 bestellt, von knapp 1.200 geschützten 15-Tonnern 454, von 3.500 geschützten Fünftonnern noch kein einziger – und bei den Tankcontainern stehen 420 Bestellungen einem Bedarf von 4.200 gegenüber, während sich der Stückpreis binnen fünf Jahren verdoppelt hat.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Gemessen daran, wie viele Großvorhaben der Bundeswehr regelmäßig später und teurer kommen als geplant, laufen die Rüstungsprojekte der Logistik bemerkenswert rund. Wechsellader, UTF, Elefant 2, Sattelanhänger, ZEBEL – größtenteils im Zeit- und Kostenrahmen. Im deutschen Beschaffungswesen ist das nahezu ein Alleinstellungsmerkmal. Auf die Frage, ob die Bundeswehrlogistik für die Landes- und Bündnisverteidigung gerüstet ist, lautet die ehrliche Antwort daher: noch nicht – dafür sind die mobilen Logistikkräfte zu klein und die Bestände zu lückenhaft. Aber das Fundament steht, die Richtung stimmt, und die Industrie liefert. Es bleibt zu hoffen, dass die Logistik beim weiteren Aufwuchs der Bundeswehr nicht wieder ans Ende der Prioritätenliste rutscht – denn Kriegstüchtigkeit ohne leistungsfähige Logistik gibt es nicht.

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